Seiten

Dienstag, 19. November 2013

Buch - "Steampunk 1851" von diversen Autoren



Titel: Steampunk 1851 – Düstere Geschichten zwischen Zahnrad-Mechanik & Gaslicht-Romantik
Autoren: Denise Mildes, Sabine Frambach, Marco Ansing, Andrea Bienek, Hendrik Lambertus, Markus Cremer, Luzia Pfyl und Fabian Dombrowski
Verlag: Art Skript Phantastik Verlag
Preis: 10,40€







Klappentext:
Diese 8 Autoren nehmen uns mit auf eine phantastische Zeitreise durch die Geschichte und offenbaren uns[sic!] lassen uns teilhaben am düsteren Steampunk-Futurismus.
1851 – ein Jahr voller Veränderungen. In London findet die erste Weltausstellung statt und in Australien bricht der Goldrausch aus. Dazwischen werden Firmen gegründet, Kriege bestritten, Politik gemacht, Bücher herausgegeben, Opern uraufgeführt … kurz: Geschichte geschrieben. Doch welchen Einfluss haben die dunklen Wesen der Unterwelt auf die Zahnräder, die das Uhrwerk der Geschichte antreiben?
Lassen Sie sich überraschen und sehen Sie die Vergangenheit in einem vollkommen neuen Licht.

Kritik:
Da ich bisher keine Anthologie rezensiert habe und mir auch nicht ganz sicher bin, wie man so etwas am besten macht, habe ich mir überlegt, erst detaillierter auf jede einzelne Geschichte einzugehen – gibt es eine Pointe, wie sind Stil und Charaktere, wie sind die Steampunk-Elemente untergebracht –, ehe ich allgemeine Punkte bezüglich des Gesamtpakets anspreche. Auf den konkreten Inhalt jeder einzelnen Geschichte werde ich jedoch nicht eingehen.



Das Ende der Fiktion von Denise Mildes

Die Grundidee und die Anspielungen auf Frankenstein bzw. die Lösung davon waren interessant und gut umgesetzt. Der Stil ließ sich flüssig lesen, hatte aber auch seine Stolpersteine; alles in allem war er durchaus in Ordnung. Die Steampunk-Elemente waren zwar nicht seehr ausgeprägt, aber sie waren vorhanden und waren immerhin sogar tragend für die Story, und das muss ich im Bezug auf die übrigen Geschichten als klaren Pluspunkt werten.
Es gab leider keine wirkliche Pointe, keinen befriedigenden Abschluss oder eine letztliche, überraschende Wendung oder Erklärung. Hinzu kommt, dass eine Pointe zwar nicht vorhanden war, dafür zahlreiche andere und oft auch überflüssige Szenen. Für meinen Geschmack hätte die Kurzgeschichte um einige Zeilen gekürzt werden können. Die Charaktere selbst waren auch recht uninteressant, was bei einer Kurzgeschichte nicht weiter schlimm wäre, wenn der Plot fesselnd ist – leider war auch der ein wenig zu linear. Außerdem – ein unnötiges Manko, aber womöglich nur in meinen eigenen Augen – es geht mal wieder um Vampire, die mittlerweile ausgelutschteste Art von düsteren Wesen.

Insgesamt hat mich diese Geschichte nicht vom Hocker gerissen, aber sie lässt sich gut zwischendurch mal lesen, wenn man sie gerade zur Hand hat. Ich vergebe somit 3,5 von 5 Punkten.


Monsieur Foucault und das Wesen des Lichts von Sabine Frambach

Auch bei der zweiten Geschichte der Anthologie war die Grundidee soweit in Ordnung. Die Umsetzung davon war sogar eher geglückt; man hätte es auch schlechter treffen können. Es gab gute, witzige Charaktere und auch eine recht gute Pointe.
Der Stil war eher unterdurchschnittlich, was sich vor allem auch in die Dialogen äußerte. Diese sollten anscheinend „steampunkig“ veraltet klingen. Bei mir hat das jedoch überhaupt nicht gezündet, sondern mich eher raus gebracht. Was mich weiterhin gestört hat, war die Tatsache, dass kaum Steampunk-Elemente vorkamen. Es wirkte eher wie eine historische Erzählung mit Fantasy, als wie eine Steampunk-Geschichte. Es kommt eine Lore und ein Dämon vor – das beides ist nun wirklich kein eindeutiges Steampunk-Merkmal!

