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Samstag, 15. März 2014

Buch - "So wie Kupfer und Gold" von Jane Nickerson

entnommen bei randomhouse.de






Titel: So wie Kupfer und Gold
Autor: Jane Nickerson
Genre: Fantasy / Märchen
Verlag: ctb
Seiten: 443
Preis: 16,99€ (HC) / 13,99€ (eB)






Boston, 1855. Sophia ist 17, als sie nach dem Tod ihres Vaters als Waise dasteht. Da erhält sie einen Brief von ihrem Paten Bernard de Cressac, der sie auf seine Plantage in Mississippi einlädt. In Wyndriven Abbey angekommen, zieht der attraktive Gentleman und sein luxuriöser Lebensstil die junge Frau in seinen Bann. Doch je näher sich die beiden kommen, desto mehr spürt Sophia, dass Bernard eine dunkle Seite hat. Als ihr schließlich immer wieder junge, schöne Frauen mit rotem Haar erscheinen – die ihr selbst sehr ähnlich sehen-, wird Sophia misstrauisch. Sie erfährt, dass Cressac bereits mehrfach verheiratet war und alle Ehefrauen unter mysteriösen Umständen ums Leben kamen ... Ist Sophia die Nächste? Oder kann sie das Netz, das Cressac um sie gesponnen hat, rechtzeitig zerreißen?

Eine Freundin von mir hat mich darauf gebracht und das Cover ist so hübsch, dass es mich angesprochen hat. Im Nachhinein ist das Cover leider auch das Beste am Buch.

Es beginnt mit Sophia, die sich auf den Weg in die Südstaaten macht, um ihren Patenonkel aufzusuchen. Dieser hat sie, nach dem Tod ihres Vaters, zu sich eingeladen. Schnell wird klar, dass de Cressac Vorlieben hat und ein sehr bevormundender Mann ist. Er befiehlt Sophia quasi alles, überhäuft sie aber auch mit Luxus und Glück, dass sie ihre Sorgen recht schnell verdrängt und ihm auch allmählich verfällt. Doch die Idylle hält nicht allzu lange an, denn Sophie erfährt, dass de Cressac bereits vier Mal verheiratet war und drei von vier Frauen gestorben sind. Zu dem wird ihr Onkel immer aufdringlicher und launenhafter. Sophia fühlt sich nicht mehr wohl und überlegt, ihn zu verlassen. 

Der Einstieg war mit persönlich zu lang. Bis ungefähr zur Hälfte des Buches hatte ich das Gefühl, dass nicht wirklich viel passiert ist. Sophia ist in dem »Haus« eingetroffen, sieht sich um, erfährt hier und da ein bisschen war und es kommt zu einigen Begegnungen mit de Cressac, die allerdings nicht wirklich bedeutungsschwer sind. Das Ganze dient scheinbar dazu, alles und jeden besser kennen zu lernen. Meiner Meinung nach sollte aber auch ein Einstieg schon ein bisschen spannend sein und sich nicht ins endlose ziehen.

Die Charaktere waren sehr gut gestaltet und ausgearbeitet, dennoch hatte ich Schwierigkeiten an sie heran zu kommen. 
Sophia ist ein behütetes, unschuldiges Mädchen, dass auch sehr naiv an die ganze Sache herangeht. Schnell erliegt sie dem Luxus und will ihrem Patenonkel gefallen, der ihr diesen Lebensstandard ermöglicht und sie bei sich wohnen lässt. Sie ist eine Geschichtenerzählerin, die ihn gern mit ihren Erzählungen begeistert. De Cressac findet sich faszinierend und ist gern in seiner Nähe. Sie wirkt sehr unterwürfig und gibt kaum Widerworte. Mit der Zeit ändert sich ihre Einstellung gegenüber de Cressac. 
De Cressac ist ein reicher Mann, der eine ganze Abtei nach Amerika gebracht hat und sie dort wieder aufbauen lies. Er lebt allein mit seinen Sklaven und den Angestellten in der Abtei. Von seinen Nachbarn will er nichts wissen, genau so wenig wie von der Kirche oder anderem. Er ist ein sehr launenhafter Mensch, der Sophia alles vorschreibt und total unsympathisch ist. Er weiß, wie er andere für sich einnehmen kann und versucht sich von seiner besten Seite zu zeigen. Aber niemand darf ihm widersprechen oder ihm Contra geben. Er kann sehr herrisch und grausam sein, eigentlich ein sehr guter Fiesling. 

