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Freitag, 7. Februar 2014

Film - "47 Ronin" mit Keanu Reeves






Titel: 47 Ronin
Hauptrolle: Keanu Reeves
Genre: Fantasy-Samuraifilm
Länge: 119 Minuten




Kai (Keanu Reeves) wird in den Wäldern vom Fürsten Asano gefunden. Statt den Jungen, der angeblich von Dämonen das Töten gelernt haben soll, umzubringen, verschont Fürst Asano ihn und nimmt ihn in sein Gefolge auf. Zwar wird er nie von den Samurai des Fürsten akzeptiert, doch die Tochter des Fürsten interessiert sich dafür umso mehr für ihn. Das soll ihm jedoch zum Verhängnis werden, als das rivalisierende Fürstentum Nagato und dessen Herrscher Kira gegen Asano vorgeht ...

Wer einen Trailer zu dem Film gesehen hat, erwartet vermutlich eine actionreiche, phantastische Abenteuergeschichte. Dieses Versprechen wird aber nur teilweise erfüllt und prinzipiell eher enttäuscht, da mal wieder alle guten Szenen im Trailer gezeigt worden sind, selbst die aus dem Finale. 
(Achso, und wer den Typen mit den vielen Tattoos erwartet, Rick Genest, der wird bitterlich enttäuscht - er kommt gerade einmal in einer Szene vor!)


Insgesamt lässt sich der Film viel Zeit - zu Anfang, um die Handlung, die Protagonisten und das gesamte System des feudalen Japans vorzustellen, aber auch in der Mitte und zum Ende hin. Das passt insofern, als dass der Selbstmord durch das eigene Schwert in Europa nicht gerade als ehrenhaft angesehen wird und daher verwirrend sein könnte, nimmt aber doch viel Schwung aus der Geschichte und lässt sie teils träge dahin plätschern oder an den Rand des Kitschigen abgleiten. An einigen Stellen, besonders auch am Ende, wurde das sehr deutlich und hat den Film abgewertet.

Die Trägheit der Szenen wäre noch zu verschmerzen gewesen, wenn diese wenigstens kreativ gestaltet gewesen wären. Das Gegenteil ist der Fall: Viele der Dialoge hören sich an, als habe man sie bereits viele Male so oder ähnlich gehört. Etliche Szenen, Kamerafahrten und Gespräche hätte man ersatzlos streichen können, ohne dass der Film an irgendetwas verloren hätte - sei es Tiefe, Qualität, Authentizität oder dergleichen, außer der Trägheit und Länge. Oder noch besser: Man hätte sie durch Action-Szenen ersetzen können.

Die Action-Szenen sind nämlich wirklich gelungen! Das allgemein eher träge Tempo des Films wird durch diese sehr schnellen, eher seltenen Action-Szenen allerdings noch unterstrichen. Kaum haben diese angefangen, sind sie auch schon wieder vorbei. Das ist besonders schade, denn sie beeindrucken durch Schönheit und interessante Effekte; besondere Wesenheiten und Fähigkeiten kommen vor und es ist nie abzusehen, wie die einzelnen Kämpfe ausgehen. 
Das Ende bietet tatsächlich ein größeres Finale, das jedoch auch recht kurz ist und zwischenzeitlich in das typische geistlose "Alle hauen auf irgendwen drauf"-Kampfgetümmel verkommt. Auch hier hat man das Gefühl, dass daraus mehr hätte gemacht werden können.

Allgemein ist dies ein Gefühl, das der Film recht häufig erzeugt: verschenktes Potential. Die Actionszenen sind meist gelungen, aber zu kurz und kommen nicht oft genug vor, um den Rest des trägen Films rauszureißen. Die interessanten Fähigkeiten und Wesen wirken frisch und besonders, werden dabei jedoch nie so ausgereizt, wie es möglich gewesen wäre. Teilweise wirkt es auch trashig, wenn die Einleitung nur schemenhaft wenig hilfreiche Informationen ausspuckt oder der Gegenspieler mit dem im Film erscheinenden Text: "Fürst Kira, Herrscher des rivalisierenden Fürstentums Nagato" vorgestellt wird. Sogar vermeintliche Schlüsselszenen entpuppen sich im Nachhinein als bedeutungslos. So wird Kai von einem Samurai, der ihn zuvor verachtete, mit den Worten "Ein Samurai trägt stets zwei Schwerter" ein zweites Schwert übergeben. Dieses ist jedoch nie von Bedeutung, nicht mal zu dem Zeitpunkt, da Kai sein erstes Schwert verliert.

