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Donnerstag, 30. Oktober 2014

Buch - "Gehetzt" von Kevin Hearne



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Titel: Gehetzt – Die Chronik des Eisernen Druiden
Autor: Kevin Hearne
Genre: Urban Fantasy
Verlag: Klett-Cotta
Seiten: 350
Preis: 16,95€ (Broschiert) / 13,99€ (eB)



Atticus O’Sullivan führt ein scheinbar friedliches Dasein in Arizona. In seinem Laden bekommt man alles, was man eben so brauchen kann. Nachbarn und Kunden halten ihn für einen netten, tätowierten jungen Mann. Tatsächlich ist Atticus aber nicht 21, sondern über 2100 Jahre alt: Er ist der letzte lebende Druide. Seine übermenschlichen Kräfte zieht er direkt aus der Erde und außerdem besitzt er ein unsagbar scharfes magisches Schwert namens Fragarach. Zu Atticus’ Unglück aber ist eine überaus erzürnte keltische Gottheit hinter genau diesem Schwert her. Und sie hat es auf Atticus’ Leben abgesehen …






Ich entschuldige mich zu Beginn dafür, dass ich mich bei diesem Buch einfach nicht kurz fassen konnte. Atticus und ich hatten einen sehr schweren Start. Als das Buch das erste Mal in Deutsch erschien, entdeckte ich es auf den Neuerscheinungslisten. Der Titel war mit „Die Chronik des Eisernen Druiden – Die Hetzjagd“ irgendwie etwas steifer und das Cover wirkte auf mich wie ein Jugendroman. Irgendwie hat es mich da nicht gepackt. Zum Release des zweiten Bandes wurde allerdings auch der erste überarbeitet und neu raus gebracht. Das Engelchen hatte ihn gelesen und schwärmte in den höchsten Tönen davon. Also wurde ich neugierig. Es ist ja – regelmäßige Leser unseres Blogs werden es wissen – schon ziemlich schwer, das Engelchen zu begeistern. Ich sollte nicht enttäuscht werden.

Dank eines Paktes mit der Totengöttin Morrigan ist der Druide Atticus schon über 2000 Jahre alt. Trotzdem ist er recht bodenständig. Er hat einen kleinen Esoterikladen, liebt Fish & Chips im Pub um die Ecke und guten Whiskey. Das man sich in all den Jahren nicht nur Freunde macht, sollte jedem klar sein. Wenn man dann allerdings alte, keltische Götter erzürnt hat, wird es gefährlich – selbst für einen beinahe unsterblichen Druiden. Und obwohl Atticus eigentlich nur seine Ruhe haben will, wird er plötzlich zu einer Schachfigur im Spiel zwischen Göttern, Hexen, Werwölfen und Dämonen.

Vorne weg muss ich direkt sagen, dieses Buch hat mich restlos überzeugt und begeistert, obwohl es kleine Mängel aufweist, die mir erst im Nachhinein klar wurden, als ich mir Gedanken über die Rezension gemacht habe. Ich möchte auch darauf eingehen. Trotzdem schmälert es für mich nicht den Lesegenuss.

Der Stil ist rasant und witzig. Atticus legt ein wirklich hohes Tempo hin und gönnt dem Leser kaum eine Möglichkeit zum durchatmen. Hat man die eine Gefahr abgewendet, kommt direkt die nächste Überraschung. Es geht wirklich Schlag auf Schlag. Ich hatte schon ganz oft das Problem, dass mich so ein Stil eigentlich gestört hat. Hier finde ich es irgendwie ganz gut verpackt. Es ist ja trotzdem stimmig. Wenn man mehrere Gegner und mehrere Probleme hat, kommt halt manchmal alles auf einmal. Ist ja auch im wahren Leben oft genug so. Trotzdem könnte ich verstehen, wenn einige Leser sich daran stören. Wahnsinnig Platz für ruhige Momente und Charakterentwicklung ist nämlich nicht.
In meinen Augen ließ sich das Buch sehr schnell lesen. Man war einfach so in der Geschichte drin, dass man gar nicht merkte, wie Seiten und Zeit an einem vorbei flogen.