Insgesamt war auch diese Geschichte soweit in Ordnung. Die Umsetzung der Grundidee, der gewählte Ablauf der Szenen und die Charaktere sind soweit gut, auch wenn es sich eindeutig nicht um etwas handelt, das ich als Steampunk-Geschichte bezeichnen würde! Müsste ich diese Geschichte unter dem Punkt „Teil einer Steampunk-Anthologie“ bewerten, würde sie 2,5 oder 3,0 Punkte kriegen. Als einfache Kurzgeschichte bekommt sie 4,0 von 5 Punkten.


Lykonium von Marco Ansing

Die Grundidee und der Plot waren auch hier soweit okay. Die Charaktere waren ebenfalls in Ordnung, wenn auch nichts Besonderes. Der Stil hingegen war sogar überdurchschnittlich gut und ließ sich flüssig herunter lesen. Ein weiterer Pluspunkt sind die Steampunk-Elemente, diese sind endlich mal vorhanden! Maschinen, Kleidung und Verhalten passen in die Zeit, in der die Geschichte spielen soll bzw. es wird halbwegs futuristische Dampfkraft präsentiert.
Was mir hier von Anfang an übel aufgestoßen ist, war die Darstellungsform: die Geschichte wird in Form von mehreren kurzen Zeitungsartikel präsentiert. Das ist ziemlicher Quatsch, denn die angeblichen „Zeitungsartikel“ sind natürlich viel zu genau und actionlastig erzählt, um auch nur als irgendwie realistisch gelten zu können. Vermutlich sollte der Eindruck des „steampunkigen“ damit erhöht werden. Das ist meiner Ansicht nach nicht gelungen. Des Weiteren war die Geschichte ein wenig zu langatmig und außerdem auch noch vorhersehbar. Wenn man den Titel der Geschichte versteht, kann man nach der Hälfte zu lesen aufhören, weil man weiß, worauf es hinausläuft. Eine Pointe fehlt ebenfalls.

Angesichts der Tatsache, dass die Steampunk-Elemente hier schön umgesetzt waren, war ich geneigt, der Geschichte eine höhere Bewertung zu geben, aber als bloße Kurzgeschichte fand ich sie dann doch nicht derart gut. Sie ist schon lesbar und sie ist auch nicht schlecht, aber für meinen Geschmack gibt es bessere Geschichten in dieser Anthologie. Wäre sie kürzer und prägnanter und etwas weniger vorhersehbar gewesen, hätte das sicherlich einiges geändert. So bekommt sie eine Wertung von 3,0 von 5 Punkten.


Das Meisterwerk von Andrea Bienek

Auch bei dieser Geschichte sind Plot und Grundidee soweit in Ordnung und nicht völlig abstrus. Die Charaktere sind eher gut als durchschnittlich und auch der Ort, an dem die Geschichte spielt, ist endlich mal etwas anderes als die Weltausstellung in London, die ich beim Lesen gefühlt jedes zweite Mal besuchen musste. Der Stil gehört auch zu den besseren und liest sich sehr schnell.
Was mich hier wiederum störte, waren die Steampunk-Elemente. Es waren mir wieder viel zu wenige vorhanden. In einer Kurzgeschichte lassen sich natürlich nur wenige einbauen, viel weniger als in einem Roman. Da ich aber in einer anderen Kurzgeschichte bereits gesehen habe, wie man auch in einem kurzen Text gut Steampunk unterbringen kann, werte ich es hier als Minuspunkt. Es spielt in einem Zug und es ist ein Telegraph, betrieben mit Telepathie, erfunden worden. Das überzeugt mich nicht wirklich in der Vermutung, es handle sich um Steampunk. Noch weniger überzeugt mich die Darstellungsart: die Charaktere lesen einen Bericht, der vom Telegraphen aufgeschrieben wird, und das stellt die Geschichte dar. Das wirkt alles irgendwie sehr seltsam und unbeholfen. Auch das Thema ist völlig abstrus: statt über steampunk-artige Themen wie Luftschiffe, neue Erfindungen, Séancen meinetwegen oder irgendwas Vergleichbarem zu erzählen, handelt der Bericht von Vampiren. Der Sinn davon ist mir noch immer nicht ersichtlich. Abgesehen davon, dass – schon wieder – Vampire auftauchen, besitzt die Geschichte auch keinerlei Pointe, oder diese ist zumindest viel zu vorhersehbar.

