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Mittwoch, 17. Dezember 2014

17. Geistertürchen - Elke Eybar & "Blut & Liebe "



Außer anderen Geistern und Werwölfen laden wir auch sehr gerne Vampire zu uns ein - so lange sie nicht glitzern! Da passte es doch ganz gut, dass uns Elke Aybar einen Ausschnitt aus ihrem Roman "Blut & Liebe" mitgebracht hat. 



Serge baute sich vor ihm auf. Und natürlich kam er nicht alleine. Von rechts schob sich Victor ins Bild. Links tauchte die gedrungene Gestalt Sols auf. Victor trug wie üblich seinen speckigen Cowboyhut, und zwar so, dass die Krempe seine Augen beschattete. Seine schmalen Lippen waren zusammengepresst, das Kinn aggressiv vorgeschoben. Das Hemd und die enge Lederhose waren tiefschwarz. Seit David ihn kannte, hatte er noch nie eine andere Farbe getragen. Sol sah absolut durchschnittlich aus. Man sah ihn und vergaß ihn gleich wieder. Allenfalls erinnerte man sich daran, dass er seine Sätze mit Fäkalausdrücken zu spicken pflegte. David vermied es, mit ihm zu sprechen, sofern es nicht unbedingt nötig war.
„Na, du Mädchen.“ Serge hieb mit der Faust gegen seinen Oberarm und lachte, als David übertrieben zusammenzuckte. „So einen zaghaften Appetit heute?“
Dass dieser Umstand trotz all seiner Vorsicht aufgefallen war, beunruhigte ihn. David ließ seine Zigarette fallen und hob die Hände, um zu zeigen, dass er entspannt war. „Ich bin dank deiner Gastfreundschaft so satt wie schon lange nicht mehr.“
„Was machen die Geschäfte?“ Genauso gut hätte Serge auch fragen können, wann er ihm die nächste Wunschliste zustecken konnte.
„Du kennst mich, ich habe immer etwas am Laufen. Gib mir nur noch ein wenig Zeit.“
Serge winkte großzügig ab. „Mach dir keine Gedanken. Ich weiß ja, dass sich das Warten lohnt.“ Er wandte sich an den Vampir zu seiner Rechten. „Victor, sag ich nicht immer, dass David ein Genie ist?“
Victor presste einen Laut hervor, den man nicht einmal mit gutem Willen als höflich interpretieren konnte. David fragte sich, was mit ihm los war. Sie mochten sich zwar nicht besonders, aber sie kamen miteinander aus.
„Ein Genie? Das hörte man gerne. Danke.“ Er machte eine bescheidene Miene und wartete nervös auf Serges Forderungen. Denn er hatte gelogen. Im Augenblick war er von einem lukrativen Geschäft so weit entfernt wie Victors Cowboyhut von einem Babyhäubchen.
„Bist du wirklich satt?“ Serge sah ihn scharf an.
Schon wieder eine Frage, die in diese gefährliche Richtung zielte. Hatte etwa doch ein launischer Zufall einen der Vampire zum selben Zeitpunkt in das Restaurantviertel geführt wie ihn? Hatte ihn jemand über dem Pärchen gesehen? Er entschloss sich zu einer Halbwahrheit. „Ich habe nicht annähernd genug getrunken. Wenn ich allerdings ehrlich sein darf ...?“
Serges Augenbrauen zogen sich zusammen, aber er brummte eine Zustimmung.
Mutig geworden fuhr David fort: „Ich wünschte, diese Leute“, er nickte in die Mitte des Raumes hinüber, „könnten duschen, ehe wir uns an ihnen verköstigen.“ Er grinste entschuldigend. „Ihr Gestank verdirbt mir den Appetit.“
„So?“ Serge wippte auf den Sohlen. „Und wie pflegst du, das Problem in deinem Alltag zu lösen?“
Gewandt zu lügen, erforderte ein Höchstmaß an Konzentration. Der Lügner musste Vergangenes erinnern, Zukünftiges bedenken und dabei die Gegenwart im Fadenkreuz haben. Meistens verriet er sich durch die winzigen Pausen, die er unbewusst einlegte, um sein Lügenkonstrukt zusammenzuzimmern. Auf dem Weg hierher hatte David sich deshalb sicherheitshalber auf diese und verwandte Fragen vorbereitet. Entsprechend kam seine Antwort wie aus der Pistole geschossen: „Ich warte gewöhnlich in der Nähe der Obdachlosenunterkünfte. Wer da herauskommt, hat zumindest kürzlich Bekanntschaft mit Seife gemacht. Auch heute habe ich das so gehalten.“
„Schlau.“ Serge nickte. „Was würdest du zu einer Überraschung sagen?“
„Kommt darauf an, ob sie zu der angenehmen Sorte zählt oder nicht.“
Serge lächelte zufrieden und David erkannte, dass er von Anfang an auf diesen Punkt zugesteuert hatte. „Victor, bring das Geschenk!“
