Seiten

Samstag, 31. Oktober 2015

Halloween-Special mit Thomas Williams - 10 Horrorromane

Heute habe ich mir mal einen Gast eingeladen, der euch zum Thema Horror mehr erzählen kann als ich. Der Horror-Autor Thomas Williams stellt euch 10 seiner liebsten Horrorromane vor.
Vielleicht ist ja für euch was dabei :) 

Als Mendea mich fragte, ob ich Lust hätte, zu Halloween einen Beitrag über 10 Horrorromane zu schreiben, die man meiner Meinung nach gelesen haben sollte, wollte ich eigentlich fragen: „Gehen auch 100?“
Das kam mir ein wenig dreist vor. Und 99 ist keine schöne Zahl, als belassen wir es bei 10.
Trotzdem fühle ich mich geehrt, dass Mendea an mich gedacht hat.
Deswegen gebe ich mir größte Mühe hier ein paar Werke vorzustellen, die ich in den letzten Jahren gelesen habe und die mir sehr gut gefallen haben. Dabei stehen die Bücher in keiner besonderen Rangfolge. Die Nummer 1 ist also nicht das Beste und die Nummer 10 nicht das Schlechteste. Ich versuche möglichst unterschiedliche Werke vorzustellen, die alle einen Ehrenplatz in meiner Sammlung haben. Darunter auch ein paar Kurzgeschichtensammlungen. Lasst euch von den englischen Titeln nicht täuschen. Alle Bücher sind auf Deutsch erschienen. Auch handelt es sich nicht immer um Bücher, die mir einen Schauer über den Rücken gejagt haben, sondern um solche, die mich bestens unterhalten konnten. Aber darauf gehe ich in den Beschreibungen näher ein.

  1. Dead Sea“ von Tim Curran

Nach einem Schiffsunglück im Bermudadreieck befinden sich mehrere Männer auf Trümmerstücken und in Rettungsbooten inmitten von dichtem Nebel gefangen. Und in diesem leben Kreaturen, die aus einer anderen Welt zu stammen scheinen. Schon bald müssen sich die Männer fragen, ob sie sich überhaupt noch auf der Erde befinden. Die Lage wird zudem immer angespannter, so, dass die Wesen im Nebel längst nicht mehr die einzige Gefahr bleiben. Eine der beiden Gruppen soll schon bald auf einen Schiffsfriedhof stoßen, in dem Kähne aus vergangenen Jahrhunderten liegen.
Ich liebe Geschichten über Geisterschiffe! Curran schafft es nicht nur auf über 600 Seiten pausenlose Spannung zu erzeugen, sondern auch so eine packende Atmosphäre entstehen zu lassen, die mich tatsächlich am hellichten Tag dazu gezwungen hat, mal eine kurze Pause einzulegen. Ich habe vorher nie ein Buch bei Seite gelegt, weil ich eine Verschnaufpause brauchte und mich erst einmal sammeln musste, um weiter zu lesen. Respekt, Mister Curran. Dieses Buch werde ich nie vergessen. Und schon gar nicht die Spinnenfrau.

  1. Black Box“ von Joe Hill

Inzwischen dürfte bekannt sein, dass Joe Hill der Sohn von Stephen King ist. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass mir die Werke von Hill deutlich besser gefallen, als die des Kings. Hill hat eine grenzenlose Phantasie, die frischen Wind in das Genre bringt. Seine Kurzgeschichtensammlung gehört für mich zu den besten, die ich je gelesen habe. Keine Story ist wie die andere. Mal regen sie zum Nachdenken an, dann zum Schmunzeln oder man beendet eine Story mit einem bedrückenden Gefühl, wegen dem düsteren Ausgang. Das Buch hat mich als Autor wahnsinnig beeinflusst, da Hill sich wunderbar von anderen Autoren abhebt. Etwas, das ich auch immer wieder versuche und dank seiner Romane und Geschichten sehe ich mich darin besonders bestärkt.

