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Freitag, 11. Dezember 2015

Geistertürchen 2015 - 11. Türchen



Die Autorin Phoebe Ann Miller war auch zu Gast. Während sie abgelenkt war, haben wir mal in ihrer Handtasche gewühlt und was glaubt ihr, was wir da gefunden haben?! Die ersten Seiten ihres noch unveröffentlichten Romans! Der Titel ist noch geheim, also psssst! Aber hier könnt ihr schon mal reinlesen.

Mehr erfahrt ihr auf ihrer Facebookseite.
Kapitel 1

»Was ist hiermit?«
Svenja hielt mir ein Buch hin, was mir gleich ein Kopfschütteln entlockte.
»Mein Vater und lesen? Ist das dein Ernst?«
Sie schien kurz zu überlegen, dann lachte sie. »Nein, nicht wirklich.«
Ich grinste und sah mich weiter um.
Wie ich es hasste, Geschenke aussuchen zu müssen. Ich tat mich oft unheimlich schwer damit, etwas Passendes zu finden. Dennoch gab ich mir Mühe, immerhin wurde mein Vater fünfzig - da konnte ich nicht mit einem popeligen Gutschein aufwarten.
Zum Glück hatte sich meine Kollegin Svenja bereit erklärt, mich in die Stadt zu begleiten, doch es hatte den Anschein, als würde sie mir keine große Hilfe sein.
»Ich verzweifle noch daran«, grummelte ich leise, als ich meinen Blick schweifen ließ. »Komm, lass es uns woanders probieren. Hier werden wir nicht fündig.«
»Vermutlich nicht«, stimmte Svenja zu und legte das Buch, das sie gerade in der Hand gehalten hatte, weg. »Können wir nochmal kurz in die DVD-Abteilung? Ich möchte mir einen Film holen.«
»Klar. Vielleicht kommt da ja eine Eingebung.«
Wir grinsten uns an; mein Vater konnte mit Filmen genauso wenig anfangen wie mit Büchern.
»Was suchst du denn?«, fragte ich auf den Weg nach oben.
»Den Neuen mit Cooper Adams.«
Ich lachte laut auf. »Hätte ich mir denken können! Fangirl!«, zog ich sie auf, woraufhin sie mir sofort eine Schnute zeigte.
»Er ist ein guter Schauspieler«, beharrte sie. »Und außerdem dreht er momentan hier in Bamberg.«
»Ach ja? Auf den Spuren der Musketiere?«, stichelte ich.
Svenja verdrehte die Augen und meinte: »Ich kann mir ihn jetzt nicht in einem Historienfilm vorstellen, aber irgendeinen Grund wird es schon haben, dass sie bei uns drehen.«
»So erhöht sich wieder einmal die Zahl der in Bamberg gedrehten Filme und Werbespots«, gab ich gespielt großspurig kund. »Wer kann sich schon dem Charme unserer Stadt entziehen?« Ich wackelte verführerisch mit den Augenbrauen, ehe ich ihr beim Suchen half. Ich wurde fündig und rief sie zu mir, bevor ich mir die Hülle genauer ansah.
Auf dem Cover stand ein schwarzhaariger Mann im Mittelpunkt: Cooper Adams. Selbst ich musste zugeben, dass er attraktiv war und schauspielern konnte er zudem tatsächlich. Ich hatte den Film »Here After All« gesehen und fand, dass er zu Recht den Oscar dafür bekommen hatte.
»Na endlich!«, sagte sie und nahm eine der Blu-Rays an sich.
»Schon auf Entzug?«, neckte ich sie und schob sie zur Kasse.
Sie verdrehte die Augen. »Ist ein toller Film - solltest du dir auch mal ansehen.«
»Aber nur mit dir.«
Nachdem sie gezahlt hatte, verließen wir das Kaufhaus und traten in den strahlenden Sonnenschein. Ich sah auf die Uhr. »Wollen wir was essen gehen?«, fragte ich Svenja und erntete einen erstaunten Blick.
»Und das Geschenk?«
»Ich gebe auf, mir fällt jetzt nichts ein.«
»Na gut, musst du wissen.«
»Wie wär’s mit dem Spanier?«, schlug ich vor. »Leckere Tapas, köstliche Cocktails – alles, was das Herz begehrt!«
»Ooooh, Garnelen! Bin dabei!«
Ich musste schmunzeln; wir teilten die Vorliebe für Meeresfrüchte. Sie hakte sich bei mir unter und gemeinsam liefen wir Richtung Altes Rathaus, um von dort zum spanischen Restaurant zu gelangen. Die Sonne strahlte vom Himmel, es war warm und die Innenstadt somit voller Menschen, darunter viele Touristen.
»Wer davon wohl zum Filmteam gehört«, grübelte Svenja.
»Das wirst du nie herausfinden.«
