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Dienstag, 4. Februar 2014

Buch: "Liberty 9 - Sicherheitszone" von Rainer M. Schröder

entnommen bei amazon.de






Titel: Liberty 9 – Sicherheitszone
Autor: Rainer M. Schröder
Genre: Dystopie
Verlag: cbj
Seiten: 490
Preis: 18,99€










Die Zukunft hat schon begonnen 
Kendira beherrscht die Regeln. Liberty 9, das riesige Valley samt der beeindruckenden Lichtburg, in der 200 junge Auserwählte leben, ist ihr Zuhause. In völliger Abgeschiedenheit und umgeben von undurchdringlichen Schutzanlagen, leben die so genannten Electoren nach einem vorgegebenen Tagesrhythmus: Morgenappell, Unterricht, hochkonzentrierte computeranimierte Trainings. Kendira glaubt zu wissen, warum. Sie trainiert für einen höheren Zweck – doch nicht alle in Liberty 9 sind so privilegiert wie sie. Der junge Dante ist kaum mehr als ein Sklave. Kendira darf er sich eigentlich gar nicht nähern, doch eine unwiderstehliche Anziehungskraft bringt die beiden zusammen. Dantes Zweifel am grausamen System machen auch Kendira misstrauisch – und bringen beide in größte Gefahr. Denn Liberty 9 ist sicher – todsicher.


Mal wieder eine Dystopie. Beim Stöbern habe ich das Buch entdeckt und fand es ganz interessant. Zudem fehlte noch der Dystopie-Beitrag bei der Fantasize-Challenge ;)


Es beginnt mit Schüssen und einem nächtlichen Spaziergang. Für Kendira sind Schüsse nichts ungewöhnliches. Sie weiß, dass die Guardians sie schützen. Da sie nicht mehr schlafen kann, stet sie auf und geht zur Kletterwand nach draußen. Dort trifft sie auf Dante, den Servanten. Electoren und Serventen sollen keinen Kontakt miteinander haben und Servanten haben auch kein Recht die Freizeitanlagen der Electoren zu nutzen. Kendira hätte ihn melden sollen. Stattdesser verrät sie ihn nicht. Danach treffen sie sich immer wieder und Dante zeigt Kendira Lücken in ihrem antrainierten Gehorsam auf. Sie beginnt das System zu hinterfragen und die anstehende Auslöschung bestärkt ihre Vermutungen.

Der Beginn mag nicht so spannend sein, dafür wird der Leser aber mitten hinein geworfen. Er bekommt Einblicke in die Welt der Sicherheitszone von Liverty 9, seine Regeln und die Brutalität im Hintergrund. Viele Vertsöße werden mit »Cleansing« bestraft. Das Gedächtnis wird manipuliert und übrig bleibt die leere Hülle des Menschen. Das System an sich ist ganz interessant. In Liberty 9 leben vor allem Schüler (Electoren) und Servanten, dazu noch Mentoren und für das System wichtige Figuren.
Die Elextoren werden zu Gehorsam erzogen, seit sie das Embryolab verlassen haben. Ihre Tage sind bis zum Abend durchstrukturiert, mit nur wenig Freizeit zwischendrin. Mir gefiel die Einführung ziemlich gut, allein schon, dass die Schüsse zum Alltag gehören, hat mich irritiert und zum Weiterlesen angeregt. Ich wollte mehr über die seltsamen Eigenheiten erfahren.