Die beiden sind ganz interessant gemacht, haben viele Facetten und vor allem de Cressac ist ein Mann mit vielen Gesichtern, bei dem immer wieder Neues ans Tageslicht kommt. Seine bevormundende Art mochte ich zwar überhaupt nicht, passte aber zu dem Bild, dass man von ihm haben sollte. Ansonsten war es aber ein wenig langweilig mit den beiden, vor allem mit Sophia. 

Der Schreibstil gefiel mir wiederum ganz gut. Es geht flüssig voran und die Autorin hat sich bei den Beschreibungen selbst übertroffen. Sie malt schöne Bilder und der Leser kann sich die Umgebung bzw den Luxus sehr gut vorstellen. Es ist ein wenig »altmodisch« geschrieben, passt aber m.E.n. super in die Zeit und vermittelt ein gewisses Feeling, das gut mit der Thematik harmoniert. 

Ansonsten war es leider gar nicht spannend. Das Tempo ist mir zu langsam, alles zieht sich sehr in die Länge und erst die letzten 150 Seiten nehmen dann ein wenig Fahrt auf. Im Nachhinein würde ich sogar sagen, dass die Hälfte hätte gekürzt werden können und sich der Plot eher für einen kürzeren Roman geeignet hätte. 
Auch war die Blaubart-Thematik recht langweilig umgesetzt. Für alle die das Märchen nicht kennen, ist das vielleicht noch mal mehr ein Reiz, für mich war es aber recht enttäuschend. Da wurde das Märchen in »Reckless – Lebendige Schatten« von Cornalia Funke, oder auch in »Gläsern« von Rona Walter besser umgesetzt. Der Blaubart ist einfach ein toller Bösewicht, den die Autorin zwar gut charakterisiert, das ganze drumherum aber zu langatmig ausgearbeitet hat. Mir fehlte auch ein wenig der Biss oder das gewisse etwas. Es dümpelt so vor sich hin, dass die Beschreibungen etc. es auch nicht mehr herausreißen konnten. 
Das Auftauchen des Pastors ließ mich hoffen und machte es ansprechender, wirkte ansonsten aber konstruiert und zweckmäßig. 

Das Ende war ganz okay und hat mir ganz gut gefallen. Es ist spannend, ein wenig Action gibt es auch und endlich kam Bewegung in das Ganze. Es schließt den Roman ganz gut ab und lässt nur wenige Fragen unbeantwortet. 
Allerdings gibt es auch hier Kritik: Ich muss sagen, dass ich den Sprung ein wenig unnötig fand. Den Großteil des Romans geht es so langsam vor sich hin, klar gab es da auch Sprünge, um ein paar Wochen auszulassen, aber wieso am Ende? Da musste es dann plötzlich wieder schnell gehen. 

Insgesamt fand ich es schade, dass aus dem Blaubart-Märchen nicht mehr heraus geholt wurde. Zu Beginn habe ich mich darauf am meisten gefreut und wurde mehr und mehr enttäuscht. 
Allerdings sind das Setting und die Charaktere sehr schön gemacht und mit mehr Tempo wäre auch der gute Plot besser bei mir angekommen. 
Für jene, die das Märchen noch nicht kenne, könnte es ganz interessant und auch spannend sein. 

Mein Fall war es leider nicht, darum 2,5 von 5 Skulls!


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