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Samstag, 16. März 2013

Buch - "Mein fahler Freund" von Isaac Marion

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Titel: Mein fahler Freund
Autor: Isaac Marion
Genre: Zombie-Romantasy
Verlag: Klett-Cotta (im Deutschen)
Seiten: 298




Kurzzusammenfassung:
R ist ein Zombie. Es ist ihm peinlich, dass er sich nur an den ersten Buchstaben seines Namens erinnern kann. Wie die anderen Zombies verbringt R seine Zeit mit Herumstehen und Stöhnen. Was die Wenigsten wissen: Tot sein ist leicht.
Bei einem der Raubzüge in der Stadt trifft R auf Julie. Dummerweise hat er gerade das Hirn ihres Freundes gegessen. R weiß nicht warum, aber er verliebt sich unsterblich in Julie - ausgerechnet in ein lebendes menschliches Wesen.
»Mein fahler Freund« erzählt die Geschichte des bestaussehenden und charmantesten Zombies aller Zeiten.


Quelle: Verlagsseite

Endlich Braaaaiiin!


Nachdem Vampire allmählich in weiten Kreisen allergische Reaktionen auslösen und auch Werwölfe an Charme verlieren, sind jetzt Zombies dran. Ok, reiten wir die Welle gnadenlos weiter, denkt sich der skeptische Leser.

Vorab: Ich habe das Buch auf Englisch gelesen, dort war die Sprache passend, schnörkellos und geradlinig. Die deutsche Übersetzung kenne ich nicht, doch wer "Warm Bodies", einen wunderbar doppeldeutigen und hintergründigen Titel, mit "mein fahler Freund" übersetzt und so dieses Buch auf die gefühlte 1.000ste Romantasy-Story reduziert, fordert Skepsis geradezu heraus.

Marion holt den Leser in seinem Debut genau dort ab, wo sich der Großteil auch befindet. Brain and Blood, so wie wir uns nach Carpenter und Walking Deads alle Zombies vorstellen. Tumbe, brutale, nimmersatte Fressmaschinen.
Und das macht er durchaus plakativ, sodass zartbesaitete Gemüter vermutlich schon auch mal schlucken dürften. Aber so sind Zombies eben, die wollen nicht nur spielen.

Doch dann ist es halt doch nicht so, wie man vermutet hat, denn die Geschichte dreht.
R", ein juveniler Zombie, der sich gerade noch an den Anfangsbuchstaben seines Namens erinnert, rettet eine junge Frau namens Julie vor seinen Artgenossen. Er weiß nicht so recht, was er mit diesem neuen, den Hunger überwindenden Gefühl anfangen soll, dass sich da in seinem untoten Leib regt, aber er lässt sich darauf ein. Tatsächlich empfindet er so viel für Julie, weil er kurz zuvor ihren Freund Perry gefressen hat und mit seinem Gehirn irgendwie auch seine Erinnerungen aufgenommen hat. Doch davon ahnt Julie nichts.

Das ist jetzt der Start einer Romeo-und-Julia-Romanze in neuem Setting. Und allein das kann man gewiss gut lesen. Im Gegensatz zu vielen anderen Genre-Büchern hat man hier mal einen definitiv nicht edlen Helden, sondern einen, der sich gerade mal auf Kleinkindniveau mit seiner Holden oder seinen wenigen Freunden unterhalten kann. Das allein liest sich so skurril, so cool und manchmal anrührend, dass man das Buch mögen muss.

Der Wechsel zwischen Rs echtem Ich" und dem von Perry ist witzig, konsequent und auch für den Leser eine Herausforderung, weil beide Passagen in der Ich-Form geschrieben sind und sich im Laufe des Buches die Sichtweisen annhähern. Jekyll und Hide mal ganz anders.

Dass die Wandlung zum besseren Menschen auch einem Zombie gelingen kann, ist so unaufdringlich geschrieben, das Plädoyer für die Macht der Liebe so unterhaltsam, dass es wirklich ein Spaß ist, mitzulesen. Das philosophische Konzept, die Andeutung, dass wir uns selbst durch Gier, Neid und Egoismus zu Zombies machen, ist klug umgesetzt und ohne moralische Keule untergebracht, sodass man sich willig mit den Zombies identifiziert und auch die Kollegen im Büro plötzlich zombiehafter wahrnimmt (was zu vergnüglichen Erkenntnissen führt, deretwegen ich persönlich jedem das Experiment ans Herz legen will).

Wer nun aber ein Buch sucht, bei dem man quasi in die Haut der Protagonisten schlüpfen kann, um sich mit ihnen vollständig identifizieren - der wird enttäuscht sein. Eine gewisse Distanz konnte ich nicht überwinden, so interessant die Geschichte auch zu lesen war.

Was ich vermisst habe, war die Spannung. Zu offensichtlich ist, wie es ausgeht, auch wenn man noch nicht genau weiß, wie. Und auf dem Weg dorthin gab es wenige Wendungen, die mich überrascht hätten. Das Ende speziell ist so geschrieben, wie man es verfilmen will, was schade ist, weil damit die feinen Töne untergehen, die mich bis weit über die Hälfte des Buchs zwischen den Splatterpassagen doch immer wieder angesprochen haben.

Damit verschenkt Marion die Chance, nicht nur ein gutes, sondern ein außergewöhnliches Buch geschrieben zu haben.

4 von 5 Skulls 


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