Während sie schweigend warteten, schob jemand eine CD von Eros Ramazzotti in den Player. David wünschte sich auf der Stelle den Punk-Rock zurück, Serge schnippte jedoch vergnügt den Takt mit den Fingern und so hielt er lieber den Mund. In so aufgeräumter Stimmung hatte er den Fürsten selten erlebt. Es konnte nichts Gutes bedeuten.
Als Victor wenige Minuten später zurückkam trug er ein Bündel auf dem Arm, das vollständig in ein besticktes schwarzes Seidentuch gehüllt war. Ein breites goldenes Stoffband war mehrfach darum herumgewickelt und zu einer unbeholfenen Schleife gebunden worden. David beobachtete erstaunt, wie der nicht gerade als zimperlich bekannte Vampir seine Last mit äußerster Behutsamkeit auf dem Boden ablegte. Es kam David vor, als nähme er nur widerwillig seinen Platz neben Serge ein.
Dieser rieb sich die Hände. „Ich bin gespannt, wie du es findest. Ich kann dir zumindest verraten, dass wir nicht das Erstbeste genommen haben. Victor hat lange danach gesucht, nicht wahr mein Lieber?“
Der Cowboy knurrte eine Zustimmung. Jeder einzelne Muskel in seinem Körper schien angespannt. Irgendetwas gärte in ihm, so viel war klar. Und es hatte mit dieser Überraschung zu tun.
Gegen seinen Willen war David neugierig geworden. Bedächtig näherte er sich dem Bündel. Einige Sekunden starrte er unschlüssig darauf hinab. Sein sogenanntes Geschenk verhielt sich ganz still. Einzig dort, wo sich die Nase befinden musste, wurde die dünne Stofflage in regelmäßigem Rhythmus angesogen. Die Atemzüge kamen in schneller Folge. Sie wirkten jedoch nicht panisch, was in Anbetracht der Umstände nur normal gewesen wäre. David hatte keinen Zweifel, dass sich unter der Seide Ärger für ihn verbarg.
„Ja, ist es denn zu fassen?“ Ungeduldig klatschte Serge in die Hände. „Pack endlich aus!“
Notgedrungen bückte er sich. Er löste das Tuch zuerst nur an der Seite, auf der geatmet wurde. Aus den schimmernden Stofflagen tauchte das Gesicht einer jungen Frau auf. Kirschaugen, blütenzarte Haut und wirres kurzes schwarzes Haar. Sie fand seinen Blick und hielt ihn fest. David lächelte ihr beruhigend zu und kam sich wie ein Lügner vor.
„Weiter!“
Mit zusammengebissenen Zähnen zog er die goldene Schleife auf und schlug das Seidentuch beiseite. Es stellte sich heraus, dass man sie in ihren Kimono gewickelt hatte. Bei dem breiten Band handelte es sich um den dazughörigen Obi. Das Unterkleid aus karmesinroter Seide hatte man ihr zum Glück gelassen. Sie wehrte sich nicht gegen seine Bemühungen, hob im Gegenteil Arme, Beine und Gesäß, um ihm zu helfen. Ihr Blick blieb dabei unverwandt auf ihn geheftet.
„Und? Gefällt dir mein Präsent?“
David achtete darauf, dass ihn seine Miene nicht verriet. Er richtete sich auf und machte eine leichte Verbeugung in Serges Richtung. „Ich fühle mich geehrt.“
„Du hast es dir verdient.“ Serge zwinkerte ihm gut gelaunt zu. „Ich bestehe darauf, dass du den Teller leer isst.“ Mit einem boshaften Seitenblick zu Victor fügte er hinzu. „Niemand wird sie vermissen.“
Das wagte er zu bezweifeln, doch es gelang David, sich ein begeistertes Lächeln abzuringen. Er drehte sich wieder zu der Frau und streckte ihr die Hand hin, die sie zu seiner Verblüffung ohne Zögern ergriff. Als er sie auf die Beine gezogen hatte, trat sie zu ihm und drückte sich wie ein kleines Vögelchen Schutz suchend an seine Seite. Etwas in ihm krampfte sich schmerzhaft zusammen. Aus einem völlig irregeleiteten Gefühl heraus schien sie Vertrauen zu ihm gefasst zu haben. Hatte sie nicht begriffen, dass er ihr Mörder sein sollte?
Serge wechselte mit Sol einen Blick, woraufhin dieser losmarschierte, sich unter die Gäste mischte und mit einzelnen Vampiren ein Gespräch zu führen begann. Gleich darauf wandte sich Serge mit der Miene eines gönnerhaften Onkels wieder ihm zu. „Ich sehe, dass die Überraschung gelungen ist. Und nun fang endlich an.“
David war sich vollkommen darüber im Klaren, dass das Vögelchen dem Tod geweiht sein würde, sobald er ihr Blut auch nur roch. Seine Selbstbeherrschung war in dieser Nacht schon zu oft auf die Probe gestellt worden. Er presste die Kiefer zusammen, lockerte sie aber sofort wieder. Nur nicht zeigen, wie angespannt er war.

