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Montag, 9. Dezember 2013

Geistertürchen Nr. 9 - Interview mit Fred Ink


Fred Ink dürfte bereits den Lesern, die sich gerne mit Horror a la Lovecraft, mit dem Wahnsinn in der Literatur und schrägen Charakteren auseinandersetzen, ein Begriff sein. Auch im Geisterhaus ist er wohlbekannt, so gibt es bereits eine Rezension zu "Strange Days I", zu "Strange Days II", sowie zwei weitere Rezensionen, einmal "Das Grauen in den Bergen" vom Engelchen und auch "Das Grauen in den Bergen" von Buchbändiger. Nicht zuletzt haben wir auch sein neuestes Werk "Uppercut" schon unter die Lupe genommen.
Damit dringt Fred Ink in neue Gefilde vor und bleibt sich doch treu. Warum das so ist, was es mit einem zweiten Teil zu "Upppercut" auf sich hat und, warum ausgerechnet Würmer?! - Diesen und weiteren Fragen sind wir in unserem Interview mit Fred Ink nachgegangen!


Zu Beginn etwas Leichtes: Stelle dich und dein Werk „Uppercut“ doch einfach mal vor!

Was soll daran denn leicht sein? Sich selbst zu inszenieren, ohne großspurig oder peinlich zu wirken, ist meiner Meinung nach echt schwer!
Also, versuchen wir’s: Ich bin 33 Jahre alt, lebe derzeit in Helsinki und (keiner hätte es geahnt) schreibe Bücher. Dabei beschränke ich mich nicht auf ein spezielles Genre, sondern mache einfach das, was mich interessiert und Spaß bringt. Von Fantasy bis Horror ist alles dabei, mal modern, mal eher klassisch. Oder, wie im Fall von „Uppercut“, in Form eines knallharten Thrillers.
Interessante Charaktere sind mir wichtig, Spannung und ein abwechslungsreicher Plot ebenso. Viele meiner Figuren sollte man wohl besser nicht zu sehr ins Herz schließen, denn ich gehe oft nicht zimperlich mit ihnen um.
Was „Uppercut“ angeht: Das Buch handelt von einem ehemaligen Boxer, der sich mit seiner kriminellen Vergangenheit konfrontiert sieht, als seine Frau entführt wird. Er muss für die Entführer eine Reihe schrecklicher Aufgaben erledigen und dabei versuchen, die Dunkelheit, die in ihm lauert, unter Kontrolle zu behalten. Natürlich gibt es jede Menge Action in Form von Schießereien und Verfolgungsjagden, der Plot schlägt einige Haken … und am Ende kommt es anders, als die meisten Leser vermutlich gedacht haben.

Es wird gemunkelt, dass ein zweiter Teil von „Uppercut“ in Planung ist. Kannst du uns Näheres dazu erzählen oder widmest du dich zunächst einem anderen Projekt?
Das wurde in der Tat von einigen Lesern angefragt! Im Moment befindet sich das Projekt aber noch im Ideen-Status. Ich hätte eine Grundidee für den Plot und würde das Buch (Achtung, milder Spoiler!) wahrscheinlich damit beginnen, Robert auf spektakuläre Weise aus dem Knast zu holen. Das wäre eine Szene, die ich gerne einmal schreiben würde!
Vorher muss „Uppercut“ aber erst einmal beweisen, dass sich eine Fortsetzung überhaupt lohnen würde. Bisher hat der Roman nur positive Reaktionen hervorgerufen, aber es gibt noch Luft nach oben.
Inzwischen arbeite ich an einem anderen Projekt, das wieder mehr in Richtung Horror geht (allerdings lässt sich das Genre schwer eingrenzen). Ich will noch nicht allzu viel darüber erzählen, aber ich kann verraten, dass der Protagonist im Verlauf der Story mehrfach sterben wird.
Wie ich heute erst erfahren habe, wird außerdem bald eine meiner Kurzgeschichten in der Anthologie „Bösartiges und Zauberhaftes Frühstück“ des Amrûn-Verlags erscheinen. Worum es dabei geht? Nun, das verrät der Titel der Antho, schätze ich. ;)
Dann gibt es noch ein kleines Neben-Projekt, das bis zum Erscheinen dieses Interviews vielleicht schon erhältlich ist: Eine „Anti-Weihnachtsgeschichte“, die ich als kleines Schmankerl zur Adventszeit herausbringen möchte. Es ist lediglich eine Kurzgeschichte, aber sie hat das Potential, einem so richtig die Weihnachtsstimmung zu versauen. Tendiert ebenfalls in Richtung Horror und ist nichts für schwache Gemüter!

Wendest du dich weiterhin dem Thriller-Genre zu oder kehrst du auch zum Horror zurück? Oder ganz allgemein: Welche Genre reizen dich?

Tja, hätte ich mir die Fragen mal komplett durchgelesen, bevor ich beginne, sie zu beantworten … ^^
Wie oben bereits erwähnt, reizen mich viele Genres und aktuell zieht es mich wieder mehr zum Horror. Ich mag eigentlich alles, was Tempo hat und meine Fantasie anregt. Es sollte nicht zu langweilig oder schmalzig sein und ein paar frische Ideen transportieren. Sci-Fi, Fantasy, Thriller, Horror, vielleicht auch ein guter Krimi … das sind so die Sachen, die ich selbst gerne lese. Und von allem findet sich etwas in meinen eigenen Werken – mal mehr, mal weniger.

Apropos Horror. Wieso kommen in „Wurmstichig“ ausgerechnet Würmer vor? Wie kamst du denn auf diese … geschmackvolle Idee?

Daran ist die Parasitologie-Vorlesung schuld, die ich während meines Studiums besucht habe.

Deine Geschichten sind alle sehr unterschiedlich: von Kiffern und Greenpeaceaktivisten über den Cthulu-Mythos und klassische Horrorgeschichten bis hin zu Schlägertypen mit blutigen Facebook-Postings. Woher nimmst du deine Inspiration?

Kurze Antwort: Ich bin ein Nerd.
Längere Antwort: Ich lese viel, gehe gern ins Kino, stehe auf abgedrehte (Brett-)Spiele und trinke gern mal einen. Außerdem habe ich wohl die eine oder andere Schraube locker.

Dein Schreibstil ist genau wie deine Bücher sehr kreativ und unverwechselbar. Wie hat er sich in seiner jetzigen Form ergeben? Eiferst du damit jemandem nach oder versuchst du bewusst dich vom typischen Einerlei zu distanzieren?

Ehrlich gesagt denke ich darüber meistens gar nicht nach. Ich sage bewusst meistens, weil es mir bei den Büchern „Wurmstichig“ und „Das Grauen in den Bergen“ wichtig war, eine bestimmte Erzählstimme zu finden – klassisch, etwas gestelzt, aber nicht zu sperrig. Ansonsten fließt der Text aber einfach aus mir heraus, ohne dass ich mir Gedanken um den Stil mache.
Natürlich gibt es immer Ausnahmen: So würde ich eine Szene, die aus der Sicht eines Kindes geschrieben ist, logischerweise anders ausformulieren als ein Kapitel über einen vierschrötigen Schutzgelderpresser. Aber im Grunde „passiert“ das beim Schreiben einfach, ich orientiere mich da nicht bewusst an jemandem.
Ich bin einerseits diplomierter Wissenschaftler, stehe aber andererseits auf Trash und Pulp. Ich schätze, das vermischt sich und ergibt das unverwechselbare Endprodukt.

Deine Charaktere wanken stets zwischen Wahnsinn und gesundem Menschenverstand. Basieren sie in diesem Punkt auf deinem eigenen Leben oder woher kommt diese Neigung? ;)

Ha! Ich müsste lügen, würde ich behaupten, dass meine Charaktere nicht zumindest ein Stück weit so sind wie ich. Aber die Prise Wahnsinn ist eher meinem Interesse an fehlerbehafteten, unvollkommenen Figuren geschuldet. Ich mag es nicht, wenn Helden zu glatt und perfekt sind. Figuren, die einen Makel aufweisen, sind doch viel interessanter! Zudem bietet der Wahnsinn zahlreiche Spielwiesen, auf denen man sich als Fiction-Autor austoben kann …

Angenommen: Ein Charakter von dir begegnet einem Charakter aus einem anderen Buch. Wer würde sich treffen und wie würde dieses Treffen aussehen?