Wie die Geschichte zuvor ist auch diese Geschichte nicht schlecht, aber auch nicht die beste der Anthologie. Es fehlt an Überraschungen, an Spannung und neuen Elementen. Vampire kennt man jetzt schon auswendig, darum wäre das neue Genre des Steampunks ein viel interessanteres Thema gewesen. Stattdessen werden hier die Lebensweisen von Vampiren dargelegt und keinerlei neue Erfindungen oder Zahnradgetriebe oder sonst was. Insgesamt lässt sich die Geschichte aber trotzdem durchaus lesen und daher vergebe ich 3,0 von 5 Punkten.


R.S.O.C. (Fälschlicherweise im Inhaltsverzeichnis: RSOL) von Hendrik Lambertus

Die Grundidee ist soweit ganz okay, aber nichts wirklich Kreatives; das reißt die Umsetzung aber wieder raus! Das gesamte Setting, die Vorgeschichte und das Drumherum sowie die Charaktere wirken wirklich, als würden sie in diese Geschichte gehören. Es passt einfach. Vor allem die weibliche Heldin war stark und witzig und ein besonderer Pluspunkt. Der gesamte Aufbau war, so simpel er auch war, gut durchdacht und keinesfalls langweilig. Auch der Stil hat dabei nicht zurückgestanden: flott, witzig, schnell und interessant. Außerdem waren es hier mal nicht (nur) die klassischen, ewig gleichen Fabelwesen, sondern mal was Neues! Das hat mir gefallen.
Leider muss ich auch hier kritisieren: Steampunk-Elemente waren so wirklich nur in Verhalten und Kleidung vorhanden (und auch das Verhalten wurde neuzeitlich durchbrochen), und das war für meinen Geschmack zu wenig. Außerdem gibt es zwar eine schöne Auflösung, aber keine wirkliche Pointe.

Als Teil einer Steampunk-Anthologie müsste ich diese Geschichte ebenfalls etwas schlechter werten, 3,5 Punkte vielleicht, denn wirklich viel Steampunk ist nun mal auch hier nicht vorhanden. Das verzeiht man jedoch gerne: unter den Gesichtspunkten einer Kurzgeschichte konnte mich dieser Beitrag wirklich überzeugen! Humorvoll, gut aufgebaut, interessante Charaktere, leichter Stil und eine gute Auflösung – ein wirklicher Lesegenuss. Dafür gibt es von mir 4,5 von 5 Punkten.


Archibald Leach und die Rache des Toten von Markus Cremer

Mit dieser Geschichte habe ich mich etwas schwer getan, denn es gibt viel Gutes, aber das Gute ist zugleich meist auch das, was nicht wirklich passen will. Es beginnt schon mit der etwas seltsamen Einleitung in der Ich-Perspektive, obwohl die Geschichte später von einem außenstehenden Erzähler wiedergegeben wird, und auch der seltsame Titel, wie von einem schlechten Groschenroman, irritiert – auf der anderen Seite kann man das natürlich auch als Pluspunkt und kreativen Ansatz sehen, die Geschichte als Teil der damaligen Zeit auszugeben.
Selbiges gilt für die Dialoge: teilweise klingen sie schön altertümlich, teilweise schön modern; dann wieder viel zu übertrieben altmodisch oder zu modern („Schickse“ oder „meschugge“ passten einfach nicht, selbst wenn's Jiddisch sein soll.)
Auch die Charaktere sind bei diesem „teils gut, teils schlecht“ keine Ausnahme: sie sind interessant und auch stark, aber passen wiederum nicht so wirklich in den Steampunk-Rahmen.
Das gleichen jedoch zahlreiche andere Faktoren wieder aus: Dies ist die – so ziemlich einzige – Geschichte der Anthologie, der ich vorbehaltlos das Prädikat „Steampunk“ vergeben würde! Die Londoner Weltausstellung als Handlungsort ist zwar etwas unkreativ, dafür ist die Aufmachung grandios: es wird von Spektralwaffen und Ätherenergie geredet, von Heisenbergs horriblem Kompass des Bösen (toller Steampunk-Ausdruck in meinen Augen), Kryokammern und Untoten. Dieser Story merkte man die Zukunftsvision des 19. Jahrhunderts wirklich an, im positivsten Sinne.
Vom Standpunkt „reine Kurzgeschichte“ gibt es allerdings einige Abzüge neben den bereits genannten. So war etwa auch der Stil größtenteils in Ordnung, teilweise aber seltsam und unpassend. Gerade das letzte Drittel der Geschichte war mir leider viel zu gehetzt. Sicherlich sollte dadurch Spannung und das Gefühl von Action aufkommen, mir war es jedoch entschieden zu schnell. Auch eine Pointe fehlt; die Geschichte hätte bereits eine halbe Seite früher enden können, denn das wäre eine bessere Stelle gewesen.