  1. Frankenstein“ von Mary Shell

Muss ich überhaupt groß Worte über dieses Buch verlieren? Sicher kennt ihr die eine oder andere Verfilmung, aber ich sage euch: Lest das Buch!
Selbst, wenn ihr wisst, wie es ausgeht! Lest es! Es ist so unglaublich gut geschrieben und für mich der Klassiker schlechthin, unter den Horrorromanen.
  1. Der Cthulhu-Mythos“ von H.P. Lovecraft

Kein anderer Autor hat das Genre so sehr beeinflusst wie Lovecraft. Mit seinen Werken um die großen Alten hat er ein ganz eigenes Universum voller fremder Kreaturen und Welten erschaffen, die heute noch von Autoren rund um den Globus genutzt werden. Und auch in Comics und Filmen sind seine Einflüsse immer deutlich spürbar. Das Necronomicon aus „Evil Dead“ oder das „Arkham Asylum“ aus Batman. Lovecrafts Geschichten sind zudem noch unglaublich vielseitig. Von längeren und kurzen Schauergeschichten, bis zu nur schwer verständlichen Werken, die man zweimal lesen muss, in der Hoffnung, sie zu begreifen.

  1. Drive-In“ von Joe R. Lansdale

Es ist schon ein paar Jahre her, dass ich Lansdales „Drive-In“ gelesen habe, aber ich erinnere mich deutlicher an dieses Buch, als an manche von vor ein paar Monaten. Wie schon Joe Hills „Black Box“ hat es mich stark beeinflusst, da es so anders ist, als andere Werke. Erzählt wird die Geschichte von einem Autokino, das während eines Horrorfilmfestivals nach einem Meteoriteneinschlag unter einer Schlammkuppel eingeschlossen wird. (Das Buch erschien lange vor dem Simpsons-Film und vor Stephen Kings „Under the dome“.) Die Filme laufen ununterbrochen weiter, unter den Menschen kommt es zu Auseinandersetzungen, Panik, irgendwann auch zu Kannibalismus. Richtig durchgeknallt wird es, wenn zwei Menschen miteinander verschmelzen und als Popcornkönig die Herrschaft ergreifen wollen. Kürzlich sind alle drei Teile als Sammelband erschienen. Ich kann euch diesen irren Trip nur wärmstens empfehlen, wenn ihr auf abgefahrene Stories steht.
  1. Red Sky“ von Nate Southard

From dusk till dawn“ meets „The hills have eyes“. Besser kann man dieses Werk nicht beschreiben. Nach einem missglückten Banküberfall verstecken die Gangster sich mit einer Geisel in einer stillgelegten Fabrik. Irgendwann fallen ihnen die eigenartigen Spuren auf, die weder von Menschen, noch von Tieren stammen können. Als es dunkel wird, kommen Kreaturen zum Vorschein, die in den Gewölben nur auf Frischfleisch gewartet haben.
Knallhart und sauspannend geschrieben.
  1. Blut“ von Stephen King

Blut“ ist eine Kurzgeschichtensammlung des Meisters des Grauens, die ebenso unterschiedlich ausfällt wie „Black Box“ von seinem Sohnemann. Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich die Geschichten gelesen habe, aber die eine oder andere geht mir bis heute nicht aus dem Kopf. Besonders „Das Floß“ ist einer meiner ewigen Lieblinge. Bestimmt kennen einige von euch die Verfilmung von „Der Nebel“. Die Kurzgeschichte steht dieser in nichts nach. Ob das Ende jedoch genauso düster ist, müsst ihr schon selber herausfinden.

  1. Hellraiser“ von Clive Barker

Mit „Hellraiser“ dürfte es sich verhalten wie mit „Frankenstein“. Viele von euch werden den Film kennen oder von ihm gehört haben. Oder von einem der Sequels, aber lasst euch von der sinkenden Qualität der Filmreihe nicht abschrecken. Als ich die Buchvorlage gelesen habe, war ich total überrascht, wie sehr sich der Film und der Roman voneinander unterscheiden und sich zugleich ähneln. Viele Szenen kamen in der Verfilmung nicht vor oder sahen anders aus, was am Budget gelegen haben durfte. Bei einem Buch braucht auf so etwas keine Rücksicht genommen werden. Barkers Schreibstil ist einfach hervorragend und packt einen von der ersten Seite an. Den Roman habe ich erst gelesen, nachdem ich den Film bereits gesehen hatte und trotzdem hat er mich bestens unterhalten können.

