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Samstag, 2. Februar 2013

Buch - "Stadt der Finsternis – Die Nacht der Magie" von Ilona Andrews





Titel: Stadt der Finsternis 1 – Die Nacht der Magie
Autor: Ilona Andrews
Genre: Urban Fantasy/Action
Verlag: LYX
Seiten: 302
Preis: 12,95 € (gebunden)








Klappentext:
Kate Daniels verdient ihr Geld damit, die Auswüchse der magischen Wellen, die Atlanta von Zeit zu Zeit heimsuchen, aufzuspüren und zu beseitigen. Ihr Leben nimmt jedoch eine dramatische Wendung, als ihr bester Freund Greg ermordet wird. Bei der Suche nach dem Täter stößt Kate auf Vampire und andere finstere Kreaturen. Hat womöglich der charismatische Curran, der Anführer der Gestaltwandler, etwas mit den verschwörerischen Umtrieben zu tun?

„Andrews gelingt es meisterhaft, Mystery und schwarzen Humor mit der Spannung eines Thrillers in Einklang zu bringen.“ - Romantic Times

„Brillant – erstklassige Urban Fantasy, hoch spannend, düster und erotisch!“ - Patricia Briggs

New-York-Times-Bestseller

Meine Meinung (nahezu ohne Spoiler):
Meine ersten Gedanken, wie ich diese Rezension beginnen wollte, lauteten: Ja, ein Lyx-Buch. Ja, beworben mit „spannend, düster, erotisch“. Ja, Vampire und Gestaltwandler.
Also, im besten Fall langweilige, im schlechteren Fall „erotische“ Literatur zum Fremdschämen? Ganz und gar nicht!

„Stadt der Finsternis“ wirkt zwar wie einer der typischen Frauen-Mystery-Romane, die derzeit wie verrückt die Regale der Fantasy-Abteilungen füllen, ist es aber nicht. Es gibt zwar eine Liebesgeschichte im Buch – aber eher nebensächlich! - und die ausführlichen Beschreibungen der männlichen (natürlich äußerst attraktiven) Protagonisten ließe mich beinahe sagen, dass das Buch primär auf Frauen als Publikum ausgelegt ist... und dann wiederum wehre ich mich gegen diese Aussage, denn sie wird dem Buch nicht gerecht! Ich als Kerl hatte – vielleicht abgesehen von besagten Beschreibungen, die aber auch relativ kurz sind – wirklich Spaß an dem Buch!

Es gibt einige Punkte, die den ersten „Stadt der Finsternis“-Band als gutes Buch qualifizieren, ganz unabhängig davon, ob man Männchen oder Weibchen ist.
Die Welt in „Die Stadt der Finsernis“ hat klare Elemente der aktuellen Mystery-Bücher – Vampire, Werwölfe, Magie – aber diese sind nett aufgearbeitet. Die Vampire bzw. deren Lenker sind in einer Gemeinschaft vereinigt, die sich „Das Volk“ nennt; die Vampire selbst sind nämlich einfach nur gefährliche, abartige Raubtiere ohne Hirn und Verstand, die wenig mit Menschen gemeinsam haben und rund um die Uhr gelenkt und überwacht werden müssen. Dieses Bild passt also schon mal nicht in die romantische „Bis(s)“-Fantasie!
Dem gegenüber stehen – ganz klassisch – die Gestaltwandler, vereint im „Rudel“. Aber es sind wirklich Gestaltwandler, und keine Werwölfe: Ratten, Hyänen, aber auch Wölfe, Jaguare und Löwen sind die Arten, die die Gestaltwandler annehmen können, wobei sie die Formen „Mensch“, „Tier“ oder „Tierform“ - also eine Mischung aus Mensch und Tier – zur Verfügung haben. Dabei gibt es auch hier hirnlose, kannibalische Gestaltwandler, die die Kontrolle über das Tier in sich verloren haben und als Loup mordend und vergewaltigend durch die Lande ziehen.
Diese beiden Parteien sind die Hauptverdächtigen von Kate Daniels bezüglich des Mords an Greg, Kates ehemaligem Vormund. Das ganze spielt – Urban Fantasy-like – im Umfeld der Stadt Atlanta, die, wie alle Städte, ein düsterer und unheimlicher Ort geworden ist: dadurch, dass sich immer wieder Technik- und Magiephasen abwechseln und im einen Moment die Maschinen funktionieren und die Magie nicht, und im nächsten andersrum, sind die meisten Hochhäuser und allzu modernen Gebäude eingestürzt. Die Magiewellen bringen auch immer wieder irgendwelche Arten von Monstern mit sich, die wiederum während dieser Phasen nicht mit Schusswaffen getötet werden können, denn die Technik versagt ja ihren Dienst. Kate kämpfte deswegen stets mit ihrem Schwert „Slayer“, dessen Name schon einiges über das Setting aussagt: die Welt ist ein gefährliches Pflaster geworden.

