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Montag, 11. März 2013

Buch - "MondSilberLicht" von Marah Woolf

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Titel: MondSilberLicht
Autorin: Marah Woolf
Genre: Fantasy, Romance, Mystik 

Verlag: Selbstverlag / KDP Amazon
Seiten: 300
Preis: 2,99€ eBook / 9,50€ Taschenbuch





Kurzbeschreibung:

"Schon als ich dich das erste Mal sah, hatte ich das Gefühl, dass du gar nicht gut für mich bist."

Keiner ihrer Albträume hätte Emma auf die drastische Veränderung in ihrem Leben vorbereiten können. Aber nach dem plötzlichen Tod ihrer Mutter ist sie gezwungen, in die verschlafene Hauptstadt der Isle of Skye, nach Portree, zu ihrem Onkel und dessen Familie zu ziehen.

Das Letzte, mit dem sie rechnet ist, dass sie hier ihre große Liebe finden wird. Vom ersten Augenblick an verfällt sie Calums geheimnisvoller Ausstrahlung. Er zieht sie unwiderstehlich in seinen Bann, woran auch sein allzu offensichtliches Desinteresse nur wenig ändert. Sein widersprüchliches Verhalten macht ihn für sie nur interessanter. Aber diese Fassade beginnt zu bröckeln...und irgendwann gibt auch er den Widerstand gegen seine eigenen Gefühle auf.

Als er ihr eines Tages seine wahre Identität verrät, flieht sie vor ihm. Doch es ist zu spät, längst ist sie ihm bedingungslos verfallen...
Quelle: Amazon

Vampirfrei aber blutleer


Das Buch beginnt mit dem Tod der Mutter der 17jährigen Emma, die daraufhin zu Verwandten nach Schottland geschickt wird und dort alsbald den so gut aussehenden wie geheimnisvollen Calum kennenlernt. Der Kerl übt auf das universell hochbegabte Mädchen aufgrund seines scheinbar widersprüchlichen Verhaltens große Faszination aus, der Emma schließlich auch erliegt – und zwar ungeachtet des Geheimnisses, dass Calum umgibt.

Wer an dieser Stelle schon gähnt, weil er ein weiter verBISSen schnell heruntergeschludertes Buch vermutet, wird sich vermutlich auch von der besten Rezension nicht umstimmen lassen. Wer romantische Mystery-Geschichten mag und gerne über unsterbliche Liebe liest, lässt sich von dem Plot nicht abschrecken und das ist ja auch in Ordnung so. Für all jene schreibe ich diese Rezension:
Hochgelobt und von einem Self Publisher - das gehört unterstützt. Die Geschichte folgt bekannten Motiven und verbindet diese von der Grundidee her sehr hübsch mit der keltischen Sagenwelt, die sich ihrerseits ja auch größte Beliebtheit erfreut. Als Freund solcher Sagen habe ich dieses Buch ausgeliehen und in der Erwartung leichter U-Bahn-Lektüre gelesen.

Weit gefehlt, denn das Buch verlangt vom Leser so Einiges.
Sprachlich hat mich das Buch in Sachen Duldsamkeit gefordert. Die kindlich naive Ausdrucksweise eines pubertierenden Schulmädchens empfand ich persönlich als anstrengend. Die schlichten Sätze, die stereotypen Formulierungen mindern das Lesevergnügen, weil zumindest von sprachlicher Seite keine „Lesemagie“ aufkam. Die Bild schreibt einfallsreicher.

Abzug gibt es für das verschenkte Potenzial. Wenn ein Teenager die Mutter verliert, geht das nicht bis auf die neue Adresse spurlos an ihm vorüber. Hier hätte die Gelegenheit bestanden, Emma in der Tiefe, in ihren Gedanken und nicht nur über ihre Äußerlichkeiten, die allesamt „toll“ sind, zu definieren. Als Leser möchte ich mir nicht sagen lassen, ob eine Figur nett ist oder nicht. Das will ich selbst herausfinden. Für mich. Und das ist mir nicht gelungen. Zu farblos, zu oberflächlich, zu aufgesetzt die ganze Schilderung der Protagonistin. Sie zieht aus den USA nach Schottland, kein Problem. Sie kommt zu Verwandten und deren Kindern und fühlt sich sofort wie zu Hause und wird von allen begeistert aufgenommen. Auch in der Schule hat man nur auf sie gewartet und der Lehrplan ist für Emma auch kein Thema. Hmmm.
Auch als Emma dort ihren Helden trifft, wird es nicht besser. Dass der am Anfang keine Tiefe zeigt, mag daran liegen, dass er sich zunächst nur in mystischen – nun doch arg an Frau Meyers Diktion erinnernden – Andeutungen ergeht.
Generell bleibt die Charakterentwicklung der Figuren enttäuschend. Die Nebenfiguren sind so einfalllos wie schablonenhaft aufgebaut. Zwar hat schon irgendwie jede Figur „ihre“ Eigenschaft, aber die ist gefühlt von draußen draufgestempelt, weil man das halt so macht. Das hat etwas von Checkliste und das Gefühl bleibt einem beim Weiterlesen treu.
Bei der Protagonistin hingegen verfällt die Autorin dem beliebten Fehler der satirisch überhöhten Darstellung – nur leider ohne Satire. Schade auch, dass der Leser an der Gedankenwelt der Protagonistin nicht teilhaben kann, denn von ihr könnte er vermutlich lernen. Emma ist künstlerisch hochbegabt, sie ist sportlich, gebildet und belesen, eine gute Schülerin und allzeit beliebt. Früher hatte man den Anstand, solche Überhelden sterben zu lassen. Achilles, Siegfried, Jeanne d’Arc. Heute schielt man auf Fortsetzungen und liebäugelt mit der Unsterblichkeit. Konsequent daher auch die rührende Bestrebung aller, Emma glücklich zu machen. Als ich dann auch noch erfahren habe, dass Emma ihren leiblichen Vater nicht kennt, ahnt der ploterfahrene Leser Ungemach – zu Recht. Die Figuren verhalten sich gerade in den Kleinigkeiten, in den Dialogen meist klischeeüberladen und in den wenigen Ausnahmen widersprüchlich. Wenn man dann überlegt, warum die Figur jetzt dies oder das tut/macht… dann gibt es keine andere Antwort als die, dass es der Plot erfordert. Und dafür spätestens gibt es massive Abzüge.

Fazit: 

Die Story ist ungeachtet ihrer Exkursionen in die keltische Mythologie im Ergebnis absolut vorhersehbar. Die „Überraschungen“ ändern nichts am Gefühl, das alles schon mal gelesen zu haben (und zwar besser). Das Potential, das die Figuren durchaus hätten, wird durch die schlicht dilettantische Charakterausarbeitung verschenkt und die Chance, das Buch mit der bewährten Schilderung der literarisch reizvollen schottischen Landschaft aufzuwerten, scheitert an der Sprache, die als Handwerkszeug eines Buchs objektiv messbar und einfach nicht gut ist.

Ich habe das Buch erleichtert weggelegt, als es aus war und stelle für mich persönlich fest, dass ich lieber selbst nach Schottland reise als Woolf auf weitere Exkursionen zu folgen.


Daher nur 2 Skulls 
Christine Elinor

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