Ich würde Robert Strauss auf Alex Vendig aus der „Strange Days“-Reihe treffen lassen. Da gibt es ordentlich was aufzuräumen und Robert wäre wohl der richtige Mann für den Job! Außerdem sind beide Figuren ähnlich „kaputt“ und würden ganz gut harmonieren.

Muss man bei deinen stets blutigen Geschichten Angst vor dir haben? Was tust du in deiner Freizeit? ;)

Nein. Ich lasse meine Aggressionen im Fitnessstudio und bin ansonsten ein sehr umgänglicher Zeitgenosse. Für ein anständiges Rockkonzert bin ich immer zu haben, außerdem für eine Runde guten Whisky oder das eine oder andere Bierchen. Wenn ich nicht schreibe oder lese, sitze ich vor der Xbox, bemale Miniaturen oder gehe meiner Frau mit meiner riesigen Brettspiel-Sammlung auf die Nerven. Außerdem fahre ich gern Motorrad, hatte dazu mangels Bike aber schon länger keine Gelegenheit mehr. Ach ja, und ab und zu gehe ich auch einfach raus und schnappe frische Luft. Dazu bietet sich Helsinki geradezu an – überall ist Wasser und Natur.

Haben deine düsteren Tage in Finnland deinen „Body Count“ noch erhöht oder wird es künftig etwas friedlicher zugehen?

Gute Frage! Ich bin noch nicht lange genug hier, um einen langen, nahezu lichtlosen Winter durchgemacht zu haben, daher kann ich das nicht so genau sagen. Bisher ist aber alles auf demselben Level geblieben, denke ich. Und ein Buch von mir, das ohne Leiche oder zumindest eine Prise Gewalt auskommt, kann ich mir nur schwer vorstellen. Man hat inzwischen schließlich einen Ruf zu verlieren und so.

Du bist eine krasse Schreibmaschine. Was ist dein Geheimnis? Hast du vielleicht den ein oder anderen Tipp gegen Schreibblockaden, oder existiert so etwas in deiner Welt einfach nicht?

Nun gut, meine Horde von Ghostwritern ist vermutlich ganz hilfreich …
Aber mal im Ernst: Findet ihr? Ich bin ehrlich gesagt nicht der Meinung, dass ich sonderlich schnell und viel schreibe - zumal ich mich in den letzten Monaten voll aufs Schreiben konzentrieren konnte. Die bittere Erkenntnis: Es war einfacher, sich zu motivieren, als ich eigentlich was anderes zu tun hatte.
Ich versuche einfach, die Sache professionell anzugehen und als „Job“ zu sehen. Da bleibt es nicht aus, dass man sich selbst in den Hintern treten muss, um endlich loszulegen. Wenn ich nicht mindestens 1.500 Wörter schaffe, bin ich abends nicht zufrieden mit mir; allerdings gelingt mir das nicht an allen Wochentagen. Wenn es mal nicht so läuft, fange ich kein neues Projekt an, sondern zwinge mich, erst das aktuelle zu beenden. Das hat mich schon vor vielen Sackgassen und halbfertigen Stories bewahrt, aber es kann hart sein.
Es kommt auch vor, dass eine Zeit lang gar nichts geht. Dann versuche ich, mich nicht verrückt zu machen und suche stattdessen nach „Input“.
Und manchmal überliste ich mich selbst, indem ich korrigiere oder Interviews gebe, statt zu schreiben … ;)
Ganz ehrlich: Wenn ich mir die Leute so anschaue, die während des NaNoWriMo mal eben 50.000 Wörter in einem Monat herausgekloppt haben, komme ich mir nicht allzu schnell vor …

Schlussendlich bleibt mir noch, mich herzlich für das Interview zu bedanken und dir die letzten Worte zu überlassen!

Ich habe zu danken! Und ich möchte gerne mit den letzten Worten von Pietro Aretino aus dem Jahr 1556 schließen: „Nun, da ich eingeölt bin, schützt mich vor den Ratten!“




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