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Samstag, 22. März 2014

Buch - "Die Känguru-Offenbarung" von Marc-Uwe Kling




Titel: Die Känguru-Offenbarung
Autor: Marc-Uwe Kling
Genre: Komödie
Verlag: Ullstein
Seiten: 394
Preis: 9,99 €  (Hörbuch: 14,99 €)










Die fulminante Fortsetzung der Fortsetzung.
"Vietnam ist ein bisschen wie ein Oasis-Konzert", sage ich. "Man hätte 1994 hingehen sollen."
"Quatsch! Vietnam ist wie ein Stones-Konzert", sagt das Känguru. "Man muss 1973 dabei gewesen!"

Das Känguru und der Kleinkünstler verfolgen den Pinguin um die halbe Welt. Wird es ihnen gelingen, den bösartig-burgeoisen Weltverschlechterungsplan des flaschen Vogels zu durchkreuzen?

"Frisch, frech und völlig absurd" - Oscar Wilde
"Das beste Buch seit >Die Schwester der Nichte der Gattin des Gerbergesellen<" - Wenzel R. R. Skowronek
Quelle: Klappentext


Für alle, die die ersten beiden Teile der Känguru-Reihe nicht gelesen haben hier eine kurze Zusammenfassung (Achtung Spoiler):
Marc-Uwe Kling wohnt in Berlin-Kreuzberg, als eines Tages ein Känguru in die Wohnung ihm gegenüber einzieht. Es dauert nicht lange, da stellt sich heraus, dass das Känguru ein arbeitsscheuer, regierungskritischer Kommunist ist und seinen Lebensunterhalt durch Hartz-4 und verrückte Geschäftsideen finanziert. Der Kleinkünstler und das Känguru freunden sich an und schon bald zieht das Känguru bei Kling ein. Als die Bundesregierung das Ministerium für Produktivität gründet, das alle unproduktiven Ausländer ausweisen will, beginnt das Känguru eine Gegnbewegung, das Asosziale Netzwertk, zu gründen, dass mit Anti-Terror-Anschlägen das System ins Wanken bringen will und schon schnell großen Zuwachs findet. Als ein Pinguin in die alte Wohnung des Kängurus einzieht, sieht es sich seinem Antagonisten gegenüber und versucht mit allen Mitteln gegen ihn vorzugehen. Das Känguru-Manifest endet damit, dass das Känguru von Beamten des Ministeriums abgeführt und in Abschiebehaft genommen wird, doch der Leser bekommt Hoffnung, durch den Messias, ein Mitglied des Asozialen Netzwerks, der sich als Polizist herausstellt und verspricht dem Känguru zu helfen.

Dem Erzähler bekommt die Einsamkeit ohne das Känguru nicht gut. Er beginnt Selbstgespräche zu führen und frequentiert häufiger als zuvor seinen Psychiater, der ihm allerdings auch nicht weiterhelfen kann. Glücklicherweise dauert diese Einsamkeit nicht lange, denn schon bald kehrt das Känguru zurück in die gemeinsame Wohnung. Es hat sich aus der Haft befreit und sich im Untergrund versteckt, um nun seinen kosmischen Gegenspieler, den Pinguin, zu bekämpfen, der zwangsläufig, da das Känguru einen gutartigen kommunistischen Weltverbesserungsplan verfolgt, an einem bösartigen kapitalistischen Weltzerstörungsplan arbeiten muss.

Die beiden Freunde machen sich also auf die Suche nach Spuren, die ihnen den Aufenthaltsort und den Plan des Pinguins verraten können. Dabei begegnen sie einigen altbekannten und neuen Mitgliedern des asozialen Netzwerkes, berühmten (fiktiven) Autoren, Regisseuren und Politikern und natürlich auch Widersachern. Diese Reise, die durch einige verschiedene Länder führt, gibt dem Leser Einblicke in alte und neue Beziehungen des Kängurus und enthüllt uns sogar Teile seiner, in den Vorgängern immer sehr rätselhaft angedeuteten, Vergangenheit.





