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Dienstag, 5. März 2013

Buch - "Wien, Stadt der Vampire" von Fay Winter


Titel: Wien, Stadt der Vampire – New-Steampunk-Age 1
Autor: Fay Winterberg
Genre: Urban Fantasy
Verlag: art skript phantastik
Seiten: 120
Preis: 8,70 (broschiert)










Klappentext:
Ich bin ein Teil von beiden Welten, und doch gehöre ich zu keiner dazu.

2090 – Das Jahr, in dem der Krieg ausbrach. Die verborgene Welt der Vampire offenbart sich der Menschheit und führte auch einen Großteil anderer übersinnlicher Wesen mit ans Licht der Öffentlichkeit. Erst nach Jahren des Krieges gelang es den Nachtwesen, eine Co-Existenz mit den Menschen aufzubauen.

Die Halb-Vampirin Lilith Avant-Garde arbeitet als Archäologin, spezialisiert auf übersinnliche Artefakte, und ist Verbindungsglied zwischen Menschen und Vampiren im Europa des Jahres 2207, einer Zeit, die als New-Steampunk-Age betitelt wird. Ihre Aufgabe führt die 26-Jährige nach Wien, denn die Stadt der Vampire hat nicht nur ein neues Oberhaupt, sondern auch ein Problem mit illegalen Werwolf-Fights.

Band 1 der New-Steampunk-Age-Reihe von Fray Winterberg legt die Weichen in eine fantasievoll gestaltete Zukunft, deren Frieden jedoch sehr fragil ist.

Meine Meinung (nahezu ohne Spoiler):
Bei diesem Buch bin ich sehr zwiegespalten.
Auf der einen Seite ist vieles, was ich zu bemängeln habe, reine Geschmackssache und wurde von anderen sogar gelobt, auf der anderen Seite gefällt es mir persönlich in einigen Punkten einfach nicht so gut.


Als erstes fällt die Betitelung, „Band 1 der New-Steampunk-Age-Reihe“, sowie das auf Steampunk-gemachte Cover des Buches (mit Zahnrädchen und Krams – sehr hübsch) und auch das Bild mit der steampunkig gekleideten Hauptprotagonistin auf – aber das Buch ist Urban Fantasy.
Nur zufällig hab ich mal einen Eintrag auf der Webseite der Autorin Fay Winterberg gelesen und dadurch erfahren, dass es sich um Urban Fantasy handeln soll, trotz der offensichtlichen Steampunk-Aufmachung und sogar -Namensgebung. Im Buch selbst kommt durchaus auch Steampunk vor – Luftschiffe statt Flugzeuge, Züge statt Autos und auch die Mode – aber viel zu wenig wird beschrieben, um es wirklich als Steampunk durchgehen zu lassen.
In meinen Augen ist das ein großes Manko. Wenn ich mit so was gelockt werde, möchte ich nun mal auch Steampunk bekommen. Auf der anderen Seite kann man nachvollziehbar argumentieren, dass es als Einführung in den Steampunk für Leute, die sich nicht damit auskennen, durchaus brauchbar ist, denn es kommt halt schon ein wenig davon drin vor, aber eben nicht abschreckend viel. Aber vielleicht hätte ich die Namensgebung und Covergestaltung dann ein wenig überdacht.

Neben der leicht steampunkartig angehauchten Welt ist das zweite phantastische Thema die Welt der Vampire: Sie haben sich mit anderen Schattenwesen der Öffentlichkeit präsentiert und daraufhin einen Krieg losgetreten, bis ein fragiler Friede herbeigeführt wurde...
Hier frag ich mich direkt: Wieso ist die Welt nach dem verheerenden Krieg nicht einfach in eine viktorianisch anmutende Epoche zurückgefallen, da soviel Verwüstung und Zerstörung geherrscht hat oder Ähnliches? Stattdessen begründet die Autorin ihren Steampunk durch Umweltbewusstsein und dem friedvollen, einsichtigen Nachhaltigkeitsgedanken der Menschheit, was mir irgendwie nicht besonders logisch vorkam. Sei's drum.

Vampire – bzw. naja, das moderne Vampirbild: stark, attraktiv, umgänglich, etc. - die also mittlerweile mit den Menschen Frieden geschlossen haben, leben in einer Art Hierarchie, sodass der sogenannte Prinz einer Region diese kontrolliert, um Verbrechen von Vampiren zu verhindern, denn der Prinz ist zugleich der mächtigste Vampir der Region. An sich ein sehr schönes Konzept, verbunden mit dem Steampunk nochmal interessanter. Politische Interessen spielen also eine Rolle, aber kommen leider nicht so in Fahrt, wie ich es mir gewünscht hätte.