»Wahrscheinlich nicht.« Sie seufzte. »Wie läuft es eigentlich mit Stefan?«
Ich wollte das Thema nicht vertiefen, also hielt ich mich kurz. »Ich habe dir doch gesagt, dass es vorbei ist.«
»Hast du ihn angerufen?«, fragte sie mich neugierig.
»Nein, habe ich nicht. Werde ich auch nicht. Er hat sich entschieden und damit muss ich leben.«
Sie sah mich schief an. »Warum gibst du ihm keine Chance?«
»Ich?« Verwirrt runzelte ich die Stirn. »Darf ich dich daran erinnern, dass er Schluss gemacht hat, weil er die Entfernung nicht ertragen hat?« Der Gedanke an die Zurückweisung schmerzte noch immer. »Und er hat doch Recht. Bamberg und Hamburg, das ist zu weit, vor allem, da wir uns auch nicht lange kennen. Drei Monate hin und her, nur Telefonate, keine Nähe. Ich brauche meinen Freund bei mir, ich möchte einen gemeinsamen Alltag, der nicht aus festgelegten Telefonzeiten besteht. Vielleicht ist Stefan mir einfach nur zuvor gekommen.« Ich zuckte mit den Schultern.
»Aber ihr passt doch so gut zusammen, Sara!«
»Das ändert nichts an der Entfernung!«, erinnerte ich sie.
»Liebe kennt keine Grenzen! Sie überwindet alles«, entgegnete sie mir.
»Nein, das tut sie eben nicht!«
Bei den letzten Worten hatte ich mich unwillkürlich zu ihr gedreht und nicht gemerkt, dass jemand hinter mir gelaufen war. Prompt rannte die Person mich über den Haufen. Bevor ich aber zu Boden fallen konnte, umschlangen zwei Arme meine Taille, drückten mich an einen fremden Körper und verhinderten so, dass ich auf den Asphalt knallte.
Verblüfft öffnete ich die Augen, die ich vor Schreck zusammengekniffen hatte. Und sah in die blauesten Augen, die ich jemals in meinem Leben gesehen hatte. Der Ausdruck darin war warm und besorgt.
»Alles in Ordnung?«, wurde ich auf Englisch gefragt.
Reflexartig antwortete ich in dergleichen Sprache. »Ja. Danke!«
Der Mann zog mich hoch und stellte mich wieder auf die Beine, hielt mich aber noch an den Oberarmen fest. Langsam musterte er mich, während ich meinen Blick nicht von seinen Augen abwenden konnte.
»Nichts passiert«, meinte er leise.
In der Nähe hörte ich ein erschrockenes Keuchen, konnte mich jedoch nicht von dem Fremden lösen. Ich sah ihn mir genauer an. Er kam mir bekannt vor, allerdings konnte ich nicht einordnen, woher. Mir war, als hätte ich ihn erst vor kurzem gesehen, was definitiv an diesen unbeschreiblichen Augen lag. Tiefblau wie der Ozean und genauso unergründlich. Bisher hatte ich solche Beschreibungen für reines Klischee gehalten, dennoch fielen mir keine anderen Worte dafür ein. Warm und ausdrucksstark; sie berührten mich. Jemand räusperte sich und mir wurde bewusst, dass er in Begleitung eines weiteren Mannes war, der ein Stück entfernt auf ihn wartete. Das brachte mich zur Besinnung.
»Entschuldigen Sie bitte!«
Er ließ mich los und trat einen Schritt zurück. »Kein Problem.«
Erst da bemerkte ich, dass er ein Basecap trug und mehr als einen Kopf größer war als ich.
Mit einem charmanten Lächeln tippte er sich an die Kappe. »Pass auf dich auf, Dark Angel.«
Dann schloss er sich dem Mann an, der bereits auf ihn wartete, und ging davon.
Ich war noch sprachlos von der Begegnung, als Svenja auf mich zu stürmte und mir um den Hals fiel. »Oh - mein - Gott! Du Glückspilz!«
Verwirrt blinzelte. »Was meinst du?«
»Ach komm! Tu nicht so!« Sie boxte mir gegen den Oberarm. »Du weißt genau, dass das Cooper Adams war.« Sie hängte sich an mich und sah den beiden Fremden schmachtend nach.
Sofort wusste ich, dass sie Recht hatte und mein Hirn zu benebelt gewesen war, das Offensichtliche wahrzunehmen: Ich hatte in den Armen eines Stars gelegen.
Svenja umfasste meine Taille. »Das war Cooper Adams - und jetzt hat er quasi auch mich berührt.«
Mein Gesicht musste ihr meine Gedanken mitgeteilt haben, denn plötzlich fingen wir beide schallend an zu lachen und machten uns wieder auf den Weg, wobei mich tiefe, blaue Augen begleiteten.

