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Montag, 24. Februar 2014

Film - "Die Eiskönigin - Völlig unverfroren" von Disney

Bildquelle: http://filmkinotrailer.com/




Titel: Die Eiskönigin - Völlig unverfroren
Regie: Chris Buck, Jennifer Lee
Genre: Fantasyfilm, Animationsfilm, Musikfilm
Länge: 103 Minuten
DVD-Preis (voraussichtlich): 13,99 Euro









Die Prinzessinnen Anna und Elsa sind unzertrennliche Schwestern, bis die magiebegabte Elsa Anna beim Spielen fast mit einem Eisstoß tötet. Daraufhin wird Elsa isoliert, Anna verliert jede Erinnerung an die Gabe ihrer Schwester und versteht nicht, warum sie nicht mehr zu ihr darf oder warum der Palast abgeriegelt wird. Nach dem Unfalltod des Königs und der Königin wird die inzwischen erwachsene Elsa zur Königin gekrönt. Doch sie kann ihre nun weit stärkere Gabe nicht kontrollieren und flieht in die Berge, als die Krönung in einer Katastrophe endet und das Volk ihr mit Angst und Zorn begegnet. Arendelle, ihr Königreich, liegt unter einem tiefen Winter begraben und Anna macht sich auf den Weg, ihre Schwester zurückzuholen, damit es wieder warm wird. Neben Wölfen und einem Schneegolem begegnet sie dem kautzigen Schneemann Olaf (im Deutschen gesprochen von Hape Kerkeling) und dem Einzelgänger Kristoff mit seinem Rentier Sven. Gemeinsam versuchen sie, Elsa zur Umkehr zu bewegen.

„Der Wind, er heult so wie der Sturm ganz tief in mir.
Mich zu kontrollieren, ich habe es versucht.
Lass sie nicht rein, lass sie nicht seh'n.
Wie du bist, nein, das darf niemals gescheh'n.
Du darfst nichts fühlen,
zeig ihnen nicht dein wahres Ich.“
(Elsa in „Lass jetzt los“)

 
Mit der „Eiskönigin“ liegt ein neuer Animationsfilm aus dem Hause Disney vor.
Ein sehr altes Thema wird aufgegriffen: Die Liebe zwischen zwei Schwestern und das Hinwenden einer von beiden zum „Bösen“ (wobei das in wirklich großen Anführungszeichen zu halten ist), woraufhin die andere versucht, sie davor zu bewahren, sich vollkommen in einem Strudel aus Machtrausch und Schlechtem zu verlieren.

Im Kino läuft er sowohl in 2D, als auch in 3D. Da ich selber ihn nur in 2D gesehen habe, werde ich mich logischerweise nicht zum Thema 3D-Effekte äußern.


Die Animationen selber sind gewohnt farbenfroh, wie man es aus den Disney-Animationsfilmen kennt. Bei der Figurengestaltung wird teilweise das Kindchenschema bedient: Anfangs, als Elsa und Anna noch Kinder sind, sind große Köpfe und Augen auf unproportional kleinen Körpern vollkommen legitim, später passt das allerdings nicht mehr so gut. Mit 18 und 21 Jahren sind Anna und Elsa erwachsene Frauen, wirken allerdings von ihren Gesichtern deutlich jünger. Im Gesamterscheinungsbild wirken sie manchmal sogar wie eine etwas anders proportionierte Barbie aus den Barbie-Animationsfilmen und das passt besonders zu Elsa überhaupt nicht.
Bei vielen anderen Charakteren geht Disney wie gewohnt in die Extrema: unnatürlich dick, klein, groß, dünn, alles taucht auf, steht allerdings in Konkurrenz zu den Hauptfiguren, namentlich Anna, Elsa, Hans und Kristoff, denn zumindest die Männer wirken sehr real, was ihre Proportionen angeht. Kristoff erinnert sehr stark an Owen Wilson, ob die Ähnlichkeit allerdings bewusst gewählt wurde, sei dahingestellt.
Sehr beeindruckend sind die Umgebungen, die geschaffen werden: Sei es Elsas Eispalast, den sie nach ihrer Flucht aus Arendelle erschafft, oder der Blick über Arendelle selbst. Die Umgebungen sind detailreich und zwingen den Zuschauer schon fast, seinen Blick nicht mehr abzuwenden.


Die Charaktere sind interessant, bedienen teils Vorurteile, sind oft allerdings nicht besonders tiefgründig.
Elsa ist die ältere Tochter, auf deren Schultern die Bürde lastet, Arendelle eine gute Königin zu sein. Durch das, was sie als Kind mit ihrer Gabe angerichtet hat, sowie durch die Prophezeiung eines Trolls, dass die Angst der Menschen einst ihr größter Feind sein werde, ist sie deutlich reifer geworden und hat jedes Bisschen von Kindlichkeit verloren. Sie ist der Charakter, der über weiteste Strecken am Glaubwürdigsten ist: Ist sie zu Anfang noch das sorglose Kind, wird aus ihr schnell eine junge Frau, die unter ihrer Gabe leidet, die fast zerbricht unter der Schwere ihrer Bürde. Die ihre Freiheit findet, das sein kann, was sie will. Und die dennoch ihre Schwester schützen möchte.
Anders als die weißblonde Elsa ist Anna rothaarig. Sie ist noch immer Kind geblieben. Nach dem Tod der Eltern ist sie, die Fünfzehnjährige, kurzzeitig so etwas wie erwachsen geworden, was allerdings sehr schnell wieder verschwindet und ihrer überschäumenden Lebensfreude Platz macht. Teilweise wirkt sie dadurch allerdings auch dumm, wie zum Beispiel, als sie sich am selben Tag, an dem sie ihn kennenlernt, mit dem Prinzen Hans verlobt. Trotzdem ist sie bereit, alles für ihre Schwester zu tun und riskiert sogar ihr eigenes Leben beim Versuch, Elsa zurückzuholen.


