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Freitag, 13. Dezember 2013

Geistertürchen Nr. 13 - Interview mit Alexandra Kummer


Erst dieses Jahr erschien Alexandra Kumers Debütroman "Basilikum mal anders", den sich unser Engelchen gleich mal vornehmen musste.
Worum es in dem Buch geht, was es mit der italiensischen Sippschaft und dem Basilikum auf sich hat, erfahrt ihr in unserem Interview.



Würdest du dich und dein Buch »Basilikum mal anders« einfach mal vorstellen?
Hallo! Mein Name ist Alexandra Kumer. Ich stamme ursprünglich aus Ferlach, der südlichsten Gemeinde Österreichs. Mein Debütroman ist heuer bei Schwarzkopf & Schwarzkopf erschienen. Ich wurde im Mai geboren, das heißt, ich bin vom Sternzeichen her Zwilling. Wir haben es oft schwer, sich länger als eine Millisekunde auf eine Sache zu konzentrieren – uns wird irrsinnig schnell langweilig. Darum liebe ich das Schreiben so sehr. Ständig steht man vor Herausforderungen, muss neue Dinge erfahren (Denn wie soll man glaubhaft vom Schwimmen mit Delfinen erzählen, wenn man es noch nie getan hat?) und vor allem seine Ängste überwinden (Zum Beispiel vorm Schwimmen mit Delfinen).
Zum Buch: Jedesmal wenn ich irgendwo lese, kommt als eine der ersten Fragen: Ist das autobiografisch? Haben Sie das selbst erlebt? Und um ehrlich zu sein: Ich bin dankbar für ein sehr aufregendes, wundervolles Leben aber so aufregend wie Samanthas Leben ist es dann auch wieder nicht.
In dem Buch geht es um die Beziehung zwischen einer Mutter, die halb am Verzweifeln ist, weil die letzte und auch älteste (!) ihrer vier Töchter (Samantha) ihren Fast-Ehemann Max vor dem Altar stehen lässt. Das führt zu einer Kettenreaktion, an deren Anfang ein aus mütterlicher Liebe überfahrener Polizist steht. Nach Sams gelungener Flucht vor den Kupplungsversuchen ihrer Mutter landet sie schließlich im Schoß einer italienischen Großfamilie, die nach einer kurzen Atempause für die Protagonistin alles daran setzen, sie unter die Haube zu bringen. Und als alle Stricke reißen, weil Sam sich in Beziehungsfragen einfach als beratungsresistent erweist, aktivieren die Italiener ihre Geheimwaffe: Sizilianisches, verzaubertes Basilikum.
Basilikum mal anders ist ein Pladoyer für ein bisschen mehr Italien im Leben. Man sollte an die Magie der Liebe glauben, denke ich. Grad in einer Zeit wie der unsrigen ist das wichtig.


Woher kam dir die Idee mit dem Basilikum?
Basilikum ist einfach ein wunderbares Gewürz, dem schon immer magische Kräfte zugesprochen worden sind. Früher wurde ihm eine Libido-steigernde Wirkung nachgesagt und viele Liebeszauber ranken sich darum. Warum also nicht ein Basilikumpflänzchen zum Hauptakteur eines Liebesromans machen?
Basilikum riecht auch so wunderbar leicht und erfrischend und passt hervorragend zur Basisnote des Buches. Es soll leichte Kost sein, die unterhält. Ich wollte mit dem Buch Frauen die neben Arbeit, Kind, Karriere usw. sowieso schon gestresst sind, einfach die Möglichkeit geben, mal humorvoll zu chillaxen - und zwar so schnell und effektiv wie möglich. Das hat auch einen ernsthaften Hintergrund: meine Mutter hat uns Kinder allein erzogen und wir beide (also mein Bruder und ich ) hatten Epilepsie in der Kindheit. Es war wirklich nicht sehr einfach für sie. Ich wollte anderen Frauen, die heute vielleicht in einer ähnlichen Situation sind, die Möglichkeit geben, für ein paar Momente aus der Realität zu entfliehen in eine übertriebene, bunte, magische Welt.


Kommen wir von der Liebessteigerung zur Liebesbringerin. Die Hündin ist mir sehr ans Herz gewachsen. Gibt es Lily wirklich?
Ja, die gibt es wirklich.Und ja, Lily ist die einzige Protagonistin, die real ist.
Aber ich konnte sie mithilfe eines riesigen Rinderknochens bestechen und sie hat mir die Rechte an ihrer Geschichte überlassen.Die stimmt nämlich leider auch.
Aber nachdem mein Vater den Hund heldenhaft aus den Armen eines prügelnden Züchters geholt hat, geht es ihr jetzt seit sechs Jahren bei uns gut.


Schön, dass sie bei euch so ein gutes zu Hause gefunden hat, wie Lily im Buch!
»Basilikum mal anders« ist eine Liebeskomödie. Willst du dich weiterhin in diesem Genre bewegen oder dich eher anderen Themengebieten zuwenden?
Ich arbeite momentan an mehreren Projekten.Die sind zwar immer noch im Liebeskomödiensektor angesiedelt, allerdings nicht mehr so "übertrieben", ein wenig ernsthafter.
Außerdem feile ich an meiner Sprache und dem Ausdruck.
Ich spiele im Allgemeinen auch gerne mit verschiedenen Sichtweisen auf die Welt.
Es gibt eigentlich kein Genre, das mich abschreckt. Lyrik ist nicht so ganz meines, aber alles andere? Nun ja, der Camus'sche Sinn für die harte, kalte, schonungslos präsentierte Realität ist jetzt nichts für mich aber für alles andere bin ich offen.

