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Mittwoch, 25. Juni 2014

Buch - "Tensistoria - Schwarze Spuren" von Jessica Oldach

Quelle: Seite der Autorin




Titel: Tensistoria - Schwarze Spuren
Autor: Jessica Oldach
Genre: Fantasy
Verlag: BookRix
Seiten: 285 Seiten
Preis: 14,90 € (Print)/4,99 € (Kindle Edition)



Was vorher eine harmlose Frauengeschichte war, entwickelt sich für Neythen Gallas als ein komplettes Desaster. Er erwacht in einem fremden Körper und gerät somit ungewollt in einen Kreis seltsamer Kreaturen, die alles andere als menschlich sind.
Neythen wird immer weiter in etwas hineingezogen, was er anfangs nicht verstehen kann, bis sich das Blatt wendet.
Ein Tier, das jahrelang in ihm geschlummert hat, erwacht zum Leben ... und das Chaos nimmt seinen Lauf.

Quelle: Buchrückseite



Die Geschichte beginnt in der Schule, wo Neythen, vollkommen gelangweilt vom Unterricht, seine Lehrerin durch Sprüche belästigt und dafür beim Direktor landet. Nach Absitzen seiner Strafarbeit hegt er eine ziemliche Wut auf die Lehrerin, eine Referendarin, was ihn jedoch später nicht daran hindert, mit ihr ins Bett zu steigen. Als er erwacht, befindet er sich in ihrem Körper und macht sich auf den Weg, seinen eigenen zurückzuholen, was ihm nach kurzer Zeit bereits gelingt.

Nicht besonders deutlich wird hier, warum er diese Ereignisse relativ gelassen hinnimmt. Neben der Wut auf die Frau ist da nämlich nicht viel anderes als ein kurzer Moment der Überraschung und Verwunderung, dann akzeptiert Neythen das so - obwohl er als scheinbar normaler Mensch noch nie mit soetwas in Berührung gekommen ist, es sowas eigentlich nicht geben sollte.

Auch auf die späteren Eröffnungen, wie etwa die, dass er ein Werwolf ist, reagiert er ähnlich. Seine Bockigkeit, dieses alles zu akzeptieren, scheint mehr den Ursprung in seinem Charakter zu haben, als darin, dass er Probleme hätte, diese Dinge zu glauben.

Als vom Tod seiner Familie in der Menschenwelt berichtet wird, die vom Säugling bis hin zu der Frau, die er für seine Mutter hielt, ausgepeitscht und erhängt wurden, löst das bei mir als Leser absolut nichts aus. Ich möchte trauern, mit den Charakteren fühlen, wenn so etwas berichtet wird. Das gelingt hier leider absolut nicht, auch nicht beim Sterben anderer Personen, die Neythen teilweise sehr nahe gestanden haben.

Das liegt größtenteils am Schreibstil, mit dem ich nicht warmwerden konnte. Teilweise wird dem Leser ein Stakkato an kurzen, aufeinanderfolgenden Sätzen vorgeworfen. Dann wieder Passagen, die mit Adjektiven und Beschreibungen überlaufen sind und dennoch keine Bilder im Kopf erzeugen können.

Unglaublich gestört haben mich diverse Rechtschreib- und Tippfehler. Fehlende Leerzeichen oder mal eines zu viel kann noch als Tippfehler gewertet werden, obgleich sie der Lektorin oder auch der Autorin selber hätten auffallen sollen, wenn sogar ich sie sehe, obwohl ich auf Inhalt und nicht auf Rechtschreibung gelesen habe. Dinge wie "Holz Bett", "s" (anstatt "es") oder die Verwechslung von "tot" und "Tod" dürfen einfach nicht passieren und sind genauso störend, wie die anscheinend nach dem Zufallsprinzip gewählten Absätze, die das Lesen deutlich erschweren, da mehr als eine Passage zweimal gelesen werden muss, um den Sinn erfassen zu können oder zu wissen, wer im Dialog gerade redet. Des Weiteren kann ich mit Capslock in Ausnahmen noch leben, nicht allerdings mit zwei oder sogar drei Frage- oder Ausrufezeichen hinter einigen Sätzen.

Immer in sich schlüssig ist die Geschichte nicht und die eine oder andere Handlung wirkt, als sei sie eingefügt, um Zeit zu schinden. Dennoch gefällt mir die Idee sehr gut und ich war von Anfang an sehr gespannt, was die Autorin aus dem seit "Underworld" und Co teilweise schon überstrapazierten Thema Werwölfe macht.

Erfrischend anders ist die Idee, Luzifer als kleines Mädchen darzustellen (obwohl da verwirrend ist, dass einige der Charaktere doch oft als "er" von ihr sprechen). Das Böse im Körper von unschuldig wirkenden Kindern gab es zwar schon oft, aber selten in dieser Form, dass die Gestalt, die das Böseste verkörpert, so dargestellt wird.

Überhaupt nicht warmgeworden bin ich mit Neythen. Anfangs wird er als zwanzigjährig beschrieben, scheint aufgrund später berichteter Ereignisse, die ich hier wegen Spoilern nicht nenne, allerdings mindestens fünf Jahre älter zu sein. Das bringt mich zu der Frage: altern Werwölfe nicht oder nur langsam? Einige Fragen bleiben offen, was ich allerdings nicht als negativen Punkt betrachte, da die Autorin derzeit an einer Fortsetzung arbeitet und in dieser möglicherweise die Antworten zu finden sind.

Die anderen Charaktere bleiben genauso fern und nicht recht fassbar, einzig ein gewisser Pater war wirklich sympathisch und jemand, mit dem man sich identifizieren kann.

Unklar blieb weitestgehend, wo die Handlung gerade spielt. Anscheinend auf der Erde, nicht in der Welt Tensistoria, aus der Neythen und die anderen bösen Kreaturen stammen, was allerdings wiederum die Frage aufwirft: Warum zum Beispiel Tage durch die Wüste wandern, wenn es doch Flugzeuge oder Autos gibt? Woher kommen Galgen und schaulustige Menge? Sind wir hier vielleicht doch in Tensistoria?

Die Autorin scheint ihre Charaktere gern zu quälen und beschreibt die entsprechenden Szenen auch recht anschaulich. Es ist zwar kein Horrorroman, dennoch sind das Szenen, die nicht fehl am Platze sind, wenn man die Bestie Werwolf, die in Neythen schlummert und die er anfangs nicht kontrollieren kann, betrachtet.

Ich war wirklich gespannt auf das Buch, wurde leider aber ein wenig enttäuscht. Eine sehr gute Idee trifft hier auf eine inhaltlich, vor allem aber stilistisch nicht immer elegante Umsetzung, die teils mehr wie ein Aufsatz einer Schülerin wirkt als wie ein Buch.
Einen Pluspunkt bekommt allerdings das ansprechende Cover. Ein weiterer geht an die schöne, jedoch ausbaufähige Idee.
Somit haben wir hier leider nur zwei von fünf Skulls.





Vielen Dank an die Autorin, dass sie uns ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat!












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