Die Charaktere waren ebenfalls gut ausgearbeitet, allerdings sind die Electoren nicht wirklich tiefgründig. Das passt aber zur Erziehung und zum System. Alles andere hätte mich auch gewundert.
Kendira ist ein Elector und bei ihrer ersten Begegnung mit Dante fällt das sehr stark auf. Vorher schien sie noch »normal«, doch dann behandelt sie Dante von oben herab, als wäre sie etwas besseres. Sie betet ihm die Regeln vor und ist so gefangen in ihrer Erziehung, dass sie nicht wirklich umgänglich wirkt. Mit der Zeit verändert sie sich und blickt hinter das System.
Dante denkt schon lange viel nach und hinterfragt so ziemlich alles. Er sucht nach einem Ausweg und will Liberty 9 hinter sich lassen. Für ihn ist es ein Gefängnis und seine Zukunft sieht sogar noch schlimmer aus. Da würde er dann vollends weggesperrt werden. Dante ist impulsiv und kümmert sich nicht um die Benimmregeln, wenn er mit Kendira zusammen ist. Allen voran will er sie überzeugen und mit ihr fliehen.
Carson, ebenfalls ein Elector, ist auch an Kendira interessiert und stellt sich später als wankelmütig heraus. Er hat öfters etwas zu meckern, sieht vieles schwarz und würde gern einen Rückzieher machen. Auch nimmt er die Gefahr nicht richtig ernst und will es nicht sehen. Sobald er deswegen gerügt wird, rudert er zurück und versucht wieder gut dazustehen. Er wirkt ein wenig künstlich, als wüsste er noch nicht, wer bzw, wie er wirklich sein will.
Nekia ist die beste Freundin von Kendira und ebenfalls ein Elector. Sie ist, wie die anderen, im System gefangen, bekommt aber ein Treffen zwischen Dante und Kendira mit. Bald kommen auch ihr Zweifel. Sie klammert sich an ihre Freundin, beweist aber auch Stärke und steht hinter dem Vorhaben.

So hat eigentlich nur Dante Tiefe, dennoch ist es interessant zu sehen, wie die anderen im System und untereinander agieren und wie sich ihr Denken verändert. Ich bin gespannt, wie sie sich im zweiten Band entwickeln.

Der Schreibstil ist sehr klar und schnörkellos. Zielgerichtet geht es voran und der Leser wird gut durch das Buch geführt. Die Handlung ist gut durchdacht, es wirkt alles stimmig, geht flüssig ineinander über und das Tempo ist auch gut gehalten. Ab der Hälfte nimmt die unterschwellige Spannung noch zu, sodass man einmal mehr mitgerissen wird.

Weniger gefallen hat mir die »Liebesbeziehungen«. Inzwischen ist es doch immer das gleiche. Auch in diesem Buch geht es nicht ohne ein Hin und Her. Natürlich interessieren sich gleich zwei Jungen für Kendira und natürlich kann sie sich nicht entscheiden bzw. ist sich unklar, was sie empfindet. Also, es war ganz okay umgesetzt und funktionierte auch weitestgehend. Aber meiner Meinung nach wäre dieses typische Schema nicht nötig gewesen.

Richtig gut umgesetzt dagegen war die Dystopie. Das ging trotz allem nicht unter. Auch bei der Beziehung von Kendira und Dante ist der Servant-Elector-Konflikt vorhanden. Man vergisst das System nicht. Immer wieder taucht ein neues Problem auf, ein Gespräch wird aufgeschnappt oder Schüsse ertönen. Wirklich sehr gut gemacht und nahe am Grundkonflikt gehalten.

Das Ende ist ziemlich offen. Das Finale ist recht kurz, aber spannend gehalten. Es endet mit einem Plan, wo der Leser sich noch nicht wirklich die Umsetzung vorstellen kann. Es bleiben fast alle Fragen ungelöst und man darf gespannt sein, wie es weiter geht.


Wieder eine Dytopie, die ein interessantes Thema aufgreift und dieses sehr anschaulich umsetzt. Dazu werden noch ein paar neue Facetten im Genre aufdeckt und es macht Spaß zu lesen.
Auch wenn mich die Liebesgeschichte ein wenig gestört hat, gefiel mir die Grundproblematik sehr gut. Es beinhaltet viele gute Ideen und ich bin gespannt, wie die Pläne im zweiten Band umgesetzt werden.

Diesmal 3,5 von 5 Skulls!




1 Kommentar:

  1. Ich liebe solche Dystopien. Hört sich definitiv nach einem spannenden Buch an. Und ein wenig Liebesgeschichte gehört ja einfach dazu!:-)

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