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Donnerstag, 28. August 2014

Buch - »Der Schelm von Venedig« von Christopher Moore

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Titel: Der Schelm von Venedig
Autor: Christopher Moore
Genre: Satire
Verlag: Goldmann
Seiten: 384
Preis: 16,99

Der Hofnarr Pocket trauert um seine geliebte Cordelia, Königin von England, die vor Kurzem einem mysteriösen Fieber erlag. Vor ihrem Tod hatte sie Pocket gebeten, nach Venedig zu reisen, um die Mächtigen der Stadt von einem Krieg abzuhalten. Pocket macht sich auf den Weg, aber als er in Venedig ankommt, muss er nicht nur erfahren, dass Cordelia in Wahrheit Opfer eines Giftanschlags wurde, er wird auch noch bei lebendigem Leib in einen Keller eingemauert. Hinter alldem stecken der Senator Brabantio und der Kaufmann Antonio, die alles tun, um ihre Kriegspläne durchzusetzen. Pocket schwört Rache – wenn er sich nur erst einmal aus seinem Verlies befreien könnte ...

Quelle: Verlagsseite


»Zerrissen zwischen widerstreitenden Loyalitäten verpisst man sich am besten auf irgendeine Insel.«
(Seite 161)

»Aber andererseits - ohne Geist geht's nicht...«
(Seite 167)


Pocket ist zurück! Dieses Mal reist der freche und perverse Narr nach Venedig und nimmt gleich zwei Klassiker von Shakespeare auseinander. Pocket reist im Auftrag seiner Frau Cordelia, der Königin von England, um einen Krieg zu verhindern, doch dann erhält er die Nachricht vom plötzlichen Tod seiner Frau. Mächtige Kaufleute verfolgen ihre eigenen Interessen und plötzlich verstrickt sich Pocket in Intrigen um Macht, Geld, Ehre, aber vor allem Liebe.

Der Stil von Christopher Moore ist sehr speziell und damit muss man schon klar kommen, um Pocket zu lieben. Es ist eine geniale Mischung zwischen abgrundtief niveaulosem Zeug und sehr intelligenten Humor. Wie auch schon bei "Fool" - Pockets erstem Abenteuer - wird man mit abgedrehten Beleidigungen, sexistischen Kommentaren und viel Charmelosigkeit konfrontiert. Das ist wahrscheinlich nicht für jeden was.
In »Der Schelm von Venedig« nimmt Moore »Der Kaufmann von Venedig« und »Othello« aufs Korn und mischt die beiden Geschichten mit viel künstlerischer Freiheit. Der Vorteil ist allerdings, dass man keines der beiden Dramen kennen muss, um die Geschichte zu verstehen. Die Story erzählt sich einfach von selbst und ist eine neue, freche Herangehensweise an alte Klassiker. Der ein oder andere wird vielleicht sagen, das Shakespeare sich wohl im Grabe umdreht, wenn er von so einem zotigen Buch erfährt, aber das glaube ich gerade nicht. Er hätte bestimmt Spaß an Pocket, denn für seine Zeit war Shakespeare sehr frech und freizügig.
Generell sprengt Moore den Aufbau eines klassischen Dramas und macht sich teilweise auch darüber lustig. So hat der Roman zwar fünf Akte, aber auch einen nervigen Chor, der immer wieder dazwischen redet und vom Protagonisten zurecht gewiesen werden muss. Und eins ist klar: Es geht nicht ohne Geist!
Nachteilig an dem Buch ist die hohe Anzahl von Personen und deren Verbindungen untereinander. Man muss schon den Überblick behalten und das ist gerade auch bei ähnlichen Namen sehr schwer. Aus einem Tippfehler im Namen heraus, entstand sogar ein neuer Charakter, um die Verwirrung noch zu vergrößern. Da fiel es mir gelegentlich schon schwer, zu behalten, wer mit wem gegen wen.
Außerdem ist die Story sehr voll. Es passiert unheimlich viel und überall werden Fäden gezogen und Dinge verheimlicht. Hinzu kommen auch die Brüche im Erzählstil. Während Pocket eigentlich alles in der Ich-Perspektive erzählt, werden andere Szenen plötzlich aus der 3. Person betrachtet. Das wirkt etwas unstrukturiert und haut einen mal gerne raus. Diverse Rückblenden, um die Vorgeschichte zu erörtern, tun dann ihr übriges.
Besonders süß finde ich das Cover. Schon den ersten Band zierte ein niedlicher Hase und der zweite Band passt da ausgezeichnet zu. 
An dieser Stelle sollte ich aber auch noch mal darauf hinweisen, dass man den Vorgänger "Fool" nicht kennen muss. Die Geschichten sind in sich abgeschlossen und bauen nur lose aufeinander auf.


Wer Christopher Moore kennt und Bücher wie "Fool" und "Bibel nach Biff" mag, wird auch mit "Der Schelm von Venedig" seinen Spaß haben. Es ist eine alberne Lektüre, die einen zum Lachen bringt, und doch ist sie sehr intelligent gemacht. Abwechslungsreich, frech und bunt - genauso wie ein Schelm sein sollte. Wenn auch mit kleinen Abzügen.


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