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Mittwoch, 20. November 2013

Buch – „Vor meiner Ewigkeit“ von Alessandra Reß


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Titel: Vor meiner Ewigkeit
Autorin: Alessandra Reß
Genre: Dark Fantasy
Seiten: 200
Preis: 10,50 €


Kurzbeschreibung:
„Ich warf mich der neuen Welt in die Arme und sie lachte mit mir, und in meinem Unwissen merkte ich nicht, wie falsch dieses Lachen klang.“
Ohne Erinnerung erwacht der Student Simon eines Nachts in einer Stadt, in der selbst die Farben ein Eigenleben zu führen scheinen. Von einem Geistermädchen erfährt er mehr: In ihm ist die Gabe des Schläfers erwacht, und seine Aufgabe ist es, die Vampire zu jagen, welche die Stadt bevölkern und das empfindliche Gleichgewicht von Licht und Dunkelheit stören. Erst, wenn er diese Aufgabe erfüllt hat, darf er in sein altes Leben zurückkehren.
Trunken von den dunkelbunten Wundern der Stadt Dew Linae, fügt sich Simon in sein Schicksal. Doch bald schon muss er erkennen, dass er mehr und mehr seine Identität verliert. An seine Stelle tritt der Schläfer, eine seelenlose Kreatur, die nur im Tod ihrer Gegner Erfüllung findet. Verzweifelt sucht Simon nach einem Weg, sein zweites Ich zu bannen – doch trauen kann er niemandem, nicht einmal sich selbst.

Quelle: Verlagsseite

Meinung:
Schon wieder ein Vampirroman! Das werden sich viele denken, wenn sie „Vor meiner Ewigkeit“ in den Händen halten. Und ich muss zugeben, man hat wirklich ein gewisses Bild im Kopf, wenn man mittlerweile das Wort „Vampir“ vernimmt. Auf Grund dieser Annahmen habe ich eine actiongeladene, spannende Jagd auf Blutsauger erwartet. Naja, zumindest in dem Punkt wurde ich enttäuscht. Aber fangen wir vorne an.


Der Philosophiestudent Simon wacht plötzlich ohne Erinnerungen in einer ihm fremden Welt auf. Nur Amy – ein Geist – steht ihm zur Seite, wobei sie allerdings keine große Hilfe ist, denn Antworten auf seine Fragen darf oder kann sie ihm nicht geben.
Auf sich allein gestellt stolpert Simon nun durch die atemberaubende Welt Dew Linaes, erfüllt von dem Wunsch, seine Verlobte wieder zu sehen, der Gier, Vampire zu töten, um ihre Macht in sich aufzunehmen und der Frage, wer er eigentlich ist.

Das erste, was einem an dem Buch auffällt, ist der bildgewaltige und farbenprächtige Schreibstil. Alessadra Reß bringt die Phantasie ihrer Leser an den Rand des Möglichen, wenn sie ihre Welt beschreibt. Es ist eine Explosion aus Farben und Eindrücken und – ähnlich wie Simon – will man erst mal mit offenem Mund durch die Gegend rennen und alles begaffen. Es ist wie Synästhesie gebannt in Worten. Man nimmt die Farben förmlich mit allen Sinnen wahr.
Das dieser Umstand sowohl Protagonist als auch Leser verwirren könnte, ist wohl nachvollziehbar. Aus dem Grund erkennt man schnell, dass „Vor meiner Ewigkeit“ nicht unbedingt das beste Einsteigerbuch ist, wenn man sich mit Fantasy auseinandersetzen will, denn es malt nicht die leichteste Form einer Welt. Oder aber man bringt eine große Portion abstraktes Denken mit.

Während seines Aufenthaltes in Dew Linaes lernt Simon viele verschiedene Charaktere – hauptsächlich natürlich Vampire – kennen. Ich selbst liebe es, wenn viele Rollen in einem Buch auftauchen. Es macht das ganze für mich spannender und abwechslungsreicher. Allerdings sind die Charaktere hier deutlich zu blass und jeder von ihnen rennt quasi einmal nur durchs Bild. Alles dreht sich um Simon. Es gibt keine starke Nebenfigur, die neben ihm gleichwertig agiert. Und das hat mich irgendwann genervt.
Die Vampire treten jeweils in ihren eigenen Kapiteln auf, erzählen ihre Lebensgeschichte, wie ein Superschurke seinen Weltzerstörungsplan und naja… sind wieder von der Bühne verschwunden. Dieses Schema wiederholt sich bei jedem Vampir! Das Band zu diesen Charakteren ist aber längst nicht so stark, dass man irgendwelche Emotionen mit ihren Geschichten verbindet.
Selbst Amy, die wirklich verdammt viel Potential hat, ist nicht mehr als ein Sidekick und das ist echt schade. Ihre Auftritte sind viel zu kurz und unregelmäßig und glänzen damit, dass sie eigentlich keine Ahnung hat. Dabei hat sie so eine wichtige Rolle und verdient es nicht mehr oder weniger eine Randnotiz zu sein.