  1. Snow“ von Ronald Malfi

Ich hasse Schnee. Wirklich! Er ist kalt, nass und rutschig. Kaum hat man den Gehweg vor der Haustür freigeschaufelt und sich umgedreht, knallt die nächste Lawine vom Himmel. Irgendjemand sollte mal einen Horrroroman über Frau Holle schreiben.
In Ronald Malfis „Snow“ geht es aber nicht um eine alte Dame, die Kissen schüttelt, sondern um drei Menschen in den USA, deren Flüge wegen eines Schneesturms gestrichen werden und die sich gemeinsam ein Auto mieten, um ihre Ziele doch noch zu erreichen. Unterwegs nehmen sie einen Anhalter mit, der verwirrt wirkt und sie in eine scheinbar verlassene Stadt lotst. Doch schon bald soll die kleine Gruppe feststellen, dass die Bewohner sehr wohl noch anwesend sind. Und noch etwas anderes, das Besitz von ihnen ergriffen hat.
Was mir an „Snow“ so gut gefallen hat war, dass es wirklich mal etwas Neues geboten hat. Keine Zombies oder Vampire. Auch keine Abwandlung von ihnen. Die Kreaturen entstammen Malfis Phantasie und so etwas kann mich immer am besten unterhalten.
So sehr ich Schnee auch hasse, so sehr mag ich Filme, Bücher und Fotos in verschneiten Landschaften. Es ist wohl dieser Anblick von Kälte und Trägheit. Es hat etwas Düsteres an sich, das mich einfach anspricht.
Ich muss nur nicht gerade drin herum latschen und mir den Hintern abfrieren.

  1. Evil“ von Jack Ketchum

Als ich Jack Ketchums „The girl next door” (Originaltitel des Buches) las, war ich angewidert und fasziniert zugleich. Die Geschichte handelt von zwei Mädchen, die 1965 bei einer Frau unterkommen, damit ihre Eltern als Schausteller durchs Land ziehen können. Diese Frau entpuppt sich jedoch als Psychopathin. Sie behandelt die Mädchen nicht nur schlecht, sondern lässt auch zu, dass die Jungs aus der Nachbarschaft die ältere der beiden Schwestern grausam foltern. Zuerst sind es nur Schläge und Beleidigungen. Aber irgendwann gerät die Situation außer Kontrolle und es niemand da, der helfen könnte.
Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht eines der Jungs, der die immer schlimmer werdenden Gewaltausbrüche beobachtet, sich aber nie anschließt und nichts tut, um es zu verhindern.
Zu Beginn habe ich mich gefragt, wie ein Mensch sich solch eine schreckliche Geschichte ausdenken kann. Dann habe ich erfahren, dass sie auf einer wahren Begebenheit beruht. Das macht dieses Buch für mich unvergesslich. Die Vorstellung, dass so etwas wirklich passiert ist, ist mit einfach unbegreiflich.
Sehr harter Tobak, nicht jedem zu empfehlen. Und vielleicht doch wichtig zu lesen.

Kommentare:

  1. Hallo Mendea,

    da sind ja ein paar tolle Tipps von Herrn Williams dabei, die ich mir bei Amazon gleich noch genauer anschauen werde. Einige von den Empfehlungen kenne ich selbst schon, die Drive-In Trilogie habe ich sogar kürzlich selbst gelesen - war aber nicht sehr begeistert davon.

    LG
    Steffi

    AntwortenLöschen
  2. Huhu!

    Danke für die Tipps! Ich bin zwar in dem Genre nicht unbedingt zuhause, aber gelegentlich mache ich Abstecher dorthin :). Vor allem "Snow" ist jetzt sehr passend, wo der Winter ja eigentlich schon da sein sollte ... Schlittschuhe, Ski, Skischuhe in den Schaufenstern und fertig, mehr Winter ist nicht :D.

    Aber ein Teil von mir denkt sich jedes Mal, was man mit den Gegenständen alles anstellen könnte, an mir ist doch zumindest von den Ideen her ein kleiner Thrillerautor verloren gegangen ...

    Liebe Grüße
    Carina

    AntwortenLöschen