Insgesamt ist diese Geschichte auf jeden Fall lesenswert, vor allem, wenn man sich mal wirklich ein Bild vom Steampunk-Genre machen möchte. Von dem Gesichtspunkt her ist dies die beste Geschichte der Anthologie. Einige Schwächen auf anderen Gebieten ziehen jedoch einen gewissen Punktabzug nach sich, sodass ich 4,0 von 5 Punkten vergebe.


Tote Kaninchen von Luzia Pfyl

Diese Geschichte ist die wohl düsterste und „dreckigste“ der Anthologie. Ihr Stil war soweit in Ordnung, es ließ sich ganz flott lesen. Auch die Charaktere waren okay bis gut, aber auch etwas irritierend und sicherlich nicht besonders „steampunkig“. Die Pointe des Plots war so halb vorhanden, denn nicht alle Fäden wurden logisch verknüpft, was etwas unbefriedigend war. Die Lösung war mir persönlich auch zu simpel, aber durch das Herumschnüffeln und Befragen wurde zumindest Spannung erzeugt. Beim Aufbau haperte es jedoch auch etwas: Einige Gedankensprünge kamen zu schnell und unvorbereitet.

Insgesamt war es eine durchaus solide, aber etwas uninspirierte Kurzgeschichte, ein bisschen wie nach Schema F, so wie man sie schon öfters gelesen hat. Es gibt jedoch auch sehr gute Elemente, von denen ich mir mehr Einfluss in der Story erhofft hätte, etwa die der Charaktere. Der Steampunk-Aspekt wirkte allerdings teilweise mehr wie ein notwendiges Übel, das irgendwie in die Geschichte eingeflochten wurde, als wie ein tragendes Element. (Es kommt ein fliegendes Boot vor, ansonsten ist nichts mit Dampfkraft.) Abschließend vergebe ich daher 3,5 von 5 Punkten.



Der Automat von Fabian Dombrowski

Zur letzten Geschichte möchte ich nicht viel sagen. Die Grundidee einer künstlichen Intelligenz auf Dampfkraft-Basis und Ort und Zeit in Frankreich fand ich gelungen, auch die Pointe war vorhanden und auch originell – das ist jedoch auch schon alles Positive, was ich der Geschichte abgewinnen konnte.
Abgesehen von besagtem Automaten gibt es keinerlei Steampunk-Elemente, was mir persönlich viel zu wenig war. Außerdem ist die Umsetzung der Kurzgeschichte an sich zweifelhaft: die Charaktere bleiben blass, es fehlen Erklärungen, als wäre die Geschichte nicht ganz fertig geschrieben worden oder nur Teil eines größeren Werks, wie ein Prolog oder Ähnliches. Der Stil wechselt immer zwischen „viel zu detailreich“ und „nur Dialog“. Statt der erhofften Steampunk-Geschichte hat man hier einen pseudo-philosophischen Dialog gebastelt, dem – zumindest ich – so gar nichts abgewinnen konnte. Nur weil man einmal Hegel erwähnt, ist es noch nicht gleich philosophisch (und schon gar nicht verständlich), und spannend ist wirklich was anderes!

Insgesamt fand ich diese Geschichte als einzige der ganzen Anthologie wirklich enttäuschend. Sie fällt deutlich anders aus als die übrigen Geschichten – reiner, teils unverständlicher Dialog ohne wirkliches Geschehen oder gar Spannung – und ich weiß wirklich nicht, wo ihr Reiz liegen soll. Letztlich ist das natürlich Geschmackssache und vielleicht gefallen anderen auch halb-philosophische Dialoge zwischen unbekannten, uninteressanten Parteien, aber ich persönlich kann nicht mehr als 2,0 von 5 Punkten vergeben.