Anstatt der actionreichen Jagd erwartet den Leser ein sehr nachdenklicher, melancholischer Roman. Es ist mehr „Interview mit einem Vampir“ als „Underworld“. Tatsächlich ist der philosophische Klang den Vampirtagebüchern von Anne Rice sehr ähnlich. Lestat denkt auch über vieles nach, hinterfragt es, zweifelt es an. In diese Richtung geht ebenfalls „Vor meiner Ewigkeit“. Allerdings hat Lestat eine größere Portion schwarzen Humor.
Und irgendwie sowas hat mir noch gefehlt. Ich habe nichts gegen nachdenkliche Texte oder Literatur, die den Leser zum Grübeln bringt, aber es sollte anständig portioniert sein. Hier bekommt man alles geballt präsentiert und es wird – leider – nicht durch Humor oder etwas Action aufgelockert. Gerade schwerfällige Kost wird dem Leser dann leichter serviert.

Die Aufmachung des Buches ist beim Art Skript Phantastik Verlag immer etwas besonderes, alleine, weil das Format schon größer ausfällt. Auf den ersten Blick ist das vielleicht ungewohnt, aber ich mag es sehr und sie lassen sich gut lesen. Außerdem bekommt jedes Buch immer einen besonderen Hingucker, in dem die Kapitelüberschriften und Seitenzahlen eine ausgefallene Schrift haben. Die Covergestaltung haut mich jetzt nicht um, passt aber sehr gut zum Plot.
Mein Dank geht an Grit vom ASP Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

Fazit:
Eine Schriftstellerin mit Talent schafft eine krasse, bunte Welt, aber ihren Charakteren fehlt es dann leider an Farbe. Es ist schwere Kost und keine leichte Berieselung, so dass ich mich manchmal zum Lesen aufraffen musste. Wer diese Sorte Text mag, wird „Vor meiner Ewigkeit“ lieben.
Von mir 3 ½ Skulls.

Eure Mendea

Kommentare:

  1. Hallo Mendea,

    bin über Lovelybooks gerade mal wieder hierhergeraten. Diesen Satz(teil) hier finde ich ja ehrlich gesagt herrlich:
    "Die Vampire treten jeweils in ihren eigenen Kapiteln auf, erzählen ihre Lebensgeschichte, wie ein Superschurke seinen Weltzerstörungsplan [...]"
    Es schmeichelt mir zwar nicht unbedingt, aber ich muss zugeben, dass mir der Vergleich gefällt. Nicht so wieder Teil mit "Eine Schriftstellerin mit Talent..." ;) , aber er hat was. Naja, wenn man nicht am Ende seines pseudountersterblichen Lebens redselig wird, wann dann?! ;)

    Schöne Grüße und danke, dass du dir den Roman vorgenommen hast :)
    Alessandra

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    1. Hey Alessandra!
      Schön, dass die Rezi dich irgendwie anspricht ;)
      Wir bemühen uns immer ehrlich, aber auch fair zu sein. Schönmalerei bringt ja auch keinen Autor weiter und alle Meinungen sind ja rein subjektiv. Dein Stil gefällt mir wirklich gut! Hast du noch mehr geplant?
      Und redselige Vampire sollten Bücher schreiben. Wie Lestart ^^ Jeder deiner Blutsauger könnte vielleicht einen eigenen Roman füllen - und ich fänd es wahrscheinlich sogar spannend.

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    2. Klar, ich hab mich auch ehrlich über die Rezi gefreut, selbst über die Kritik. Das mag jetzt etwas blöd klingen, aber es ist einfach wirklich hilfreich, wenn man so detailreiche Rezensionen bekommt.

      Jopp, für die nicht allzu entfernte Zukunft ist mehr geplant. Aber erstmal nichts, was mit "Vor meiner Ewigkeit" zusammenhängt. Vermute ich jedenfalls ;)

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    3. Dann bin ich doch mal sehr gespannt :)
      Schön, dass du es so positiv aufnimmst! Wir wollen ja auch niemanden zerreißen oder so. Wenn ein Autor unsere Rezis als Hilfestellung sieht, ist das schon das größte Lob für uns :)

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