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Sonntag, 9. März 2014

Buch - "Zweite Chancen" von Dominik Altherr





Titel: Zweite Chancen
Autor: Dominik Altherr
Genre: Fantasy
Seiten: 51  (ca. 13.300 Wörter)
Preis: 0,92€ (Kindle-Preis)




Jennas Bestimmung als Lichtwesen ist es Menschen zu retten.
Menschen, die eine zweite Chance verdienen.
Doch bei ihrem bisher wichtigsten Auftrag beginnt sie zu zweifeln:
"Wie weit darf man beim Spiel mit dem Schicksal gehen?"

Quelle: Amazon



Insgesamt ist die Geschichte recht ordentlich, es gibt jedoch auch einige deutliche Negativ-Punkte.

Zuerst einige eher formale Dinge, die mir aufgefallen sind: 
Bei „Zweite Chancen“ handelt es sich um das Werk eines Indie-Autoren, allerdings bin ich von diesen trotz eines meist nicht vorhandenen Lektorats in der Regel eine gelungenere Schreibe gewöhnt. Dabei ist der Stil im Durchschnitt nicht schlecht, aber einige Ausreißer hätten selbst Beta-Lesern auffallen sollen; etwa wenn ein Charakter sich „hinreisen lässt“, statt „hinreißen“ oder bei der wörtlichen Rede, trotz angehängtem Nebensatz stets ein Punkt am Ende des Satzes steht („Hallo.“, sagte er.) Vor allem die gelegentlichen Rechtschreibfehler und die zahlreichen Zeichensetzungsfehler haben mir dabei das Lesen erschwert. Hinzu kommt die Silbentrennung („Sch-wäche“), die des Öfteren ein Wort zerhackt.[Edit: Lag wohl an meinem Programm!]
Auch einige Logikfehler haben sich eingeschlichen – so besitzt Jenna nur in den Augen anderer eine Gestalt und ist in Wirklichkeit körperlos, was sie jedoch nicht daran hindert einen Apfel an ihrer nicht-vorhandenen Jeans zu säubern.

Letztlich liest man an der Novelle aber nicht besonders lange, da trotz ca. 50 Seiten, fast nur die Hälfte dieser Seiten bedruckt sind. Jede 2. bis 3. Seite beginnt ein neues „Kapitel“ und das muss stets auf einer neuen Seite starten, sodass sehr viel Platz ungenutzt und leer bleibt.

Inhaltlich sieht es ähnlich aus: Auch hier ist Potenzial erkennbar, aber es wird oft verschenkt.
Der Einstieg in die Geschichte fällt dem Leser nicht unbedingt schwer, wenngleich er etwas ungewöhnlich ist. Man erwartet, Informationen zu bekommen, einen ersten Eindruck der Personen und des Geschehens. Stattdessen startet die eigentliche Handlung sehr schnell und ohne Vorlauf.
Auf der einen Seite ist das gut, denn durch einen direkten Einstieg wird ein langweiliger Anfang vermieden. Auf der anderen Seite vermisst man Infos, vor allem zu den Charakteren. Ob denen bei dem vergleichsweise spannenden Beginn der Geschichte etwas geschieht oder nicht, ist einem gleich, da noch keinerlei Sympathie für sie beim Leser vorhanden ist.

Allgemein bleiben die Charaktere leider recht blass und nur sehr wenige Informationen über sie werden offenbart. Das liegt zwar daran, dass sie sich als Lichtwesen nicht an ihre Vergangenheit erinnern – es ergibt Story-intern also durchaus Sinn, dass es keine Infos gibt – aber gerade das ist auch der Knackpunkt: Lichtwesen, wie hier beschrieben, sind ziemlich langweilig, da sie eben keinerlei Vergangenheit und nur wenige Charakterzüge aufweisen.
Auch die wenigen beschriebenen Menschen sind nur semi-interessant und werden, auch vom Erzähler, immer eindeutig dem Gut-Böse-Schema zugeordnet.
Da wäre eindeutig mehr drin gewesen. Obwohl man als Leser stets nah bei Jenna, der Heldin, ist, kommt man nie an sie ran und gleiches gilt auch für die übrigen Charaktere. Man schreitet im Plot voran und hat am Schluss doch das Gefühl, keine Ahnung zu haben, wie die Personen charakterlich nun eigentlich aufgebaut sind.

