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Montag, 23. Dezember 2013

Geistertürchen Nr. 23 - Interview mit Oliver Kern


Kommen wir zum letzten Interview diesen Jahres. Auch Oliver Kern hat sich unseren Fragen gestellt. Wir haben ihn sowohl zu "Chocolat Rouge" als auch zu "Die Kälte in dir" befragt. 


12 Fragen an Oliver Kern:

Zu Beginn erst mal etwas Leichtes: Stelle dich und dein Werk »Die Kälte in dir« doch einfach mal vor!
Das nennst Du leicht!
Nun denn, ich bin 1968 geboren und im Bayerischen Wald aufgewachsen. Ich hatte schon sehr früh den Hang dazu, mich künstlerisch auszurücken. Konnte ziemlich gut zeichnen und malen, was ich dann letztlich auch förderte, sobald ich es selbst in der Hand hatte. Zuerst kamen bunte Bildchen, später kam auch der Text dazu. Ich arbeite seit 20 Jahren in der Werbung, vor rund 15 Jahren habe ich mein erstes Buch geschrieben. Das liegt immer noch in der Schublade. 2007 erschien dann bei einem Kleinverlag mein erstes, gedrucktes Buch, „Die Steinernen Drachen“, das aktuell noch als eBook erhältlich ist. 2009 hat der Sieben Verlag „Das Gewicht der Seele“ veröffentlicht. Ich will mich nicht selbst loben, aber das sollte man gelesen haben!

Seit Anfang 2013 schreibe ich für Egmont LYX, am 12.12. erscheint dort „Die Kälte in dir“, ein klassischer Thriller, in dem ich ein Ermittlerduo einführe, das Kriminalfälle in der Region Stuttgart aufklärte. Ein zweiter Band ist in Arbeit, der dann Ende nächsten Jahres erscheint.



In deinem Werk »Chocolat Rouge« kommen ja Vampire vor. Wie kamst du auf diese Idee und wie stehst du eigentlich zu glitzernden Vampiren?
Chocolat Rouge war ein Experiment. Ich hatte nie vor einen Vampirroman zu schreiben, bis der Sieben Verlag das bei mir angefragt hat. Eigentlich sollte der Roman im Dark Romance Genre platziert werden, wurde dann zwar mächtig Dark, aber nur mäßig Romance. Vielleicht hätte ich mal besser Twighlight gelesen statt Bram Stoker. Kein Sex und ein fieser, böser Vampir, das ging laut Verlagsvorstellungen gar nicht. Aber mit Glitzervampiren konnte ich mich nicht anfreunden und für Sex reichte einfach die Zeit nicht. Die ganze Story spielt sich in einer Nacht ab und meine Helden sind viel zu sehr damit beschäftigt, zu überleben. Wer Lust hat, einen Horror-Roadmovie-Thriller inklusive Bösewichten mit Weltherrschaftsambitionen zu lesen, der ist bei Chocolat Rouge genau richtig. Das Ding gibt’s als eBook bei Neobooks.


Du hast inzwischen so einiges veröffentlicht, an welchem deiner Bücher hängt dein Herz am meisten?
„Das Gewicht der Seele“, was die veröffentlichten Werke angeht. Zudem habe ich ein Manuskript in der Schublade, das mir wirklich sehr am Herzen liegt und von dem ich sehr, sehr hoffe, dass es bald zwischen zwei Buchdeckeln seine Bestimmung findet.


Und mit welchem deiner Charaktere würdest du dich am ehesten identifizieren?
Das ist schwer. Ich mag diese Lonesome Rider Typen. Männer mit Schwächen und Schicksalsschlägen, nicht sehr vertrauensselig im Charakter, die aber in Extremsituationen über sich hinauswachsen. Wenn die dann noch eine dunkle Seite und eine fragwürdige Anziehungskraft auf Frauen haben, dann kann ich mich da gut hineindenken. (Klingt das jetzt, als wäre ich auch so?)


In welchem Genre tobst du dich eigentlich am liebsten aus, welches würdest du gern mal probieren und was liegt dir gar nicht?
Da möchte ich mich gar nicht so festlegen. Ich mische ja meist auch so ein bisschen und da ich noch gar nicht alle Genre probiert habe, kann ich auch gar nicht sagen, was mir nicht liegt. Ich fühle mich als Geschichtenerzähler, womit es letztlich nicht so sehr darauf ankommt, in welche Regalreihe die Geschichte passt, solange sie den Leser fesselt.