Wie so oft kippte Serges Laune innerhalb eines Augenblicks und seine gewohnte Ungeduld trat zutage. „Warum so zaudernd?“ Mit einem Schritt war er bei ihnen, packte die junge Frau am Haar und zerrte ihren Kopf zur Seite. Ihr entschlüpfte kein Laut, David merkte jedoch, wie sich ihre Finger in sein Hemd krallten. Die Haut an ihrem überstreckten Hals war straff gespannt und durchscheinend zart. Er sah ihren Puls darunter rasen.
Seine Zähne schossen ein und er hasste sich dafür.
Aus Victors Kehle drang ein bedrohliches Knurren. David konnte es jedoch nicht einordnen. Was genau machte den Cowboy gerade wütend? Dass er noch nicht längst von der Frau trank? Oder dass er im Gegenteil gleich von ihr trinken würde? Unter Mühen löste er den Blick von dem ihm zugedachten Opfer und sah zu Victor, der vor unterdrückter Wut geradezu zu vibrieren schien.
Serge drehte ebenfalls den Kopf zu seinem Stellvertreter und wirkte – zufrieden?
In David keimte ein Verdacht. Ging es hier etwas gar nicht um eine Belohnung für ihn, sondern um eine Strafe für den Cowboy?

 Denkt auch heute an unser Weihnachtsgewinnspiel!
Schaut bis zum 22.12.2014 bei uns vorbei, genießt die Türchen und lasst uns einen Kommentar da. Nicht nur wir Geister, auch unsere Gäste freuen sich über ein paar Worte von euch. Jeder Kommentar wandert in den Lostopf. Also, wenn ihr jeden Tag vorbeikommt und kommentiert, könnt ihr insgesamt 22 Lose sammeln und eure Chancen steigern. Am 23.12. werden wir einen Gewinner ziehen und das Ergebnis am 24.12. im letzten Türchen bekannt geben.

Kommentare:

  1. Na gut, eher weniger mein Geschmack. Ich bin mehr für richtigen Horror ^^

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  2. Huhu,
    heute mal etwas später,das Buch der lieben Elke hat was.
    Ja ein guter Vorschlag.
    Liebe Grüße
    Ute

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  3. Gefällt, noch ein Buch mehr, was auf meiner Liste landet!

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  4. Die Geschichte gefällt mir. Habe ich direkt auf meine Wunschliste gesetzt.

    Viele liebe Grüße
    Denise

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  5. Das Buch steht bei mir schon auf der WuLi :)

    Lg Bonnie

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  6. Hallo und vielen Dank für diese Buchvorstellung und dieses schöne Geistertürchen!

    Viele liebe Grüße
    Katja

    kavo0003@web.de

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  7. Huch, da klicke ich bei Facebook auf das vermeintlich heutige Türchen und lande bei diesem Leckerbissen. Erst bei den Kommentaren stelle ich fest, dass es die Tür von gestern war. Zum Glück verklickt, sonst hätte ich DAS HIER ganz verpasst. =D
    Liebe Grüße! Maren

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  8. Nicht ganz mein Fall, aber hüpfe für das Gewinnspiel hier in den Lostopf :-)

    E-Mail: kerstin.raphahn@t-online.de

    Liebe Grüße
    Kerstin

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