Seiten

Freitag, 12. Juli 2013

Indies – Plage oder Potenzial?

Mitte des 15. Jahrhunderts erfand ein gewisser Gutenberg den Buchdruck. Damit schlug er der Gesellschaft ein schönes Schnippchen, denn Bücher waren bis dahin ein wahres Luxusgut. Jedes einzelne von ihnen musste per Hand geschrieben und gebunden werden. Das waren viele Stunden Arbeit und kostete einen Haufen Geld.
Ohne den Buchdruck hätte die Literatur wohl nie Einzug in die bürgerlichen Stuben gehalten.



Heute sind wir im 21. Jahrhundert angekommen. Die Technik hat sich dramatisch weiterentwickelt und auch die Einstellung der Menschen zum gedruckten Wort. Denn heute kann und darf jeder schreiben!
Das beste Beispiel ist doch schon dieser Blog. Egal, ob es euch interessiert oder nicht, ich habe die Möglichkeit, meine Meinung öffentlich zu machen. Wer sollte mich dran hindern?
Und das ist Fluch und Segen zugleich!

Unternehmen, wie allen voran Amazon mit KDP / Create Space oder BoD oder wie sie nicht alle heißen, unterstützen dieses Phänomen natürlich. Jeder Mensch, der des Schreibens mächtig ist – manchmal hat man allerdings das Gefühl, sie seien es nicht – kann seine literarischen Ergüssen publizieren und drucken lassen! Wahnsinn! Willkommen in der Moderne. Ab sofort kann jeder von uns in den edlen Stand eines Schriftstellers gehoben werden. Das ist doch mal ein Traum. Ob jemand diese Ergüsse lesen will oder nicht, sei einfach mal dahin gestellt. Ebenfalls durchlaufen die Texte in der Regel keine Kontrollen. Ohne Lektorat und Korrektorat, gekrönt mit einem Cover Marke Augenkrebs fluten sie das Internet.
Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Neuveröffentlichungen täglich bei Amazon platziert werden.
Kein Wunder, wenn man da den Überblick verliert oder sich gar nicht erst den Einstieg traut.

Ein fataler Fehler – meiner Meinung nach. Denn unter all der Masse an Indieautoren (Verlagsunabhängige Autoren) findet man tatsächlich wahre Perlen. Man muss nur den Mut haben, auch mal etwas neues zu testen.
Mittlerweile kenne ich sehr viele Indieautoren und ich beschäftige mich wirklich gerne mit ihnen. Die meisten von ihnen sind sehr nett und geistreich und (Oh, Wunder!) begnadete Autoren. Ich lese ihre Sachen gerne. Tatsächlich findet ihr in der Bibliothek auch schon Texte einiger Indieautoren, wie z.B. Romana Grimm, Fred Ink oder Indieverlagen, wie dem Art Skript Phantastik Verlag. Wenn man sich etwas Mühe gibt, dann findet man wirklich Bücher, die meiner Meinung nach wesentlich mehr Aufmerksamkeit verdient haben.

Einen kleinen Wegweiser versucht da das Autorenkollektiv „Qindie“ zu bieten. Die Grundidee ist denkbar simpel und gut zugleich. Indieautoren können sich bewerben und wenn sie einen gewissen Standard halten, was Rechtschreibung, Aufbau, Inhalt und so betrifft, bekommen sie ein Q als Siegel. Damit können sie werben, denn es zeichnet sie aus, dass sie kein kompletter Reinfall sind und der Käufer sich hier sicher sein kann, eine Spur Qualität für sein Geld zu bekommen. Ob einem das Buch dann auch noch gefällt, ist damit allerdings nicht gesagt! Aber die Garantie hat man ja auch bei Bestsellern nicht, oder?

Andersherum gibt es auch „anstrengende“ Indieautoren. Sie springen einem mit Krallen ins Gesicht, wenn man sie schlecht rezensiert oder Kritik übt. Sie bohren nach, wie weit man mit dem Buch schon ist. Sie veröffentlichen Texte, die voller orthografischer Fettnäpfchen sind. Und wenn man dann als Blogger mal nicht 100% hinter ihnen steht, starten sie direkt eine Hetzkampagne.
Danke! Da macht Bloggen doch gleich viel mehr Spaß!
Als kleiner Indie frage ich mich doch, ob solche Autoren auch nur eine Minute daran denken, was sie da eigentlich auslösen und was das zu bedeuten hat. Es wirft doch ein schlechtes Licht auf eine ganze „Zunft“. Da ist es doch wirklich kein Wunder, wenn Blogger sich quer stellen und weigern Indies zu lesen und zu rezensieren.

Deswegen hier mal eine kurze Warnung an Autoren:
Wer keine ehrliche Rezension haben will, ist bei den Geistern falsch! Wir schönen nicht und wir schenken nicht. Ja, wir freunden uns natürlich auch mit Autoren an, aber gerade Freunden, mit denen man offen reden kann, sollte man doch Kritik äußern können. Wir halten nichts von Hetzkampagnen und lassen uns nicht vorwerfen, dass wir irgendwen besser oder schlechter behandeln. Wer eine ehrliche Meinung nicht vertragen kann, sollte sie nicht einfordern. Außerdem achten wir selbst bei negativen Kritiken darauf, dass der Tonfall sachlich und konstruktiv ist. Wir respektieren jeden Autoren für die Mühe und wollen niemanden beleidigen.
Außerdem müsst ihr euch über eins klar sein: Ihr könnt nicht jedem gefallen! Wenn ihr 100 Fans habt und einen Kritiker, dann freut euch über die 100 Fans und tragt die Kritik mit Fassung.

Hinweis an andere Blogger:
Seid weiterhin ehrlich! Deswegen liebe ich einige Blogs und ihre Betreiber so. Und das ist es doch, was andere Lesen wollen. Ehrliche Meinungen und nichts geschöntes. Ihr macht euch so viel Mühe mit dem Lesen und Bewerten, das hat meinen ganzen Respekt verdient. Und lasst euch bitte, bitte nicht ärgern!

An die Leser:
Traut euch an Indies ran! Sie beißen nicht und können euren literarischen Horizont erweitern. Gerade für den kleinen Geldbeutel bieten sich diese Autoren an, denn ihre Bücher gibt es meistens als eBook unter 5 € oder als günstige Printversion. Vielleicht solltet ihr einfach mal alle zwei Monate oder so anstatt einer Schachtel Zigaretten einem Indie die Chance geben!

Also Plage oder Potenzial?
Ich sage Potenzial, aber man sollte als Blogger mit einer Fliegenklatsche bewaffnet sein!

Eure Mendea


P.S.: Ach ja, ich bin übrigens auch ein Indie und natürlich gehöre ich zu den anstrengenden ;-)

Kommentare:

  1. Bisher hat das mit Kritik zwischen Geist-Mendea und 'her' books sehr gut geklappt (ich schreibe sehr gerne nicht nur Blog-technisch, sondern auch auf Indie-Ebene mit dir) :-)

    Aber mit der Fliegenklatsche hast du sowas von recht :-(

    Glg
    Steffi

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, ich glaube, wir können uns als positives Beispiel sehen. Ich weiß, dass du deine Kritik nicht böse meinst und nur helfen willst und umgekehrt. Und dann macht der Austausch ja auch wirklich Spaß <3

      Löschen
    2. Genau :-)
      Und wie du bereits bei deinen Anmerkungen zu mir gesagt hast, sind diese immer 'persönliche Meinungen' und niemals für alle gültig..,
      Wer dieses Rezept finden würde, wäre von heute auf morgen reich <3

      Löschen
    3. Wir sollten damit in die Forschung gehen! ^^

      Löschen
    4. Und dann schreiben wir gemeinsam ein Buch darüber >.<

      Löschen
  2. Schöner Beitrag. Sehe ich genauso. Sich einfach mal trauen, auf neues Teretorium zu treten. Es gibt Bücher, bei denen denke ich bis heute: "Warum, um Himmels Willen, wurde das von einem "richtigen" Verlag veröffentlicht, während wirklich gut geschriebene Bücher nur so dahintümpeln. Und: auch wenn man für ein Lektorat bezahlt hat, bedeutet das nicht, dass das Buch frei von Fehlern ist! Das perfekt lektorierte Buch muss erst noch erscheinen!!! Viele vergessen das und hauen Sprüche raus, wie: "Wer sich kein Lektorat leisten kann, sollte das Veröffentlichen gleich bleiben lassen!" So eine Einstellung verstehe ich nicht! Die Leute, die schreiben, haben einen Traum, und es ist schön, dass es Plattformen gibt, die die Erfüllung dieses Traumes ein Stück weit ermöglichen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Seien wir doch mal ehrlich. Ein falsches Komma auf 100 Seiten stört keinen. Das kann mal passieren und passiert auch großen Verlagen. Sind halt auch alle nur Menschen. Aber eine Tendenz zur Rechtschreibung sollte schon da sein ;-)

      Löschen
    2. "Tendenz zur Rechtschreibung" finde ich gut ;) - Wenigstens DAS!

      Löschen
    3. An Anonym: Da hast du vollkommen Recht. Ein Lektorat ist zudem ziemlich teuer. Kommt ja darauf an, wieviel Text man hat. Autoren/innen, die wenig Geld haben, müssen nunmal ohne Lektorat hochladen. Ist nicht gesagt, dass der Inhalt deshalb schlecht sein muss,oder weniger Fehler beinhaltet. Ich lese mir meine Geschichten und Gedichte sehr oft durch. Solange, bis ich zufrieden mit meinem Geschriebenen bin. Der ein oder andere Satz wird nocheinmal umgestellt und gut ist. Der Leser entscheidet letztendlich, ob ihm das Werk gefällt, oder nicht. Es wird ihn nicht interessieren, ob es lektoriert wurde oder nicht.

      Löschen
  3. Schöner Beitrag. Ich überlege schon lange selbst zu veröffentlichen, muss aber sagen, dass der mitunter auch schlechte Ruf der Indies mich abhält.Nicht nur, aber diejenigen, die sich nicht informieren, wie man sich vermarkten kann und dan rumzicken tragen ihren Teil dazu bei. Dabei kann man es als Indie in die Verlage schaffen. Guckt euch Carina Bartsch an oder Nele Neuhaus. Diese Beispiele motivieren mich dann auch wieder. Ich geh dann mal jetzt wieder überarbeiten... 😊

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Nicht den Mut aufgeben und erst recht nicht von den negativen Beispielen verschrecken lassen. Ich bin ganz froh selbst Indie zu sein und ich kenne sehr viele nette und gute Indies. Wir können dann mal zeigen, dass es auch anders geht :)

      Löschen
  4. Ich sehe eigentlich auch Potenzial unter den Indies, aber einige hauen ihre "Werke" eben auch raus wie am Fließband. Da liest sich dann schon die Leseprobe als wäre sie nicht einmal Korrektur gelesen worden. Niemand braucht ein professionelles Lektorat, wenn er es selbst und/oder mit Unterstützung von freiwilligen gut hinbekommt. Aber wer meint, er hatte die Idee des Jahrhunderts und das dann in eine sprachliche Zumutung verpackt - ja, das ist für mich kein Autor...aber das Selfpublishing ermöglicht es halt auch denen, ihre tollen Ideen in Bücher zu verwandeln.

    Als Blogger bin ich eher skeptisch, was die Kritikfähigkeit betrifft. Selbst begründete Kritik wird dargestellt, als habe man gesagt "Das Buch ist scheiße" - was weder wörtlich der Wahrheit noch der allgemeinen Einschätzung entspricht.

    Aber so wird leider auch mit Kritik umgegangen - und ach ja, an einigen Kritikpunkten ist natürlich nicht das Buch Schuld, sondern der Charakter des Kritikers. Wenn ich als Blogger mich bemühe, begründete Kritken abzugeben und mich im Gegenzug dann unsachlich zusammenfassen lassen muss, mich beleidigen lassen muss und mir Worte in den Mund legen lassen muss - öffentlich - die nie gesagt wurden, dann habe ich auch genug. Das verhagelt mir zugegebenermaßen den direkten Kontakt zum Autor und ich gehe fast schon lieber den Weg über den Verlag. Obwohl das doch wirklich schade ist.

    Trotzdem möchte ich mich nicht abschrecken lassen und immer mal wieder selbstverlegende Autoren oder auch Autoren kleiner Verlage, wo das Marketing fehlt, testen. Solange die Negativerfahrungen die positiven nicht überholen, wird das auch so bleiben, wenn auch nicht allzu häufig.

    Schöner Artikel.

    LG

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke Sarah!
      Und es ist richtig so, dass du den Indies weiter eine Chance gibst. Unter ihnen sind wirklich tolle Autoren und nette Menschen, die sogar mit Kritik umgehen können. Ich drück dir die Daumen, dass du ganz viele Perlen findest :)

      Löschen
  5. Oh, gerade erst gesehen. Freut mich, dass ich hier als "Positivbeispiel" genannt werde - man gibt sich Mühe und versucht, sich stets an die gute Kinderstube zu erinnern! ;)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Man muss ja auch mal die guten Indies loben ;)
      Wäre wirklich viel angenehmer, wenn jeder (Autor und Blogger!) sich erinnern würde.

      Löschen
  6. Ein schöner Beitrag und auch mir ins Fred Ink schon sehr positiv aufgefallen ;)

    Aber leider sind aber auch viele der Meinung schreiben zu müssen wo man denkt "lass es lieber". Das schöne ist das man meist ja eine Leseprobe hat anhand der man die Spreu vom Weizen trennen kann. Was Quindie anbelangt weiß ich noch nicht was ich davon halten soll. Denn wie objektiv die sind weiß ich nicht. Und wie genau sie beurteilen wer das Q bekommt und wer nicht, ich verlasse mich persönlich lieber weiterhin auf meine eigene Spürnase.

    Unterm Strich kann ich aber auch nur empfehlen auch mal außerhalb der Verlage zu schauen was es gibt, es gibt so viele, so tolle Perlen die man gelesen haben muss.

    AntwortenLöschen