Stattdessen konzentriert sich die Autorin auf – ja, auf was? Auf eine Art Liebesgeschichte, die aber – gleichsam den politischen Machtspielen – nie so richtig in Fahrt kommt. Ich hatte mich des Öfteren gefragt, wo die Geschichte überhaupt mit mir hin will, was das Ziel ist, wie man hier einen Höhepunkt erzielen kann – ohne richtige Liebesgeschichte, ohne politische Intrigen oder sonstige Konflikte?
Letztlich gelingt dieser Höhepunkt (ein wenig aufgesetzt) und wird zum besten Teil der Geschichte. Er ist spannend, schnell und detailreich und in meinen Augen auch der kreativste Part des Plots.
Auch hier bin ich also hin- und hergerissen: Einerseits plätschert die Geschichte 80 Seiten lang so vor sich hin – keine großartige Spannung, keine Konflikte, keine wirklichen Probleme sogar – um dann am Schluss sogar noch Schlag auf Schlag schöne spannende Elemente einzubringen und von einem trägen Lesefluss zu einer recht flotten Sprache zu wechseln.

Man muss dazu sagen, dass das Buch das Erstlingswerk der Autorin ist und die Story auf mehrere Teile ausgelegt ist. Das merkt man ganz deutlich! Zahlreiche Infos sind überhaupt nicht wichtig, wie z.B. die archäologische Ausbildung der Heldin, der Krieg zwischen Menschen und Vampiren etc. Die Geschichte findet im Buch schon einen vorläufigen Abschluss, aber ich persönlich fand es dennoch unbefriedigend, denn der gesamte erste Band stellt nicht mehr als eine Einleitung für Probleme und Story späterer Bände dar. Das ist derzeit – gerade im Fantasybereich – leider schon üblich geworden, aber ich möchte nun mal vom ersten Buch an von einer Geschichte begeistert werden, denn wenn das schon nicht gelingt, wozu die übrigen Bände lesen?

Bei den Charakteren dasselbe Spiel wie bei fast allem. Mit der Hauptprotagonistin und dem männlichen Helden konnte ich wenig anfangen. Sie hatten sympathische, gute Seiten, aber wirkten oft auch fadenscheinig, sprunghaft. Ich konnte viele ihrer Handlungen nicht nachvollziehen und ihre Emotionen, weil so sprunghaft, selten teilen.
Ich habe auch von Lesern gehört, die das Handeln der Helden nachvollziehen konnten, also bin ich da vielleicht auch nur zu stumpf. Mich zumindest hat das ziemlich abgeschreckt und überhaupt nicht überzeugt.
Nebencharaktere dagegen fand ich wiederum sehr schön gezeichnet. Sie hatten alle eine Hintergrundgeschichte und das merkte man auch.

Stilistisch gibt es ebenfalls zahlreiche Pros und Cons: liest sich leicht, aber kommt nur träge voran. Beschreibungen fehlten mir und wenn, dann hat man sie nur verstanden, wenn man die Mode im Wandel der Zeitalter auswendig kennt. Teilweise Formulierungsschwierigkeiten, sehr viele Rechtschreibfehler, aber eben auch nicht so, dass man es als „schlecht“ bezeichnen könnte – nur eben auch nicht als „super gut“.

Was ich – vielleicht auch nur ich persönlich – als eindeutigen Pluspunkt verbuchen möchte, ist, dass es in Deutschland – Dresden – bzw. in Wien spielt und diese Städte auch schön wiedergibt. Alle Vampirromane, selbst die aus dem deutschsprachigen Raum, spielen üblicherweise unkreativ in den USA. Hier endlich mal ein Gegenstück.

Fazit:
Wie man vielleicht merkt, habe ich mich mit dieser Rezension wirklich schwer getan. Es gibt vieles, das mich an diesem Buch abschreckt... Aber es gibt auch einiges, was sehr schön ist, vor allem das Finale, und wovon ich mir im ganzen Buch einfach deutlich mehr gewünscht hätte. Oft hatte ich auch das Gefühl, dass es einfach an mir persönlich liegt, dass mich das Buch nicht überzeugen konnte, denn es gibt auch zahlreiche Gegenstimmen. Da ich aber nun mal auch nur meine Meinung wiedergeben kann, gibt’s von mir 2,5 von 5 Punkten, weil das die Hälfte von 5 ist und es ungefähr gleich viele positive wie negative Sachen gab.



Hier die Videorezension:


Kommentare:

  1. Ave,
    das ist natürlich nachvollziehbar, dass man ein wenig enttäuscht ist, wenn man mit der vollen Ladung SteamPunk rechnet und diese dann nicht bekommt.
    Insgesamt finde ich deine Rezension sehr schön, weil sie ausführlich ist und deine zwiegespaltene Meinung verständlich widerspiegelt. Jetzt habe ich bloß das Problem, dass ich nicht weiß, ob ich das Buch lesen möchte oder nicht. ^^'

    Mit freundlichen Grüßen,
    Seitenfetzer

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    1. Hey!
      Das kann ich dir natürlich nicht sagen :D
      Aber im Zweifelsfall würde ich dir zu einem anderen Steampunk-Buch raten, zum Beispiel "Affinty Bridge". Das fand ich zwar auch nicht vollkommen überzeugend, aber grundsätzlich positiver. Im Hinblick auf eine vielversprechende Reihe würde ich jedenfalls deutlich eher zu "Affinty Bridge" als zu "Wien" tendieren ;)
      Hier die Rezension: http://projekt-ghostreader.blogspot.de/2014/02/buch-affinity-bridge-von-george-mann.html
      Viele Grüße,
      Buchbändiger

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