Zum Gesamtpaket der Anthologie:
Allgemein handelt es sich durchaus um eine lesenswerte Anthologie. Alle Geschichten, bis auf die letzte vielleicht, haben ihren Reiz und konnten mich auf die ein oder andere Weise überzeugen. Vor allem „R.S.O.C.“ und „Archibald Leach“'s Geschichte waren genial und haben den Gesamtwert der Anthologie in meinen Augen deutlich gesteigert. Aber auch die anderen Kurzgeschichten waren, an und für sich und als solche betrachtet, interessant.

Damit komme ich jedoch auch schon zu meinem größten Kritikpunkt: Diese Steampunk-Anthologie enthält (in meinen Augen) leider kaum Steampunk-Elemente. Was bei „Archibald Leach und die Rache des Toten“ so schön zu sehen war, fehlte mir bei allen anderen Geschichten fast gänzlich. Sicherlich ist das Steampunk-Genre an sich schwer zu definieren, aber es umfasst sicherlich keine historischen Geschichten mit Fantasy-Elementen, wie es bei einigen dieser Geschichten der Fall ist!

Um Wikipedia zu zitieren: „Steampunk fällt [...] in den Bereich des sogenannten Retro-Futurismus, also einer Sicht auf die Zukunft, wie sie in früheren Zeiten entstanden sein könnte. Häufige Elemente des Steampunk sind dampf- und zahnradgetriebene Mechanik, viktorianischer Kleidungsstil und ein viktorianisches Werte-Modell, eine gewisse Do-it-yourself-Mentalität und Abenteuerromantik.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Steampunk)
Selbst wenn man die Latte niedrig legt und sagt: „Mindestens zwei der hier genannten Steampunk-Elemente sollten klar vorhanden sein!“ würden einige der Geschichten nicht in das Genre fallen. Mehr noch: Wenn man wirklich von einem Retro-Futurismus ausgeht (und der Klappentext verspricht ja: „düsteren Steampunk-Futurismus“), wenn man davon ausgeht, wie Leute zu Zeiten der Dampfkraft sich die Zukunft vorgestellt haben und von einer alternativen Zeitlinie ausgeht, so fallen fast alle Geschichten (nach mehr oder weniger harten Kriterien) raus. Keine einzige Geschichte zeigt mal in aller Deutlichkeit eine alternative Zeitlinie auf, wo große Dampfkraft-Erfindungen die Weltgeschichte umgeschrieben haben oder Vergleichbares. Nein, alle Geschichten bleiben irgendwie zu „harmlos“ und ordnen sich der realen Weltgeschichte unter. Damit sind die Autoren in meinen Augen ein wenig zu ängstlich an die Sache herangegangen. Zwar steht der Begriff "Gaslicht-Romantik" im Steampunk-Genre für weniger abenteuerliche und mehr mit der Zeitlinie im Einklang stehende Steampunk-Geschichten; da dies jedoch nur im Untertitel stand und auch nicht eindeutig als Genre-Begriff zu erkennen ist, hatte ich mir mehr gewünscht.
Ich muss ganz klar sagen, dass die Geschichten, für mich und allein was die Steampunk-Elemente angeht, eine recht schwache Ausbeute darstellen.

Das ist natürlich nicht nur schlecht! Als Einsteiger oder als jemand, der sich nicht großartig mit Steampunk auskennt, ist das schon in Ordnung. Man wird hier auch nicht durch zu viel Steampunk abgeschreckt, und wie gesagt, an und für sich sind die Kurzgeschichten auch in Ordnung. Das sollte man vor dem Kauf jedoch wissen und berücksichtigen!
Denn: Titel und Klappentext der Anthologie konnten in meinen Augen ihr Versprechen auf echten Steampunk-Genuss nicht (oder nur sehr bedingt) halten. Daher gibt es im Gesamtfazit für die ganze Steampunk-Anthologie – im Hinblick auf ihr Thema, nämlich Steampunk – auch „nur“ eine 3,0 von 5 Punkten. Der Durchschnittswert aller Einzelgeschichten dürfte jedoch höher liegen, weil sie, wie gesagt, an und für sich gut sind - nur eben nicht wirklich Steampunk.
Buchbändiger

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen