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Samstag, 2. März 2013

Buch - "Kleine Vogelkunde Ost-Afrikas" von Nicholas Drayson




Lieblingszitat: „Eine Krankheit diskriminiert nicht.“


Titel: kleine Vogelkunde Ost-Afrikas
Autor: Nicholas Drayson
Genre: Romantik
Verlag: rororo
Seiten: 288
Preis: 8,95 €






Klappentext:

Mr. Malik ist ein warmherziger, schüchterner Mann mit einem großen Geheimnis: Er ist bis über beide Ohren verliebt in Rose, die Leiterin der örtlichen Gruppe von Vogelbeobachtern. Während er noch überlegt, wie er die Dame seines Herzens als Begleiterin zum jährlichen Nairobi Hunt Ball gewinnen kann, trifft der charmante Draufgänger Harry Kahn in der Stadt ein. Auch er hat bald ein Auge auf Rose geworfen und möchte sie ebenfalls zum Ball einladen. Da schreiten die Gentlemen aus Mr. Maliks Club ein und schlagen den beiden Rivalen eine Wette vor …


Rezension:
Ein absoluter Schmunzel-Roman und so ganz anders, als ich erwartete.

Zunächst einmal spielt die Geschichte wirklich in Afrika bzw. in Nairobi. Es ist zwar im Klappentext von einem „Nairobi Hunt Ball“ die Rede, aber irgendwie war mir nicht bewusst, dass sich alles in dieser Stadt abspielen wird.
Die nächste unerwartete Erkenntnis folgte, denn Mr. Malik, sowie auch Rose und Harry Kahn, sind alle schon weit jenseits der Vierzig. Tja, nichts da mit klassischem Liebesroman.

Aber worum geht’s denn nun wirklich? Mr. Malik ist ein kleiner, runder, kahlköpfiger Inder, welcher seit Jahren jeden Dienstag an einer Vogelwanderung teilnimmt. Dabei schmachtet er Rose Mbikwa, eine eingewanderte Schottin, aus der Ferne an. Dies wird jedoch je unterbrochen durch das Auftauchen eines alten Schulkameraden, Harry Kahn. Der sogleich gewisse Avancen hinsichtlich Rose einleitet.
Was macht also ein betrübter Mr. Malik? Er geht in seinen Club und sucht Ablenkung in den Gesprächen seiner Freunde. Diese wird jedoch gestört durch das plötzliche Auftauchen eines neuen Mitglieds, Harry Kahn. Als dieser dann noch mit seiner Anbändelei mit Rose prallt und das er sie nun auf den Hunter Ball einladen wird, platzt Mr. Malik der Kragen. Schließlich plant er schon seit Wochen seine Einladung für Rose zu eben diesem Ball. So kommt es letztlich zur Wette zwischen den beiden Rivalen, wer innerhalb einer Woche die meisten Vögel identifizieren kann, darf Rose seine Einladung vortragen.

Wer jetzt an eine Story á la „Eine wie keine“ denkt, wird sehr enttäuscht sein. Denn eigentlich steht die Liebe zu Rose in diesem Roman gar nicht im Vordergrund. Viel mehr das Land Kenia und dessen guten, wie auch schlechten Seiten.

Mr. Malik ist der absolute Sympathieträger dieser Geschichte. Im Verlauf der Handlung erfährt der Leser immer wieder neue, überraschende Facetten und das, obwohl er anfangs so durchschnittlich rüber kommt. Er ist zwar sehr schüchtern, aber er hält eisern an seine Prinzipien fest und ist somit mehr oder weniger ein Ritter der Neuzeit. So sagt er immer die Wahrheit, außer dies würde andere stark verletzen. Auch begibt sich Mr. Malik in Gefahren um die, für die er sich verantwortlich fühlt, zu beschützen.
Toll fand ich, dass seine Lebensgeschichte immer nur stückchenweise erzählt wurde. So erfährt man nach und nach, dass er beispielsweise einen schwulen Sohn hatte und dieser nach der Verstoßung von Mr. Malik an Aids verstarb. Dieser bereut seine überstürzte Reaktion bis heute und probiert anderen Erkrankten Hoffnung und Trost zu spenden. Auch ist Mr. Malik eigentlich ein großer Politikaktivist, da er der Verfasser der beliebtesten Politikkritik-Kolumne Nairobis ist. Natürlich unter einem Pseudonym.

Sein Rivale im Kampf um Rose, Harry Kahn, ist in dem Sinne auch nicht unsympathisch. Aber er ist ein reicher Schnösel ohne jegliches Verantwortungsgefühl. Ein Lebemann, welcher einfach nur probiert alle Vorzüge seines Reichtums auszukosten.

Rose höchstselbst wiederum ist eine sehr interessante Frau. Es wird zwar nicht allzu viel über sie erzählt, da sie gleich zu Beginn die Stadt verlässt, um sich einer Augen-OP zu unterziehen. Somit bekommt sie glücklicherweise auch nichts von dem ganzen Trubel der Wette um ihre Person mit.

Aber das was der Leser über sie erfährt, lässt sie charmant wirken. Rose ist, genau wie Mr. Malik, verwitwet. Ihr Mann starb vor Jahren unter etwas mysteriösen Umständen, vor allen, wenn man bedenkt, dass er ein großer Politikaktivist war. Seit seinem Tod hat sich Rose ganz der Schönheit der afrikanischen Natur verschrieben und möchte diese ihren Mitmenschen näher bringen.

Auch die Nebencharaktere dieses Roman sind mir sofort ans Herz gewachsen. Denn beispielsweise die Club-Mitglieder sorgen mit ihrer Wettlust auf alles für den ein oder anderen Lachen. Ich sage bloß, Furz-Wette.

Generell hat mir der Humor in diesem Buch sehr zugesagt. Es ist nicht so, dass man ständig vor Lachen fast vom Stuhl fällt. Viel mehr hatte ich die ganze Zeit beim Lesen so ein kleines Schmunzeln auf den Lippen.

Wie ja schon erwähnt, handelt es sich hierbei eigentlich nicht um einen Liebesroman. Die Liebe wird zwar auch thematisiert. Aber auch ander Dinge, wie Politik, Aids, Homosexualität, Armut und natürlich Vögel. Leider gegen Ende des Buches, meiner Meinung nach, ein bisschen zu viele Vögel. Irgendwie verliert sich der Autor letztlich ein wenig in den Beschreibungen eben dieser.

Der Stil der Geschichte ist sehr interessante und mal was anderes. Alles wird von einem unbekannten Erzähler geschildert, welcher sich auch des öfteren an den Leser direkt wendet. Auch mal durch Kommentare in Klammern. Somit hatte ich immer wieder das Gefühl bei einer kleinen, gemütlichen Märchenstunde zusitzen. Es gibt auch eine Unmenge von Einschüben, um beispielsweise Handlungsstränge aus der Vergangenheit zu erklären oder Personen besser zu beleuchten. Diese Einschübe waren niemals unnötig, was ich leider schon bei einigen Büchern erlebt habe, viel mehr empfand ich sie als i-Tüpfelchen. Schön war auch das diese letztlich alle irgendwie zusammengefügt werden und somit durchaus von Bedeutung für die Haupthandlung waren.

Fazit:
Dieser kleine Roman ist etwas Besonderes und ich bin froh, dass ich ihn fand. Wer gerne etwas über die Vogel- und auch Menschenwelt Ost-Afrikas erfahren möchte, ist hiermit gut bedient. Aber auch für alle anderen wäre es definitiv eine Bereicherung des Bücherregals. Diese Geschichte zeigt, dass man mit Herzensgüte und ein bisschen Mut einiges in der Welt bewirken kann.

Von mir gibt es wohlverdient 4 Skulls.





Eure Püppie

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