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Mittwoch, 28. Mai 2014

Buch - "Die goldene Kriegerin" von Federica de Cesco

Quelle: Verlagsseite




Titel: Die goldene Kriegerin
Autor: Federica de Cesco
Genre: Historischer Jugendroman
Verlag: Blanvalet
Seiten: 384
Preis: ab 3,99 Euro


Die junge Tomoe weiß, dass sie kämpfen wird. Auch wenn ihr verboten wurde, am entscheidenden Feldzug gegen einen feindlichen Clan teilzunehmen. Sie ist eine Samurai – die goldene Kriegerin. Sie kann schneller reiten als der Wind, und ihr Bogen ist treffsicherer als der vieler Männer. Aber erst als sie einen taktischen Sieg erringt, gewinnt sie den Respekt des ehrgeizigen jungen Feldherrn Yoshinaka. Und je länger sie Seite an Seite kämpfen, desto stärker wächst Tomoes Liebe. Doch Yoshinaka begehrt Tomoes sanfte Schwester …

Eine bewegende Liebesgeschichte vor der farbenprächtigen Kulisse des alten Japan.


Quelle: Verlagsseite 



Das Buch beginnt mit der Erzählung einer alten Frau. Sie war Kriegerin, berichtet sie, lehrt manchmal noch das Kämpfen. Nirgends ist sie wirklich heimisch, sondern Vagabundin, kritisch von ihren Mitmenschen beäugt; sie leidet an Demenz. Schnell wird klar, dass es sich bei dieser Frau um die gealterte Tomoe handelt. Obgleich dieser Einstieg nicht unüblich ist, ist es in diesem Falle schade, da zu viel vom Ende bereits auf diesen wenigen Seiten verraten wird.

Die ersten Kapitel sind etwas verwirrend. Tomoes gesamte Kindheit wird hier zusammengefasst, wobei keineswegs chronologisch vorgegangen wird, sondern immer wieder Rückblenden in Rückblenden vorhanden sind oder die Ereignisse im vorherigen Kapitel chronologisch nach denen des folgenden einzuordnen sind. Das macht den Einstieg etwas mühsam und schleppend, zumal nicht immer sofort deutlich wird, zu welchem Zeitpunkt die beschriebenen Ereignisse stattfinden.
Später wird dies besser, da nur noch Ereignisse, die über sehr wenige Jahre verteilt stattfinden, beschrieben werden, wobei es da teilweise Unstimmigkeiten gibt. So beschreibt Tomoe zum Beispiel, selber schwanger zu sein, was sie im Herbst beobachtet und berichtet im selben Atemzug, dass Yoshinakas Stute tragend sei. Kurz darauf wird von der Geburt des Fohlens berichtet, sie selber bekommt ihr Kind erst später. Entweder ist an dieser Stelle wieder den Ereignissen vorweg gegriffen oder die Autorin hat schlecht recherchiert - denn ich weiß beim besten Willen nicht, wie die elfmonatige Tragezeit eines Pferdes kürzer sein kann als die Schwangerschaft eines Menschen, beziehungsweise, sollte die Stute bereits vorher trächtig geworden sein, wie dies in den (vermutlich) beschriebenen Zeitraum ist.
Der Schriftstil ist wechselhaft. Zunächst holpert und stolpert er, da die Autorin anscheinend versucht, ihre Sprache alt klingen zu lassen. Mit der Zeit gibt sich dies, obwohl mitunter immer wieder Begriffe, die nicht recht in den doch modernen Sprachgebrauch der Autorin passen, auftauchen.
Die Erklärungen für Ereignisse sind oft zu einfach. Andere, wie etwa der Tod bestimmter Personen, wird zu leicht abgehakt - ist Tomoe im ersten Moment noch am Boden zerstört, scheint es ihr im nächsten egal. Fast scheint es, als wäre die Toten vergessen. Überhaupt ist das, was das Buch beschreibt, keine Liebesgeschichte und die Botschaft, die vermittelt wird, nicht unbedingt eine positive: Persönliches Geschick wird dem Kampf, der Suche nach Rache und dem Tod im Kampf untergeordnet. Tomoe liebt Yoshinaka, dieser wiederum liebt ihre Schwester - und da Tomoe einen Schwur geleistet hat, ist es ihr egal. Sie dient Yoshinaka, was er entscheidet, das ist richtig, und wenn er sie bitten würde, den aussichtslosesten Kampf für ihn zu kämpfen, so würde sie das ohne mit der Wimper zu zucken tun.
"Ich mag selbstbewusste Mädchen und Frauen, die – ohne es an die große Glocke zu hängen – das Richtige im richtigen Augenblick tun." - dies schreibt die Autorin. Tomoe mag selbstbewusst gewesen sein, allerdings wirkt sie nur wie eine willenlose Marionette, wie eine Puppe, die sich dem Befehl ihres Herren unterordnet. Somit ist Tomoe alles, aber kein solches Mädchen, wie die Autorin es beschreibt.
Wirklich fesselnd am gesamten Buch ist lediglich die Handlung. Nicht Tomoe ist die Hauptperson, sondern Yoshinaka. Seine Geschichte, die als Halbwaise, der von seiner Mutter in die Obhut von Tomoes Eltern gegeben wird, beginnt und von seinem Aufstieg zum Feldherren und seinem Fall berichtet, wird erzählt und in den Mittelpunkt gestellt.



Wieder mal ein Buch aus einer Bücherkiste mit heruntergesetzten Büchern, an der ich nicht vorbeigehen konnte. Ich habe es aufgrund des mich ansprechenden Covers und der Inhaltsangabe auf der Rückseite gekauft.
Doch so gut das Cover ist, so enttäuschend ist der Rest. Sicherlich ist es ein Jugendbuch, wodurch ich nicht ganz so hart mit Plotlücken usw. ins Gericht gehen werde, doch nur weil es auch jüngere Menschen lesen, rechtertigt das noch lange kein unsauberes Handwerk.
Schon nach den ersten Seiten hätte ich es fast wieder aus der Hand gelegt, weil ich einfach nicht reingekommen bin. Der Sprachstil zum Weglaufen, die Verwirrung mit Namen und Zeit ...
Weitergelesen habe ich, weil mich tatsächlich interessiert hat, wie es weitergeht und weil ich nicht fassen konnte, dass ein auf den ersten Blick so ansprechendes Buch so schlecht sein sollte.
Wer anspruchsvolle Literatur sucht, ist mit diesem Buch definitiv falsch beraten. Japanfans im Übrigen absolut nicht zu empfehlen, da so gut wie nichts über das Japan der Zeit berichtet wird! Zum Ausspannen im Prüfungs- oder Arbeitsalltagsstress ist es allerdings ein guter Tipp, weil es gelesen werden kann, ohne mit dem Kopf immer dabei sein zu müssen.
Leider nur zwei Skulls, einer davon geht an die gute Handlungsidee, der andere ans Cover und die wenigen positiven Punkte, die sich an ein, zwei Stellen finden lassen.


Kommentare:

  1. Klingt ja richtig schade. Aber habe mit der Autorin auch so meine Probleme. Habe "Die Tibeterin" und die "Die Tochter der Tibeterin" gelesen. Sehr langweilige Bücher mit mir unsympathischen Protagonisten. Bis da mal was interessantes passierte, verging einige Zeit. Allerdings erfuhr man mehr über Tibet, als es scheinbar in deinem Buch der Fall war :)

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    1. Ich weiß den Titel nicht mehr, aber ich habe vor längerer Zeit auch schon ein Buch von ihr gelesen, und das hatte mich auch nicht wirklich umgehauen. Aber man gibt ja gerne mal eine zweite Chance, vor allem, wenn auf den ersten Blick alles so ansprechend wirkte. ;) Hier erfährt man leider so gut wie gar nichts ... okay, es werden am Rande ein paar Dinge erklärt (Sitzordnungen, Familienschrein, Shogunat, usw), aber das sind erstens wirklich wenige und zweitens kenne ich mich nicht gut genug aus, um mit Bestimmtheit sagen zu können, ob das korrekt recherchiert ist. Liebe Grüße,
      Moira

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  2. Hi Moira

    Oh, Federica de Cesco war DIE Lieblingsautorin meiner Jugend. Ich habe damals (vor langer, langer Zeit), all ihre Bücher verschlungen und auch die ersten erwachsenen Romane von ihr konnten mich begeistern. In letzter Zeit habe ich aber nichts mehr von ihr gelesen und ich muss zugeben, dass mir "Die goldene Kriegerin" gar nichts sagt.
    lg Favola

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    1. Hey Favola,

      Erwachsenenromane habe ich von ihr noch keine gelesen und werde es wohl nach diesem Erlebnis nicht mehr ;) Vielleicht sehe ich es auch etwas zu kritisch, da es ja immerhin ein Jugendbuch ist, aber meine Lieblingsautoren sind andere :)

      Liebe Grüße,
      Moira

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