Aber ganz ehrlich, was soll sich bei einem 2000 Jahre alten Charakter noch entwickeln? Das wäre auch noch ein Punkt, an dem sich wohl Leser scheiden. Atticus ist ein sympathischer, toller Charakter mit frechen Sprüchen. Aber man erfährt nicht viel über ihn. Er ist es gewohnt, aus sich selbst ein Geheimnis zu machen und so schafft er das auch seinem Leser gegenüber. Wirklich intensiv charakterisieren könnte ich ihn nicht, aber ich mag ihn trotzdem. Er ist ein kleiner Nerd, er macht regelmäßig Anspielungen auf Kultfilme oder ähnliches. Schön finde ich, dass er nicht so der saubere, strahlende Held ist, sondern noch die alte Mentalität hat. So lange man ihn in Ruhe lässt, tut er nichts, aber greift man ihn an, heißt es „Auge um Auge“. Dadurch zeigt er manchmal eine recht harte, grausame Seite, was ihn aber irgendwie greifbarer macht.
Der heimliche Held ist sowieso Oberon, der große Irische Wolfhund. Atticus hat im auf mentaler Ebene sprechen beigebracht und so finden öfters im Geiste witzige Diskussionen statt. Zum einen kann niemand anderes Oberon hören, was dazu führt, dass er öfters mal einen blöden Kommentar einwirft, wenn Atticus sich mit wem anders unterhält. Zum anderen haben Hunde leider kein Verständnis für Ironie oder bildliche Sprache, weswegen er manchmal alles etwas zu wörtlich nimmt. Dieser Hund ist einfach nur toll und herzerfrischend und man weiß ganz schnell, warum es Atticus’ bester Freund ist.

Grundsätzlich hat die Story und die Welt in der sie spielt wahnsinnig viele Möglichkeiten – deswegen gibt es im Englischen wahrscheinlich auch schon 7 Bände. Die verschiedenen Götter aus diversen Mythologien tauchen auf, Druiden, Hexen, Vampire, Werwölfe, Dämonen, Geister. Da versteckt sich noch ganz viel Potenzial und ich bin gespannt, was da noch alles kommt. Ich interessiere mich sowieso sehr für Mythologie und finde es immer spannend wenn Autoren es schaffen, diese Themen neu umzusetzen.
Auch hier fiel mir im Nachhinein ein kleines „Aber“ auf. Denn durch die Fülle der mythologischen Kreaturen und deren ganzen Vorgeschichten und Fähigkeiten hat man nicht immer Zeit um auf alles einzugehen. Die Rangordnung im Rudel wurde z.B. ein paar mal angeschnitten, aber richtig durchblickt habe ich sie nie. Der Antagonist Aengus war für mich an sich auch keine wirkliche Gefahr, weil ich ihn einfach nicht kennenlernen konnte. Natürlich wird am Anfang etwas über ihn geredet, aber als Leser lernt man ihn dadurch nicht hassen (auch nicht mögen, er ruft gar keine Emotion hervor). Dann taucht er nur am Ende fürs große Finale auf und wäre auch beliebig austauschbar gewesen. Das fand ich ziemlich schade. Auch das wirken der Druidenmagie kam mir teilweise zu kurz. Auch hier wird nur angeschnitten, dass es was mit Erdgeistern zu tun hat, aber genaueres erfährt man nicht. Auch kriegt man nicht wirklich mit, was Atticus eigentlich alles kann, denn seine wichtigsten Auseinandersetzungen klärt er mit dem Schwert. Manchmal hätte ich mir doch mehr Einblicke hinter die Kulissen gewünscht.

Aber das tut dem Roman im Großen und Ganzen keinen Abriss. Wenn man etwas temporeiches, freches, gewürzt mit viel Mythologie lesen will, dann ist man mit dieser Reihe bestens bedient. Außerdem ist es ja nur der erste Teil einer langen Reihe. Also kann da ja auch noch ganz viel Hintergrundinfo kommen.

An dieser Stelle noch ein paar Worte zum Cover. Ich finde es sehr mutig vom Verlag, sich dafür zu entscheiden, dass Buch noch mal in neuem Gewand zu verlegen, obwohl die erste Auflage noch gar nicht so alt ist. Nun zieren die original Cover aus dem Amerikanischen die Bücher und die finde ich richtig gelungen – was nur zum Teil daran liegt, dass der Typ auf dem bild nett anzusehen ist. Jetzt kommt man wirklich von dem Gedanken „Jugendroman“ weg. Wenn man sich die Cover aller amerikanischen Teile anschaut, sehen sie im Gesamtpaket auch wirklich toll aus. Alle zusammen im Regal sind bestimmt ein Blickfang.


Nach anfänglicher Skepsis entpuppte sich „Gehetzt“ zu einem großartigen Reihenauftakt, der für mich persönlich bisher das Highlight des Jahres darstellt. Trotz kleiner Mängel, die mir während des Lesens kaum aufgefallen sind, konnte mich die Story begeistern. Ein cooler Held, witzige Anspielungen und ein interessantes Weltkonzept mit vielen Möglichkeiten. Ich stürze mich direkt gierig auf Band 2 und werde dann schon sehnsüchtig Band 3 entgegen sehen. Diese Reihe ist ein Muss für Leute, die auf originellen, flotten Urban Fantasy stehen.
Volle Punkt!







Mein Dank an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

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