Seiten

Mittwoch, 12. März 2014

Buch - "Zweite Chancen" von Dominik Altherr







Titel: Zweite Chancen
Autor: Dominik Altherr
Genre: Fantasy
Seiten: 58  (ca. 13.300 Wörter)
Preis: 0,92€ (Kindle-Preis)












Jennas Bestimmung als Lichtwesen ist es Menschen zu retten.
Menschen, die eine zweite Chance verdienen.
Doch bei ihrem bisher wichtigsten Auftrag beginnt sie zu zweifeln:
"Wie weit darf man beim Spiel mit dem Schicksal gehen?"

Quelle: Amazon




Wer sich jetzt denkt, dass das eine sehr kryptische und spannungsheischende Inhaltsangabe ist, dem sei gesagt, dass alles, was der Leser von Jenna erfährt hier erwähnt wird. Na gut, das war wohl etwas überspitzt.

Wir erfahren tatsächlich, dass sie nach ihrer Arbeit als "Bodyguard" an einen Ort namens Limen zurückkehrt, in der noch weitere Wesen ihrer Art leben und der gleichen Arbeit wie Jenna selbst nachgehen.

Diese Wesen haben keinerlei Erinnerung an eine frühere Existenz und wissen nicht einmal wie sie aussehen, da ihre äußere Erscheinung auf jedes Lichtwesen anders wirkt. Diese Regeln gelten für alle Bewohner des Limen bis auf einen. Simmons ist sozusagen der Boss aller Lichtwesen, der ihnen Aufträge erteilt und auch entzieht, wenn er es für angebracht hält.

So kommt es, dass Jenna wieder mit ihrem alten Mentor Hank zusammenarbeitet, um auf den, für Simmons, wichtigsten Menschen der Welt aufzupassen, Alexander hat die Macht die Welt zu einem besseren Ort zu machen, wenn er lange genug lebt.

 


Zuerst möchte ich erwähnen, dass ich die Idee von Lichtwesen, die sich in die menschliche Welt einbringen, um Fremden das Leben zu retten recht interessant und auch gut umgesetzt finde. Vorallem die Erklärung, warum die Schutzengel das eigentlich tun, gefiel mir und wirkte originell. Sie werden nicht als herzensgute Wesen dargestellt, die den Menschen einfach helfen möchten, sondern sind darauf bedacht die Strafe zu vermeiden, die ihnen bevorsteht, wenn sie einen Menschen, von dem sie eine Vision hatten, sterben lassen. Sie erfahren erneut eine Vision, in der sie alles sehen, was hätte sein können, wenn ihre Zielperson überlebt hätte.

Aus dieser guten Idee und dem interessanten Setting ist leider nicht so viel geworden, wie ich mir erhofft hatte. Das liegt meiner Meinung nach daran, dass zuviel Wert auf Details gelegt wurde, die zwar die Erzählung nett ausfüllten, zur Storyline aber wenig beitrugen. Der Limen, der für jedes Geistwesen anders aussieht, für Jenna wie eine Schule. Alexanders Beziehung zu seiner Physiotherapeutin Kristina. Und sein Feldzug, um erfolgreicher Politiker zu werden.

Natürlich sind das alles wichtige Details, aber nicht so wichtig, dass sie jedes mindestens ein Kapitel in Anspruch nehmen sollten. Man muss als Autor differenzieren, ob man an einem Roman oder einer Novelle schreibt und seine Detailfülle dementsprechend anpassen, ich denke das ist hier nicht der Fall gewesen.

Der gestaltwandelnde Limen ist wirklich cool, aber warum muss ich als Leser wissen, dass Jenna ihn als Schule sieht? Warum soll ich darüber nachdenken, warum das wohl so sein könnte, wenn ich am Ende der Geschichte keinen Anhaltspunkt bekommen habe, um diese Frage zu beantworten?

Dass Alexander seine Physiotherapeutin heiratet hätte meiner Meinung nach genauso gut in zwei bis drei Sätzen mitgeteilt werden können. Wozu eine Szene in der er mit ihr an seinem Muskelaufbau arbeitet, eine in der er mit ihr essen geht, eine in der er sie zur Haustür bringt, eine in der sie ihn bei einer Wahlkampfparty besucht und zu guter Letzt eine in der gemeinsamen Wohnung? 

Bei Alexanders politischem Werdegang erging es mir ähnlich. Aus dem Kopf weiß ich allein vier Szenen, in denen er mit Leuten seiner Partei zusammensitzt und Alkohol trinkt, während er über seine Karriere diskutiert. Ist das wirklich so wichtig? Da hätte ich mir lieber ein paar Szenen im Limen mehr gewünscht. Zumal die da herrschenden Gesetzesmäßigkeiten mir größtenteils schleierhaft sind und sie kaum erklärt werden.

Ich finde es immer schwierig eine Kritik fair klingen zu lassen und dabei das Wesentliche - das sind ja nun mal die Verbesserungswünsche - deutlich herauszustellen. Ich würde nicht sagen, dass das Buch mir nicht gefallen hat, ich habe mich gut unterhalten gefühlt, auch wenn ich mit den Charakteren nicht richtig warm geworden bin.






Ich bin normalerweise kein Fan von Novellen, weil es für mich schwer ist eine Beziehung zu einer Figur aufzubauen deren Geschichte man vielleicht zwanzig Minuten begleitet. So erging es mir auch bei "Zweite Chancen", Jenna ist ganz interessant und symphatisch, der Rest der Figuren ist mir, um ehrlich zu sein, völlig gleichgültig. Eine der besten Szenen hätte in einem Roman fantastisch gewirkt, in einer Novelle aber plump und unbeeindruckend. Ich wollte hier einfach schnell dran vorbei lesen und mit der hauptsächlichen Geschichte weitermachen.

Abschließend bleibt mir noch zu sagen, dass "Zweite Chancen" eine nette Ablenkung für zwischendurch ist, aufgrund der Länge und der oben genannten Punkte allerdings nicht mehr. Für einen Preis von 0,92€ ist dies aber durchaus in Ordnung. Die Idee und das Setting in einem Roman hätten mich mit Sicherheit gefesselt, aber die knappe Story und hohe Dichte an offen gebliebenen Fragen die eine Novelle mit sich bringt lassen mich doch etwas enttäuscht zurück. Daher von mir 2,5 von 5 Skulls.









Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen