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Mittwoch, 6. März 2013

Geisterstundeninterview - 12 Fragen an Grit Richter

Fotografin: Sarah Smith
http://www.sarahsmith.de/





Wir haben wieder zum Gespräch gebeten. Doch heute ist es kein Schreiberling, der sich unseren Fragen stellen muss, sondern eine weitere wichtige Figur, wenn es um Buchveröffentlichungen geht. Rede und Antwort steht uns heute Grit Richter, Verlegerin vom Art Skript Phantastik Verlag. Ein kleines, aber feines Unternehmen, das man mal im Auge behalten sollte.








1.) Liebe Grit, stell dich und deine Arbeit doch einfach mal vor.
Hallo, mein Name ist Grit Richter und ich habe am 01.01.2012 den Art Skript Phantastik Verlag für düstere Phantastik gegründet. Die Idee dahinter ist es, deutschen Autoren in der Welt der Phantastik einen Platz einzuräumen, spannende und neue Geschichten zu präsentieren und durch Anthologien auch jungen Autoren die Möglichkeit zu geben, sich zu präsentieren.
Seit der Gründung leite ich den Verlag praktisch als Ein-Frau-Unternehmen ^^
Ich befülle die Website, den Blog, die Facebook-Page, beantworte alle Fragen die per Mail kommen, schreibe mit Bloggern, lese alle Exposés und Manuskripte, gestalte die Cover und Innenseiten der Bücher, kommuniziere mit der Druckerei, den Autoren, den Illustratoren, den Fotografen und den Lektoraten … kurz, wann immer jemand mit dem Art Skript Phantastik Verlag Kontakt aufnimmt, dann kommt er bei mir raus ^^


2.) Art Skript Phantastik – ein Verlag, bei dem der Name Programm ist. Woher kommt die Begeisterung für Fantasy?
Hm, ich denke, das kommt aus meiner Kindheit. Ich mochte als Kind schon Märchen, besonders die grusligen wie „Von einem der auszog das Fürchten zu lernen“ (kennt das außer mir irgendwer? ^^). Ich habe sehr gerne die Hörspiele zu „Die unendliche Geschichte“ gehört und später sehr viele Mangas im Bereich Fantasy gelesen. Fantasy-Filme wie „Prinzessin Fantaghiro“ und später natürlich auch Bücher wie „Interview mit einem Vampir“ taten ihr übriges dazu.
Man könnte also sagen, dass ich schon lange mit der Fantasy verbandelt bin und mich in ihren Welten zuhause fühle. Für mich stand sofort fest, dass mein Verlag sich der Phantastik widmen wird, etwas anders kam nie infrage.


3.) Was ist das Besondere an deinem Verlag?
Zum einen habe ich mich auf die dunkle Seite der Phantastik spezialisiert, Hobbits, Drachen und Trolle wird man bei nicht finden. Mein Verlag ist das Heim der Vampire, Dämonen, Werwesen und Geister – wobei es bei mir mehr um düstere Geschichten geht, als um romantische Liebesbeziehungen – aber die Liebe kommt nicht zu kurz.
Zum anderen ist mein Verlag eine Plattform für deutschsprachige Autoren. Aus anderen Ländern (bevorzugt Amerika oder England) werden schon genug Geschichten von den großen Verlagen importiert. Meiner Meinung nach vollkommen grundlos, denn seit ich den Verlag gegründet habe, flattern immer wieder unglaublich geniale Manuskripte bei mir ein und ich fühle mich täglich in dem Wissen bestärkt, dass Deutschland noch immer das Land der Dichter und Denker ist! Was ich von manchen Autoren zu lesen bekomme, ist einfach nur bombastisch (und dieses Wort gebrauch ich im Jahr sicher nur zwei Mal) und gehört sofort verlegt. Ich werde mir also nie Sorgen machen müssen, dass mir die Manuskripte ausgehen.
Ansonsten ist die Art Skript Phantastik Familie ein kleiner aber feiner Haufen verrückter Geschichtenerzähler denen ich gerne mein Ohr leihe. Ich bin offen für Kritik und Vorschläge, biete meinen Autoren ordentliche Verträge an und sorge für Werbung wann und wo immer es mir möglich ist.


4.) Wie sieht ein „normaler“ Verlagstag bei dir aus?
Oh, das ist schwer zu sagen und kommt darauf an, ob das neue Programm gerade in der Mache ist.
Momentan stehe ich morgens gegen 7 Uhr auf, ziehe mich um und setzte mich vor mein Notebook um eMails zu checken, dann schaue ich auf Facebook, ob es neue Kommentare oder Nachrichten auf der Verlags-Page oder dem Blog gegeben hat und überprüfe, ob Bestellungen eingegangen sind.
Um 8.20 Uhr fahre ich auf Arbeit, denn wie die meisten meiner Autoren, kann ich von den Büchern, die ich verkaufe nicht leben und habe nebenher noch einen „Brotjob“, der meinen Lebensunterhalt sichert. Gegen 16 Uhr bin ich dann wieder daheim. In dieser Zeit lese ich die Kurzgeschichten (zumindest jetzt, da gerade zwei Ausschreibungen kurz vor ihrem Ende stehen) oder gestalte die Cover und Innenseiten der Bücher (wenn das neue Programm in Planung ist). Am Wochenende widme ich mich dann meist den Exposés und Manuskripten.


5.) Die Bücher des ASP Verlages sind derzeit als broschierte Ausgaben zu kaufen. Ich persönlich bin ein Freund des gedruckten Buches, habe mich aber gebeugt und mir einen eReader gekauft. Wie siehst du die Entwicklung im Büchermarkt?
Ich hatte gehofft – nachdem das eBook in der Vergangenheit schon drei oder vier Mal gescheitert war – dass es auch dieses Mal an mir vorübergeht, aber nun hat es wohl seinen Durchbruch. Ich selbst habe zwar ein iPad auf dem sich eBooks auch wunderbar lesen lassen (habe mir zur Probe „Dracula“ heruntergeladen ^^), aber ich sitze den ganzen Tag vor einem Bildschirm und genieße es daher sehr abends im Bett zu liegen und einfach nur ein Buch oder einen Manga zu lesen.
Ich verstehe, warum viele Leute vom eBook begeistert sind, aber es gibt auch Nachteile. Alles, was elektronisch erzeugt wurde, kann gehackt werden, so wurden schon eBooks als kostenlose Downloads angeboten, die eigentlich kostenpflichtig gewesen wären. Ein Verlust für Autor und Verlag.
Momentan habe ich das Gefühl, die Leser möchte ihre eBooks am liebsten für 99 Cent oder noch besser geschenkt bekommen. Ich persönlich kann nicht nachvollziehen, wie man bei einem eBook-Preis von 2,99 Euro noch Gewinn machen kann? Auch ein eBook benötigt ein Lektorat, einen Grafiker, der das Cover macht und die Plattform, auf der es angeboten wird, will sicherlich auch ihre Prozente haben.
Wie sich der Markt in Sachen eBooks in den kommenden Jahren entwickeln wird, kann ich nur schwer beurteilen. Das eBook ist sicherlich im Bereich der Sachbuch-Literatur sehr nützlich. Ob außer den Großverlagen jemand auf Dauer Gewinn mit 99 Cent Büchern macht bleibt abzuwarten.