Auch der Plot ist im Grunde nichts Besonderes. Früh wird klar, worauf es hinaus läuft und auch das Ende bietet wenige Überraschungen. Das lässt die zugrundeliegende Legende auch nicht zu, dennoch wirkt es arg steif und vorhersehbar. Gleiches gilt für die Charaktere. 
Die hinein gequetschte Liebesgeschichte ist auch nur semi-interessant, wirkt nur selten authentisch und größtenteils einfach zu althergebracht, um wirklich mitreißen oder den Plot tragen zu können. Abgesehen davon widerspricht sie auch der Grundbotschaft, und zwar der, dass die Samurai aus Treue zu ihrem Lehnsherrn gehandelt hätten. Für mich war sie eigentlich unnötig.

Über die Authentizität oder das schauspielerische Können möchte ich mich nicht großartig auslassen, da mir dazu die Erfahrung fehlt. Allerdings handelt es sich eindeutig um einen Fantasy-Film, das sollte man beachten, gerade, was die Authentizität angeht! In meinen Augen war beides okay, aber wie gesagt bin ich da kein großer Kenner. In Filmen wie "Constantine" konnte Keanu Reeves meiner Meinung nach jedoch mehr auftrumpfen.

Noch hervorzuheben seien die Landschaftsaufnahmen des feudalen Japans. Größtenteils wohl am Computer entstanden, wirken sie zauberhaft schön und, wenn auch nicht authentisch, so doch sehr fantasievoll und mystisch. Es könnte genauso gut ein Fantasyreich sein und immerhin das passt ja auch zur Geschichte. 
Ebenso gehört die Musik eher zu den Pluspunkten des Films, wirkt treibend und baut Spannung auf. In den ruhigen Szenen fehlt sie oft, um die Atmosphäre nicht zu zerstören. Gerade da wäre sie, finde ich, aber nötig gewesen, um das Triste etwas aufzuwerten.


Alles in allem sollte man sich den Film lieber auf DVD kaufen oder leihen, statt ihn im Kino zu gucken. Der 3D-Effekt ist nur selten beeindruckend und wenn man ihn zuhause guckt, kann man bei den guten Szenen hingucken und bei dem trägen Rest nebenbei etwas anderes tun ;) 
Des Weiteren sollte man sich zumindest soweit mit japanischer Kultur abgeben können, dass man beim Gedanken an Ehrwiederherstellung via Tod durch das eigene Schwert nicht gleich brechen muss. Andernfalls wird man mit dem Film sowieso nicht warm.
Letztlich werde ich mir diesen Film, trotz der zahlreichen Kritikpunkte, auf DVD kaufen, sobald sie halbwegs günstig zu haben ist, denn obwohl er sehr träge ist, gibt es doch dafür sehr, sehr schöne Szenen. Dämonische Tengu-Wesen, eine riesige Bestie, coole Schwertaction mit ansprechenden Spezialeffekten und atemberaubender Zauberei. Wenn Keanu Reeves mit glänzendem Schwert im Schnee steht und einem japanischen Drachen entgegentritt, hat das schon Gänsehaut-Feeling. Und es kommt ein Gefühl dafür auf, wie gut dieser Film hätte sein können, sodass man ihn sich besser träumen kann.
Aber für einen wirklich guten Film sind diese Szenen leider zu wenige und zu schnell vorbei. Es bleibt nur zu sagen: Potential vorhanden, aber zu selten voll ausgeschöpft. Somit summiere ich 3,5 von 5 Punkten.

Übrigens gibt es hier auf dem engelsmomente-Blog noch eine zweite Meinung!








Kommentare:

  1. Oh wie schade! Ich hatte mich schon sehr auf einen Film endlich mal wieder mit Keanu Reeves gefreut... aber da spare ich mir mein Geld doch lieber.

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    1. Hey!
      Keanu Reeves gehörte bei dem Film noch eher zu den positiven Aspekten ;) Und wie gesagt: wirklich schlecht ist "47 Ronin" nicht ... Es kommt wohl auch sehr drauf an, was man erwartet. In Richtung "Matrix" oder "Constantine" geht der Film sicherlich nicht! Man sollte keinen wirklich guten Film und schon gar keinen reinen Actionfilm erwarten. Er lässt sich viel Zeit und zeichnet detailliert die Gesellschaft des damaligen Japan nach. Wobei Kai (Keanu Reeves) - und auch die böse Hexe - noch mit die besten Szenen haben!
      Wie gesagt: wenn man Interesse hat, lieber mal die kommende DVD ausleihen oder sowas in die Richtung ... ;) Kino ist da, mittlerweile, doch zu teuer für, meiner Meinung nach. =/
      Hoffe ich hab dir den Film damit nicht gänzlich kaputt gemacht!
      Viele Grüße,
      David (Buchbändiger)

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