(unkorrigierte Version)

erscheint 2016 im Amrûn Verlag

Denkt auch heute an unser kleines Weihnachtsgewinnspiel!
Schaut bis zum 22.12.2015 bei uns vorbei, genießt die Türchen und lasst uns einen Kommentar da. Nicht nur wir Geister, auch unsere Gäste freuen sich über ein paar Worte von euch. Jeder Kommentar wandert in den Lostopf. Also, wenn ihr jeden Tag vorbeikommt und kommentiert, könnt ihr insgesamt 22 Lose sammeln und eure Chancen steigern. Am 23.12. werden wir einen Gewinner ziehen und das Ergebnis am 24.12. im letzten Türchen bekannt geben.  

Kommentare:

  1. Hallöchen Mendea,
    das erste Kapitel klingt schon ein toll ♥
    Liebe Grüße
    Charleen

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  2. Ich liebe solche "Kurzgeschichten". Danke fürs einstellen. Freue mich auf andere Kapitel, denn das erste war echt toll.
    Liebe Grüße
    Anja vom kleinen Bücherzimmer

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  3. Vielen Dank für die schöne Geschichte :)

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  4. Danke für den schönen Einblick *__* ich selbst Sitze auch an einem Buch :D

    LG Marci

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  5. Guten Morgen,

    klingt interessant, da bin ich mal sehr gespannt! ;-)

    Ganz liebe Grüße
    Marion

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  6. Ich habe es bereits ganz gelesen als Testleserin und es ist richtig toll - freut euch drauf! :)

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  7. Hallo an alle.
    Das liest ja schnell weg. Schade ich hätte gerne weiter gelesen. =)

    Liebe Grüße Jeannine M.

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  8. da mag man ja unbedingt mehr von lesen wollen :-D LG Jenny :-)

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  9. Wie das wohl weiter geht? Bestimmt mit viel Herzschmerz - da bin ich immer im Zwiespalt, ob ich's toll oder kitschig finden soll. Aber etwas Kitsch ist schon toll.

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  10. Huhu,
    da wüsste ich wirklich gerne, wie es denn weitergeht.

    Viele liebe Grüße
    Denise

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  11. Das macht neugierig!

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  12. Hach ja, so eine schöne "Schnulze" wäre mal wieder schön zu lesen! :)

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  13. Aaaah! Wie gemein ihr seid!! jetzt muss ich noch soooo lange warten? :(

    *hmpfs*

    Liebe Grüße
    Eva

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  14. Vielen Dank fürs Reinschnuppern lassen. Das hat jetzt allerdings Appetit auf mehr gemacht :)
    LG Jill

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