6.) Was macht für dich ein gutes Manuskript aus?
Originalität und glaubhafte Figuren!
Es gibt kaum noch etwas Neues auf dem Buchmarkt, alles war schon mal da. Aber immer mal wieder schaffen es Autoren, eine altbekannte Geschichte neu zu interpretieren und ihnen gelingt es etwas Originelles zu erschaffen. Glaubhafte Figuren gehören dazu! Personen, deren Handlungen man nachvollziehen kann, die echt sind und kein Abklatsch irgendeines zurzeit aktuellen Schinkens aus Amerika.
Vor dem Manuskript steht jedoch das Exposé – eine Art Zusammenfassung des Manuskriptes – das dem Verlag hilft herauszufinden ob die Geschichte ins Verlagsprogramm passt oder nicht. Da es vielen Autoren, die gerade erst den ersten Schritt in die Literaturwelt getan haben, schwer fällt ein solches Exposé zu schreiben (manche schicken gleich das Manuskript ein, da sie gar nicht wissen, was es mit dem Exposé auf sich hat) habe ich einen Exposé-Bauplan zusammengestellt, der einen kleinen Wegweiser bilden soll.
Den Exposé-Bauplan gibt es auf der Website des Verlages zum downloaden
http://artskriptphantastik.de/wir-suchen/autoren/
Ebenso wichtig wie Exposé und Manuskript ist jedoch auch die Art und Weise wie ein Autor / eine Autorin mich anspricht. Ich möchte nicht mit Leuten zusammenarbeiten, die ich nicht leiden kann, auch wenn sie die besten Bücher der Welt schreiben. Wenn mir jemand schon in der ersten Mail vordiktiert, wie ich sein Buch zu gestalten habe, wer das Cover macht und das ich auf Filmrecht gleich mal verzichten kann, dann sagt mir mein Bauchgefühl „Isch glob des wird nischt!“ (ja, mein Bauchgefühl spricht Sächsisch ^^). Aber solche Schnitzer passieren eher selten, die meisten Autoren sind sehr nett.


7.) Bist du auf den Buchmessen (Leipzig / Frankfurt) vertreten?
Leider nicht. Die Stände auf den großen Buchmessen sind so teuer, dass kaum ein kleiner Verlag sie sich leisten kann. Aber ich bemühe mich bei kleineren Events dabei zu sein, wie letztes Jahr beim „1. Fechenheimer Literaturfestival“ (http://www.buchmarkt.de/content/51820-1-fechenheimer-literaturfestival.htm?hilite=literaturfestival). Dieses Jahr habe ich mich für das Buchmesse Convent in Dreieich (bei Frankfurt am Main) beworben und bin sehr gespannt darauf, ob ich mit meinem Verlagsprogramm dabei sein darf. Für den 24. August 2013 ist das 2. Fechenheimer Literaturfestival angekündigt und ich hoffe, dass ich meine Autoren dafür begeistern kann. 2012 waren vier Autorinnen dabei und es hat sehr viel Spaß gemacht sie alle kennen zu lernen.
Weitere Termine des Verlages kann man auf dem Blog unter dem Reiter „Termine“ finden (http://art-skript-phantastik.blogspot.de/p/termine.html)

8.) Bücherblogs schießen überall aus dem Boden. Wie stehst du zu den Bloggern im vergleich zu „professionellen“ Kritikern?
Nun, ich kenne keine „professionellen“ Kritiker persönlich, aber eines haben sie anscheinend alle gemeinsam, sie sehen die Fantasy als einen Zweig der Literatur an, der es nicht wert ist gelesen zu werden. Was irgendwie schwachsinnig ist, wie ein Restaurant-Kritiker, der keinen Fisch essen will. Da ich außerdem noch Verlegerin eines Klein-Verlages bin, wird sich kaum je ein großer Kritiker für meine Bücher interessieren.
Die Blogger sind die Super-Kritiker der Klein-Verlage! Natürlich gibt es unter ihnen auch unterschiede, es gibt Blogger, die sehr ausführlich über das gelesene Buch berichten und es gibt andere, die drei Sätze schreiben. Blogger machen ein Buch bekannt, lassen es zum Geheimtipp werden, empfehlen es ihren Freunden und Buchhändlern weiter. Sie sind die Guerilla-Schreiber für die kleinen Verlage und ich bin sehr dankbar, dass sich viele für die dunkle Phantastik interessieren, sowie offen und ehrlich ihre Meinung zu den Büchern meines Verlages geben. – Vielen Dank an all die Blogger da draußen und natürlich ganz besonders an die Ghostreader ^^