Für Lacher sorgen Rentier Sven und Schneemann Olaf, wobei vor allem Letzterer einfach nur zum Liebhaben ist. Er wurde von Elsa geschaffen, wobei nur zu vermuten ist, wann genau sie das tat und vollkommen im Dunkeln bleibt, warum er lebt.


Das ist auch ein kleiner Kritikpunkt an der gesamten Geschichte: Sie ist einfach löchrig und wirft deutlich mehr Fragen auf, als sie beantwortet. Außerdem gibt es viele unlogische Situationen – was isst und trinkt Elsa allein in ihrem Eispalast? Friert sie nicht? Wie kommt sie so schnell in die Berge, während ihre Schwester deutlich länger braucht, Hans und seine Leute allerdings den Weg wiederum in kürzester Zeit zurücklegen? Warum hat Kristoff keine Familie, sondern nur die Trolle, die ihn adoptiert haben und warum wird nie darauf eingegangen, dass er als Kind beobachtet hat, wie Anna nach Elsas Eisstoß gerettet wurde? Über welchen Zeitraum spielen sich die Ereignisse von Elsas Krönung bis zum Ende des Films ab? Es wirkt, als geschehe es innerhalb weniger Tage, beantwortet wird die Frage nämlich nicht.
Natürlich ist es ein Kinderfilm, der nicht für alles eine Erklärung haben braucht und einige Dinge, wie etwa den Tod der Eltern (wo nur ein Schiff auf stürmischer See gezeigt wird, das von einer Welle überrollt wird und dann einfach weg ist), kindgerecht darstellt. In der Hinsicht folgt dieser Film jedoch leider kaum den großen Disneywerken aus den 90ern, wie etwa „Pocahontas“, „Mulan“, „Tarzan“ oder dem „König der Löwen“, die düsterer waren, kindgerecht zwar, aber auch voller Kritik an verschiedenen Missständen, die viele tiefergründige Andeutungen enthielten, die Kinder nicht als solche verstehen.


Was in keinem Disneyfilm fehlen darf, ist der Gesang. Hier meinte Disney es jedoch eindeutig zu gut. Bis auf „Lass jetzt los“ sind die Lieder irgendwie überflüssig, teils sogar nervig, allen voran Olafs Lied, in dem er vom Sommer träumt. Relativ schön ist auch das Lied, mit dem der Film beginnt, wobei der Anfang sogar eher an die alten Disneyfilme erinnert, indem er mit Gesang einsteigt und Menschen, die keinerlei wichtige Rolle spielen. „Lass jetzt los“ allerdings überzeugt gesanglich und ist auch einer der wenigen tiefergründigen Momente des Films und man kann schon fast sagen, dass sich das Anschauen des Films alleine dafür lohnt.
Genauso unpassend wie die meisten Lieder sind der bayrisch anmutende Akzent einer der Figuren und das Nutzen umgangssprachlicher Ausdrücke wie „voll“ als Ersatz für „total“ o.ä. Bis auf ein, zwei Ausnahmen trifft das zwar vor allem auf Olaf zu, passt auch zu seiner Art, hätte aber deutlich eleganter gelöst werden können.


Kleine Randnotiz: Die Namen der Charaktere sind allesamt im deutschsprachigen und nordischen Raum anzusiedeln. Die Buchstaben, die man auf den Grabsteinen der Eltern und in einem Buch sehen kann, sind keltisch-germanische Runen und Arendelle selber ist eine Stadt, die in einem Fjord liegt.

 
„Die Eiskönigin“ ist ein Film, den man gut mal so schauen kann. Er ist bunt, fröhlich, er glitzert, wartet mit tollen deutschen Stimmen und witzigen Dialogen auf. Allerdings ist er nichts für jemanden, der einen anspruchsvollen Film schauen möchte, dazu ist die Story einfach zu seicht, obwohl ein sehr interessantes Grundgerüst besteht.
Trotz aller genannten Kritikpunkte gehört dieser Film mit Sicherheit zu den besten, die Disney in den letzten Jahren herausgebracht hat. Ich selber wusste bereits, dass ich ihn unbedingt sehen muss, nachdem ich folgenden Trailer gesehen habe:


Zieht er sich anfangs noch ein wenig – ich habe erwartet, das Elsa durchdreht und ihre Kraft entfesselt, als sie vom Tod der Eltern erfährt – nimmt er danach Fahrt auf und lässt die Zeit, die man im Kinosessel verbringt, vergessen.
Wer mit Disney oder auch dieser Art von Film nichts anfangen kann, wird sich keinen Gefallen damit tun, ihn anzusehen. Allen anderen sei er allerdings empfohlen – besonders geeignet ist er für einen DVD-Nachmittag mit der ganzen Familie (voraussichtliches Erscheinungsdatum der DVD ist der 03. April 2014) oder zum Entspannen nach einem stressigen Tag.


Aufgrund der Storyhänger und der Oberflächlichkeit ziehe ich einen Skull ab, insgesamt gibt es also vier für ein farbenfrohes, fröhliches Werk.




Viel Spaß beim Schauen :)

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