Es fällt mir schwer die richtigen Zitate auszuwählen, die nicht zu viel verraten und trotzdem die Art des Buches zeigen, daher hier nicht die besten Zitate, sondern nur eine kleine Auswahl.

">>Das ist nicht witzig<<, sage ich. >>Ich bin so einsam, ich führe schon Selbstgespräche.<<
>>Wie bitte?<<, fragt mein Psychiater.
>>Er sagte, er führe Selbstgespräche<<, sagt mein Psychiater.
>>Aha<<, sagt mein Psychiater. Ich blicke irritiert." (S. 19)

 ">>In diesem Fall ziehen sie eine Maske schnell zu sich heran und platzieren diese fest auf Mund und Nase. Danach helfen sie Kindern und hilfsbedürftigen Personen.<< - Batman zu Robin" (S. 25)

">>Weißt du, was mich interessiert?<<, frage ich. >>Würdest du eigentlich Känguru-Burger essen?<<
>>Nein<<, sagt das Känguru und überlegt kurz. >>Menschen-Burger allerdings...<<
>>Aber Menschen sind keine gefühllosen Dinge<<, rufe ich empört. >>Sie bilden komplexe soziale Gesellschaften, haben eine Persönlichkeit und empfinden Trauer, Glück oder Schmerz genau wie ihr Tiere.<<" (S. 232)




Die Känguru-Offenbarung trägt ganz klar Marc-Uwe Klings Züge. Die Gags fallen in ähnlicher Weise aus, wie in den vorangegangen Teilen (ob witzig oder nicht, muss jeder für sich entscheiden), das Setting und die Figuren sind gewohnt merkwürdig und interessant gestaltet und der Aufbau der Kapitel hat sich auch nicht verändert.

Die Story ist mir etwas zu seicht und zu sprunghaft. In jedem zweiten Kapitel reisen die beiden Hauptfiguren in ein anderes Land auf der Suche nach dem Pinguin und treffen dabei so viele Leute, dass ich die meisten schon wieder vergessen hatte als ich beim Ende des Buchs angelangt war. Die Geschichte spielt allerdings auch eher eine untergeordnete Rolle, wichtig ist, dass der Witz und Charme der ersten beiden Bücher erhalten bleibt und das ist Kling eindeutig gelungen.

Insgesamt hatte ich beim Lesen auf jeden Fall Spaß, allerdings nicht ganz so viel wie beim Känguru-Manifest, aber mehr als bei den Känguru-Chroniken. Die Witze sind immer noch verschroben, an ein erwachsenes Publikum gerichtet und politkritisch. Die Figuren sind entweder sehr sympathisch oder das genaue Gegenteil, einen Charakter der nicht polarisiert ist eine Rarität in Klings Geschichten.

Neben dem Buch habe ich mir auch gleich den Live-Mitschnitt der Lesung gekauft und kann diese nur empfehlen, Klings Art des Vorlesens bringt mich immer wieder zum Lachen, allerdings muss ich dazu sagen, dass er die Stimme des Kängurus hier anders verkörpert als beim Känguru-Manifest, man muss sich also auf eine Eingewöhnungsphase gefasst machen.





Abschließend lässt sich also sagen, dass ich mich beim Lesen der Känguru-Offenbarung sehr unterhalten gefühlt habe und ich mir das Buch jederzeit wieder holen würde. Zwischenzeitlich habe ich beim Lesen sogar laut gelacht, was bei kmir nur sehr selten vorkommt. Allerdings hoffe ich auf eine weitere Fortsetzung, da mich das Ende nicht wirklich überzeugt hat.Wem die ersten beiden Bücher gefallen haben, der ist auf jeden Fall auf der sicheren Seite, wenn er sich die Offenbarung kauft. Daher von mir 4 von 5 Skulls.






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