9.) Nenn uns doch mal 3 Bücher, die man deiner Meinung nach gelesen haben sollte und warum?
Gelten „Alle Bücher meines Verlages“ als eins? – Nein, Scherz ^^
Auf jeden Fall sollte man Goethes „Faust“ gelesen haben, ich liebe es, aber ich musste es in der Schule auch nicht zwangslesen. Es ist voller Elemente der dunklen Phantastik, sehr spannend und teilweise einfach nur super komisch.
Die Harry Potter Reihe – in dem Fall muss man sie als ein großes Gewebe sehen! Die Figuren und Handlungsstränge sind auf so fantastische Weise miteinander verwoben, dass sich davon jeder Autor etwas abschauen kann – egal ob er Fantasy mag oder nicht – denn es geht nicht darum, über was geschrieben wird, sondern „wie“. Die Harry Potter Bücher haben alles, was ein Buch lesenswert macht: Spannung, etwas Liebe, Überraschungen, Tod, Tränen, Tragik, Freundschaft, …
Als drittes Buch empfehle ich „Dracula“ von Bram Stoker und dazu gibt es ein bisschen Hintergrundwissen. Damals – 1897 als das Buch erschien – war erotische Literatur verpönt und die Autoren suchten nach einem Weg Erotik in Bücher zu bringen, so dass jeder sie kaufen konnte. Das gelang ihnen, indem sie den Biss des Vampires als Versinnbildlichung von Sex verwendeten. Einige Autoren hatten sich dem Thema Vampire schon sehr erfolgreich angekommen (Goethe, Polidori, Sheridan Le Fanu – letzter hat sogar ein lesbische Liebesgeschichte in seinem Roman „Carmilla“ verewigt) doch Stoker prägte mit seinem Dracula das Bild des aristokratischen Vampirs, der unerkannt unter den Menschen wandelt. Für heutige Verhältnisse mag der Roman auf manche Leser langweilig wirken, ein Muss ist er trotzdem für jeden, der sich mit Vampiren beschäftigt und über sie schreiben möchte.


10) Was machst du, wenn du dich nicht mit Büchern beschäftigst?
Im Koma liegen … ^^ Nein, Scherz.
Ich bin Cineastin, gehe also gerne und viel ins Kino und schaue DVDs. Treffe mich mit Freunden, Fotografiere sehr gerne, liebe Musical-Besuche und lese Mangas und Comics. Aber den Büchern ordnet sich sehr viel unter, nichts steht über den Büchern, sie stehen immer an erster Stelle!


11.) Auf was können wir uns 2013 im ASP Verlag freuen?
Auf drei neue, spannende Bücher, die Euch in die Welt der dunklen Phantastik entführen. Zum einen suche ich noch bis Ende Februar Kurzgeschichten für die geplanten Anthologien „Masken“ (http://art-skript-phantastik.blogspot.de/p/anthologie-masken.html) und „Steampunk 1851“ (http://art-skript-phantastik.blogspot.de/p/anthologie-steampunk-1851.html) zum anderen wird der Debüt-Roman „Vor meiner Ewigkeit“ von Alessandra Reß erscheinen, in dem es den Studenten Simon geht, der plötzlich in einer fremden Welt voller lebendiger Farben erwacht und weder weiß, wer er ist, noch wo er herkommt, bis ihm das Geistermädchen Amy begegnet.


12.) Berühmte letzte Worte? Was möchtest du am Ende noch los werden?
Ich möchte meine letzten Worte an all die Schreiberinnen und Schreiber da draußen wenden und ihnen sagen: Bitte schreibt!!!
Die Welt ist voller Ideen, schreibt was Euch gefällt, nicht, was gerade IN ist! Sucht Euch Inspirationen abseits vom Mainstream, weg von allem, was es bereits schon über die Maße auf dem Buchmarkt gibt! Ich suche nach neuen, spannenden Geschichten und ich weiß Ihr habt sie – also her damit!

Mein Dank geht an Grit Richter für dieses tolle Interview!

Mendea

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