Alles in allem: statt „Die Nacht der Magie“ mit den Worten „erotisch“ zu preisen (denn das passt nun wirklich deutlich eher zu anderen Büchern!), würde ich die Geschichte schon als „düster“, „spannend“, aber auch „actionlastig“ und „brutal“ bezeichnen. Und natürlich „blutig“. Wer einen empfindlichen Magen hat oder Ekel nicht so gut wegsteckt, sollte auf alle Fälle die Finger davon lassen. Wer aber schon einige Zombie-Filme gesehen hat, wird wohl auch damit fertig!

Das ist natürlich auch eine Aussage über den Stil: blutig, direkt, ohne Umschweife. Manchmal haben mir einige Beschreibungen der Umgebung gefehlt... aber andererseits macht das, das ganze Geschehen noch mal wesentlich schneller und aufregender, denn die Handlungen werden sehr präzise, aber eben auch schnell präsentiert – und das passt einfach, denn Actionszenen gibt es nicht zu wenig.

Dabei wird der Plot allerdings nie zur Nebensache: Im Vordergrund steht die Krimi-artig aufgebaute Untersuchung von dem Mord an Greg, mit falschen Fährten, Spekulationen, Verhör der Verdächtigen. Und das alles sehr schön eingebettet in der magischen Welt.

Letztlich bleibt noch der Humor zu erwähnen: ein dreckiger, schwarze Humor, der vor allem auf der spitzen Zunge der Hauptprotagonistin beruht. Das Buch ist in der Ich-Perspektive geschrieben, daher ist man immer sehr nah an Kate Daniels dran. Die sarkastischen Kommentare die dabei einfließen lockern die Handlung auf, ohne fehlplatziert zu wirken. Das war für mich ein ganz großer Pluspunkt des Buches, denn es macht die Hauptprotagonistin einfach viel sympathischer und lässt das düstere brutale Geschehen auch noch mal anders erscheinen. Aber auch die übrigen Charaktere waren tief genug und interessant und warten sicherlich mit Überraschungen auf!

Jetzt ist vielleicht auch etwas klarer, wieso ich nicht glaube, dass das Buch einzig und allein für das holde Geschlecht interessant sein könnte. Sehr unverblümt, sehr brutal, sehr schnell. Keine kitschigen Glitzervampire, keine große Romantik. Eine düstere Welt, mit schwarzem Humor präsentiert. Happy End nicht garantiert. Tote. Mord. Und zahlreiche Waffengefechte.
Bitte nicht falsch verstehen: die Frauen, die Spaß an so was haben, werden ihre helle Freude an diesem Buch haben! Aber wer beim Cover und bei der Aufschrift „LYX-Verlag“ einen harmlosen „Bis(s)“-Verschnitt erwartet, wird dieses Buch in die Ecke knallen.

Mein einziger wirklicher Kritikpunkt gilt nicht mal den Autoren, sondern dem Übersetzer. Alles in allem leistet er solide Arbeit, bringt den unverblümten und pointierten Stil aus dem Amerikanischen gut rüber. Teilweise habe ich einzelne Sätze aber echt nicht verstanden, da sie zu umgangssprachlich oder zu gestochen formuliert waren. Einige Wörter kannte ich einfach nicht – und das, obwohl ich sehr viel lese! Das durchbricht zwar nur 3, 4 Mal kurz das Eintauchen in die fremde Welt, aber ein gründliches Gegenlesen vonseiten des Lyx-Verlags hätte das meines Erachtens nach ohne großen Aufwand verhindern können. Schade.

Fazit:
Die Kritik bezüglich des Übersetzens ist doppelt ärgerlich, denn er ist wirklich der einzige Punkt, wieso ich „Nacht der Magie“ nicht als „nahezu perfekt“ bezeichnen kann. Alles andere macht das Buch jedoch mehr als lesenswert: Action, gut durchdachter Plot, Humor, sympathische Charaktere. Purer Genuss für jeden, der rasante Actionkrimis in Fantasywelten etwas abgewinnen kann, und somit 4,5 von 5 Sternen.


Hier die Videorezension:


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