Dein Debütroman weist starke italienische Einflüsse auf. Ist das bei dir der Alltag oder wolltest du einfach mal andere Sitten erträumen?
Naja, ich bin in einer Grenzregion aufgewachsen. 500 Meter Luftlinie und ich bin in Slowenien, zwei Stunden Fahrt mit dem Auto und ich bin in Venedig. Ein Teil meiner Verwandtschaft wohnt in Italien, ein anderer in Slowenien. Also an sich hab ich Italien nicht nur um mich sondern auch ein bisschen im Blut. Was so mancher an meinem Temperament merkt.


Was machst du eigentlich neben deinem Autorendasein?
Ich arbeite für einen Payment Service Provider im Vertrieb. Etwas ganz anderes. Aber es ist ein toller Ausgleich. Privat lebe ich in meiner kreativen Welt und in der Arbeit geht es eher sehr geordnet zu. Das hilft mir, die beiden Welten zu trennen.

Ich habe gehört, dass du gerne verreist. Welches Land würdest du gerne wieder besuchen und welches neu erkunden?
Ich würde irrsinnig gerne nach Irland. Ich hab' zwar schon mal eine zeitlang in Dublin gewohnt, aber ich würde jetzt gerne wieder mal hin. Vielleicht eine längere Wanderung durchs Land machen.
Neu erkunden würde ich gerne Portugal, Afrika wäre mal schön oder Usbekistan.
Vielleicht auch die Mongolei oder Island.
Die Länder finde ich wunderbar aufregend und farbtechnisch berauschend.


Inspirieren dich deine Reisen denn zu schreiben? Oder woher stammt die Inspiration?
Meine Inspiration stammt aus Begegnungen und Gesprächen. Ich mag es, mich mit Leuten zu unterhalten, die ich nicht kenne. Und dann gibt's natürlich noch die Friedhöfe...
Klingt wahrscheinlich sehr komisch, aber wenn ich über eine Region schreibe, dann gehe ich meist zuerst auf den Friedhof. Das hat viele Gründe: die Ruhe, die Geschichten, die dort im wahrsten Sinne des Wortes in Stein gemeißelt sind. Jeder, der schon mal in Florenz war, kennt San Miniato. Auf dem Friedhof stehen zwei Mamorstatuen, eine Frau und ein Mann die sich ansehen und so aussehen, als würde er sie gerade auf einem Ball zum Tanz auffordern. Die beiden strahlen ein Leben aus, das glaubt man erst, wenn man es mit eigenen Augen sieht.
Sie scheinen sich gleich in die Arme zu nehmen und glücklich aufs Parkett zu entschweben.
Aber eben nicht ganz. Das heißt, sie strecken zwar die Hände nacheinander aus, berühren sich aber nicht.
Meine Nachforschungen haben ergeben, dass es sich um ein Geschwisterpaar handelt, die beide in den Wirren des zweiten Weltkrieges gestorben sind als letzte ihrer Familie. Ihre Eltern müssen sie sehr geliebt haben.


Eine schöne Geschichte. Interessant, was sich so alles auf Friedhöfen findet!
Apropos reisen, da triffst du sicher jede Menge Leute, aber mit welcher Buchfigur möchtest du dich mal treffen?
Das ist eine echt gute Frage.
Dann wähle ich Paul Wagner aus dem Buch "Narr" von Weiß & Schilddorfer, er ist ein Journalist, der in einem Loft, einer aufgelassenen Straßenbahnremise, die er umgebaut hat, wohnt, dort Motorräder renoviert und auf alles steht das schnell, gefährlich und ... ach, ich denke, du kannst mir folgen.
Dann würde ich gerne Charlotte aus "Die Frauen der Familie Belle" treffen, weil ich in ihr eine verwandte Seele sehe.
Und dann ist da noch Don Quijote, dem ich so gern mal dabei zusehen würde, wie er gegen Windmühlen kämpft und natürlich noch Mathilde aus "Mathilde - eine große Liebe" von Japristot, weil sie einfach nie ihren Glauben an die Liebe verliert.
Und noch tausend andere Gestalten...


Welches Buch liegt aktuell auf deinem Nachttisch?
Ich hab aktuell etwa 15 Bücher dort liegen. Davon ist "Die Tigerfrau" von Tea Obreth als nächstes dran.

Was hast du als nächstes für Projekte geplant?
Momentan schreibe ich an einem märchenhaften Liebesroman. Ein Ritter und eine gehörige Portion Pragmatismus & Realitätssinn, der auf eine harte Probe gestellt wird, stehen dabei im Vordergrund.


Wir vom Blog, danken Alexandra Kumer herzlich für das Interview!
Die berühmten letzten Worte?
Hm... Wie wäre es mit dem Zitat, dem Sinnspruch einer Freundin von mir? Sie ist ebenfalls Schriftstellerin, heißt Ute Schlerath und schrieb einst : "Jeder flieht anders."

Vielleicht hilft ja Basilikum dem einen oder anderen dabei. »Wir sind ja flexibel!«

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