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Samstag, 23. März 2013

Buch – „Das Schwarze Kollektiv“ von Michael Zandt



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Titel: Das Schwarze Kollektiv
Autor: Michael Zandt
Genre: Fantasy
Seiten: 264
ISBN: 978-3981509236





Kurzbeschreibung:
Ariko ist ein Sohn der Straße. Von den Eltern verlassen, von den Behörden ins Waisenhaus gesteckt, gerät er früh in die Fänge des Militärs. Er wird zum Soldaten erzogen und in den Krieg gegen das geheimnisvolle Volk der Hameshi geschickt. In deren riesigen Wäldern lernt er verlorene Seelen und grausame Götter, aber auch die magische Schönheit der Schöpfung kennen. Ariko begegnet einem Mädchen. Sie ist jung, sie ist schön und sie ist eine feindliche Kriegerin. Der Waise wechselt die Fronten, doch findet er auch bei den Hameshi keinen Frieden. Er muss gegen Widersacher kämpfen und heimtückischen Dämonen widerstehen.
Ariko lernt viel im Reich der ewigen Wälder, aber wird er am Ende auch begreifen, dass der Keim alles Bösen … in der Liebe liegt?
Quelle: Verlagsseite


Puh, ich glaube, noch nie ist mir die Rezension eines Buches so schwer gefallen, aber fangen wir einfach mal vorne an.


Ariko ist ein Agrim und gehört damit wie die Hameshi zu den Kindern der Göttin Agrunbar, nur haben sich die Agrim von dem Leben in den Wäldern abgewandt und sind komplett verstädtischt worden. Als die „Horde“ über Wilderlande hereinfällt, sieht die Regierung nur eine Möglichkeit, um verlorenes Land und Rohstoffe aufzutreiben – Krieg mit den Nachbarländern und damit auch mit den Hameshi in den Wäldern.
Ariko folgt irgendwann dem Ruf der Göttin, wie viele andere Agrim auch und wechselt die Seite. In den Wäldern erwartet ihn ein ganz neues Leben.

Die Story in „Das Schwarze Kollektiv“ ist sehr voll. Es passiert eigentlich unheimlich viel und ist eine sehr dichte Geschichte. Alles ist vom Autor sehr durchdacht und verwoben. Damit schafft er eine einzigartige Welt. Vor der Idee der Geschichte kann man wirklich nur den Hut ziehen.
Leider ist es alles total unspannend erzählt. Obwohl es aus der Ich-Perspektive von Ariko erzählt wird, kommen keinerlei Emotionen auf, keine Spannung, keine Sympathie. Irgendwie erwartet man doch, dass man als Leser eine Verbindung zum Protagonisten aufbaut und die fehlte mir komplett.
Da kamen Szenen, in denen man eigentlich mitfiebern sollte, aber nichts. Total analytisch und klinisch wird eine Verfolgungsjagd auf einer halben Seite zusammengefasst, ohne das irgendwas an Emotionen hochkommt. Solche Szenen sind zu unpassenden Zeitpunkten immer viel zu schnell. Zack – Stadt eingenommen! Zack – Krieg gewonnen! Da nimmt man niemandem die Angst und Spannung ab. Der ganze Schreibstil wirkt sehr distanziert, fast militärisch wie ein Bericht. Falls das auf Arikos Erziehung anspielen soll, okay – aber es ist nicht mitreißend!
Bei einigen Szenen (meist den richtig blutigen) kommt dieser analytische Stil sehr gut rüber und macht es irgendwie drastischer, aber sonst fiel es mir schwer, mich zum Lesen zu animieren.
An sich ist der Schreibstil gut und sauber mit schönen Formulierungen, aber halt trocken.
Statt den Fokus auf Ariko zu legen bekommt man andauernd ausführliche Beschreibungen, was sonst so in der Welt passiert. Das ist ganz okay, müsste aber nicht so ausführlich sein. Da wünsche ich mir lieber andere Sachen im Vordergrund.
Aber es gibt bestimmt Leser, die diesen Stil ansprechend finden.

Ein weiterer Punkt, der die Leserverbindung zu Ariko stört - oder zumindest meine Verbindung - , ist der Punkt, dass Ariko scheinbar nie eine selbstständige Entscheidung fällt. Am Anfang ist der Drill vom Militär und dann geht er in den Wald, weil er dem zwanghaften Ruf der Göttin folgt. Es scheint nie sein eigener Wille zu ein, er ist nur ne Puppe und wird rumgeschoben. Ich hatte das Gefühl, nichts über die Beweggründe dieses Protagonisten zu erfahren.

Schön fand ich, dass einige ernst Themen kurz kritisch angerissen wurden. Gibt es einen gerechten Krieg? Wie blind kann man seinem Glauben folgen? Allerdings waren diese Ausflüge dann auch sehr kurz gehalten.
Eigentlich hätte das Buch im Schnitt doppelt so lang sein können, wenn man nur mehr Tiefe gehabt hätte! Dann hätte ich es wohl geliebt.

Im Gegensatz zum engelchen fand ich die ganzen Namen und Völker nicht verwirrend und blickte da schnell durch. Nur kamen einige davon echt zu kurz. Die Horde und die Asartu z.B. machen einen neugierig, aber man erfährt leider nicht so viel. Und die wichtigste Frage überhaupt: Wie sehen Hameshi eigentlich aus? Unterscheiden die sich von Menschen? Hab mir die immer elfisch vorgestellt.
Als Geografie-Niete hätte ich mir allerdings eine Karte gewünscht. Ich hab die Wälder immer in den Westen gepackt und war irgendwann total überrascht als ich las, dass sie im Osten liegen.

Überraschend fand ich dann wirklich das Ende. Die letzten 30 Seiten war das Buch wie ausgewechselt. Hat das jemand anders geschrieben? Plötzlich wurde es spannend! Es gab Wendungen und Emotion und einen ergreifenden Helden und alles geballt auf so wenig Seiten. Da wollte ich zum Schluss doch wirklich das Buch an die Wand werfen. Hätte nicht das ganze Skript so sein können?
Das Ende lässt darauf schließen, dass es noch einen weiteren Teil geben wird. Da frag ich mich, schafft der es, an das Ende anzuknüpfen? Wenn ja, wäre er lesenswert. Wenn nicht, dann lass ich lieber die Finger davon.

Fazit: Eigentlich eine sagenhaft gute Geschichte, nur komisch erzählt. Schade! Mir fiel die Lektüre nicht leicht, aber wen der Stil nicht abschreckt, der wird wohl seine wahre Freude haben. Für mich gilt: Bitte mehr Gefühl, Herr Zandt!
Einen Stern gibt es für die durchdachte Story, einen für das Ende und nen halben weil der Stil ja an sich irgendwie sauber ist, aber was fehlt.
Mein Dank geht an den Art Skript Phantastik Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

Eure Mendea

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