Du sagst von deinen Geschichten selbst, dass sie gerne auch mal »metaphysisch angehaucht« seien. Woher kommt diese Vorliebe?
Ich mag es mich an dieser Grenze von Realität und Fantastik entlang zu bewegen. Den Leser in diese Verunsicherung zu treiben, das die Wahrheit des Erzählten möglich ist, oder eben nicht. In Fox Mulders (Akte X, für alle Spätgeborenen) Büro beim FBI hing diese UFO-Plakat mit dem Spruch „I want to believe“ – ich möchte es glauben, auch wenn es eigentlich nicht zu glauben ist. Genau dieses Gefühl möchte ich beim Leser erzeugen.


Neben deinen Romanen gibt es auch einige Kurzgeschichten von dir. Was liegt dir mehr und warum?
Kurzgeschichten sind gut, um sich zu disziplinieren, sich auf das Wesentliche einer Geschichte zu beschränken. Hier dominiert die Kunst des Weglassens. In wieweit kann ich eine Story reduzieren, dass sie der Leser aber trotzdem noch versteht. Das ist der Reiz für mich, Kurzgeschichten zu schreiben und ich meine, dass ich das mittlerweile ganz gut hinkriege. Was mir wiederum auch beim Romanschreiben hilft. Nicht zu viel zu erklären, Interpretationsspielräume für den Leser zu lassen, ihn nicht zu sehr in seiner Vorstellungskraft zu beschneiden, weil alles haarklein erklärt ist. Ich denke, dass sich jede Geschichte auch auf 20 Seiten erzählen lässt, nur das wäre dann für ein Buch etwas wenig.


Woher nimmst du die Inspiration zu schreiben? Hast du vielleicht einen Tipp gegen Schreibblockaden?
In den meisten Fälle ziehe ich die Inspiration aus dem was ich sehe, beobachte, erlebe. Ein Geschehen, und mag es im ersten Moment noch so banal sein, kann der Impuls für eine großartige Geschichte sein. Gewissermaßen das Saatkorn, aus dem etwas keimt, aufgeht und erwächst, wenn ich das Gesehene in meinem Kopf weiterspinne.

Schreibblockade klingt für mich immer so ein bisschen nach Ausrede. Wenn der Plot gut strukturiert und vorbereitet ist, dann ist Scheiben Handwerk. Man setzt sich hin und fügt Wörter aneinander, die Sätze ergeben, mit denen man die Seiten füllt, um diese eine Geschichte zu erzählen. Was sollte einen da blockieren, außer die eigene Trägheit, wenn die Motivation fehlt, oder wegen mir die Konzentration. Aus künstlerischer Sicht gibt es keine Schreibblockade.


Wie kamst du eigentlich zum Schreiben?
Es fing an mit Comics. Bildergeschichten, die auf gleiche Weise eine Story erzählen, nur die Darstellung ist halt eine andere. Manche meiner Geschichten, die ich mir dazu erdachte, eigneten sich nicht zum visualisieren, also habe ich sie aufgeschrieben.


Wenn du mal nicht schreibst – gibt es das überhaupt? – was machst du dann im »richtigen« Leben?
Wie schon erwähnt, arbeite ich in der Werbung, im grafischen Bereich. Wenn mir noch Zeit bleibt, also neben Schreibmaschine und Malkasten, dann verreise ich gerne, um die Welt zu entdecken und um zu beobachten. Ich brauche ja Stoff, für noch mehr Geschichten. Außerdem liebe ich gutes Essen, anregende Gesellschaft und Geschwindigkeit.


Woran arbeitest du im Moment, wie sehen deine künftigen Projekte aus?
Im Moment schreibe ich den zweiten (in sich abgeschlossenen) Thriller, in dem dieselben Protagonisten wie in „Die Kälte in dir“ ermitteln und der ebenfalls bei LYX erscheint. Zudem arbeite ich mit an einem Projekt, das sich „The Wall“ nennt. Dazu haben sich sechs Schriftsteller aus dem Raum Stuttgart zusammengetan, die sich schon seit Jahren im so genannten „Club der fetten Dichter“ treffen, und die nun wie gesagt, dieses Projekt lanciert haben. Jeder von uns schreibt einen Teil einer Fortsetzungsgeschichte, die wir dann als eBook-Serie herausbringen wollen. So gesehen, die moderne Form der klassischen Heftchen-Serie. Mit von der Partie ist z. B. Thomas Thiemeyer, Uwe Laub oder Rainer Wekwerth. Die Reihe wird ab Sommer nächsten Jahres erscheinen und ich kann jetzt schon sagen, dass es ein geniales Serienformat wird, das sich mit den besten US-Serien messen kann.


Wir danken dir für das Interview! Die berühmten letzten Worte gehören dir.

Ich bedanke mich recht herzlich für das Interesse an meiner Person und meinem Schaffen und halte mich zum Abschied ans Vulkanische: „Live long and prosper!“

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