So kommt es teilweise auch zu argen Sprüngen. Im einen Moment verhält sich eine Person lieb und nett, gleich darauf verkehrt sich das innerhalb von einer Seite ins Gegenteil. Die Übergänge waren mir deutlich zu schnell und überhastet, fast übersprungen.

Generell springt die Geschichte sehr viel. Zwei Jahre Handlung werden auf wenige Szenen reduziert. Obwohl das Springen mich gelegentlich rausgebracht hat – wenn sich, wie gesagt, ein Charakter gänzlich anders verhält als noch in der Szene zuvor – ist es meist gut gewählt. So springt der Erzähler zwar größtenteils zu Szenen, die nach dem eigentlich wichtigen Punkt stattfinden – statt zum Streit wird zu der Szene danach mit den Auswirkungen des Streits gesprungen – dies erzeugt jedoch auch eine hohe Geschwindigkeit und einen geschickten Spannungsaufbau: Dadurch, dass etwa der Streit verschwiegen wird und man nur dessen Konsequenzen erlebt, fragt man sich, wie er wohl genau verlaufen ist. Das ist in meinen Augen sehr geschickt gewählt und erinnert mich ein klein wenig an die Art und Weise wie es beim „Lied von Feuer und Eis“ der Fall ist.

Obwohl der Plot an sich mich letztlich überzeugen konnte und ich sowohl die Grundidee, als auch die dargestellte Welt und das Ende interessant fand, hätte mir die Story als Kurzgeschichte mehr zugesagt. Tatsächlich wirkt sie mehr wie eine Kurzgeschichte, die künstlich zu einer Novelle aufgeblasen wurde, indem (teils unnötige) Infos und zusätzliche Szenen hinzugefügt wurden. Andersrum ließe es sich sicherlich auch betrachten: Wenn die Charaktere mehr Tiefe hätten und zusätzliche interessante Szenen hinzukommen würden, wäre es vielleicht ein guter Roman. So jedoch ist es ein seltsames Mittelding, das durch diese Form nicht so wirklich zu überzeugen weiß.
Offene Fragen bleiben bestehen, die in einem Roman entweder größtenteils geklärt oder in einer Kurzgeschichte eher akzeptiert worden wären. Die Flachheit der Charaktere entspricht im Grunde einer Kurzgeschichte, die zahlreichen und interessanten Details über die Welt eher einem Roman. Ebenso sieht es mit den Meta-Inhalten aus: Es werden interessante Themen angeschnitten - „Ist Moral im Grunde nur Eigennutz?“ -, statt sie wie in einer Kurzgeschichte wegzulassen. Ausgearbeitet wie bei einem Roman werden sie jedoch auch nicht.


Letztendlich lässt sich sagen, dass das Lesen der Geschichte ein durchwachsener Genuss war. Als Kurzgeschichte hätte sie mir besser gefallen, da sie hier eindeutig ihre Pluspunkte hat: ein guter Plot, ein durchdachtes Ende, gelungener Spannungsaufbau durch Sprünge und interessante Elemente, wie die Welt der Lichtwesen. Was die Geschichte dort gut macht, vergibt sie jedoch in anderen Punkten: flache Charaktere, offene Fragen, keine Tiefe und falsche Detailtreue – teilweise zu viele Details, teilweise Wichtiges ausgelassen.
Außerdem ist der Stil meist rund, aber gelegentlich auch holprig und der Text wimmelt von Rechtschreib- und Grammatikfehlern und auch einigen Logikfehlern. Ein ordentliches Durchsehen hätte da bereits Abhilfe schaffen können.

Wer einem Indie-Autoren eine Chance geben möchte und Lust auf eine längere Kurzgeschichte hat, kann sich diese Geschichte durchlesen. Für den Preis von 0,92€ kann man eigentlich nichts falsch machen und für denselben Preis wurde ich auch schon schlechter unterhalten. Wer mit den angesprochenen Negativ-Punkten eher nicht zurechtkommt, sollte sich die Anschaffung jedoch gründlich überlegen. Ich spreche daher eine eingeschränkte Kaufempfehlung aus und vergebe, da es offenbar ein Erstling ist und in Anbetracht des Alters des Autoren wohlwollend, 3 von 5 Punkten.




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