Seiten

Montag, 25. Februar 2013

Buch - "Der König der Komödianten" von Charlotte Thomas




Titel: Der König der Komödianten
Autor: Charlotte Thomas
Genre: Historie
Verlag: Bastei Lübbe
Seiten: 704
Preis: 22,99 € (Hardcover)














Klappentext:

Eine wunderbare Kulisse. Ein großartiges Stück. Ein Held zum Verlieben. Veneto, 1594: Sie sind ein bunt zusammengewürfelter Haufen - eine bezaubernde Hauptdarstellerin, ein waffenstarrender Zwerg, ein schlitzohriger Intendant und dessen bockige Enkelin. Mitten hinein in dieses schillernde Ensemble gerät der achtzehnjährige Marco, der bisher nichts anderes von der Welt gesehen hat als den abgeschiedenen Hof seines Onkels. Der unerfahrene Jüngling ist begeistert von der faszinierenden Welt des Theaters und zieht mit der Truppe nach Venedig, wo es bald um Sein oder Nichtsein geht: Nur ein neues Stück kann das Ensemble noch retten. Vom Kulissenschieber steigt Marco zum Gehilfen des trunksüchtigen Bühnendichters auf und bald darauf zum Autor seines eigenen Stücks. Doch bis er dieses auf die Bühne bringen kann, muss er noch viel lernen. Über das Schreiben. Über die Liebe. Und vor allem über das Leben selbst. Ein mitreißender Roman über das unvergessliche Maskenspiel der Commedia dell' Arte

Rezension:
Es gibt drei Dinge, die ich liebe: Shakespeare, Theater und Ironie. All diese Sachen werden in diesem Roman vereint.


Die Geschichte handelt von Marco, einem 18 jährigen, naiven Jungen. Dieser lebt zusammen mit seinem Onkel auf einem einsamen Landsitz und führt ein wohlbehütetes Leben. Doch eines Tages, als er seinem Onkel mal wieder beim Koitus mit der Magd zuschaut, stirbt dieser ganz unvermittelt während des Aktes. Das ist der Beginn einer Vielzahl von Verwicklungen.

Ich war nach den ersten paar Seiten total geplättet, denn ich hatte einen stinknormalen Geschichtsroman, mit vielen Beschreibungen der damaligen Zustände erwartet. Aber nein stattdessen wird man in eine, vor Situationskomik nur so strotzende, Geschichte geworfen. Zumeist handelt es sich dabei um einen, wie sich schon in der Anfangsszene zeigt, sehr schwarzen Humor. Als der Knecht des Onkels dessen Tod mit den Worten "wenigstens starb er glücklich" abtut, hat es mich vor Lachen fast vom Stuhl geworfen.

Marco landet nach dem Tod des Onkels zunächst im Kloster und trifft dort auf ein paar höchst interessante Mönche. Wie Iseppo, welcher sein ganzes Glück in, nach Lavendel riechenden, Kissen findet und ein sehr auffälliges Interesse an Marcos Körperbau zu haben scheint.

In einer Nacht- und Nebelaktion flieht Marco aus dem Kloster, da er nach einem belauschten Gespräch glaubt, man trachte ihm nach dem Leben. Schlussendlich landet er bei einer bunt zusammengewürfelten Schauspielertruppe und nach Entdeckung seines Schreibtalents wird er der neue Stückeschreiber dieser Gruppe.

Das nun Folgende ist einfach genial. Denn all seine Stücke oder auch nur die Ideen für ein solches, haben eine wahnsinnige Ähnlichkeit mit den bekanntesten Dramen Shakespeares. Da sich der Truppe dann auch noch ein Engländer anschließt, welcher einen Freund hat der Will heißt, kann der Leser schön rätseln, woher der bekannteste Dichter Englands seine Ideen denn nun wirklich hatte. Ich fand es, als großer Shakespeare-Fan, jedenfalls irre komisch. Man muss sich natürlich mit den Werken ein bisschen auskennen, um die ganz eindeutigen Verweise auf bestimmte Stücke oder Szenen zu bemerken. Aber es ist ein schönes Ratespiel, was das Buch nur um so besser macht.

Auch die Charaktere an sich sind allesamt so skurril, dass ich sie sofort ins Herz schließen konnte.
Ein jedes Truppenmitglied hat so seine Eigenarten, die die Dialoge und Handlungen interessanter machen.
Da wäre zunächst einmal Marco selbst, dessen Naivität einfach herzergreifend ist. Natürlich muss er sich sofort in die Schönheit der Schauspieler verlieben und ist dabei total blind für deren, sagen wir mal fragwürdigen, Charakter. Auch, dass er die Hälfte des Tages in irgendwelchen erotischen Träumen zu schwelgen scheint, ist für einen Mann seines Alters eine sehr witzige Zuspitzung von bekannten Klischees.

Diesem manchmal wirklich Mitleid erregenden Tölpel tritt nun eine Frau entgegen, die mit beiden Beinen im Leben steht. Elena. Was für eine Frau! Sie ist mehr oder weniger die Chefin der Truppe, eine begnadete Seilakrobatin und sehr temperamentvoll. Ihr könnt euch also vorstellen, was passiert, wenn zwei so unterschiedliche Charaktere aufeinandertreffen - Dialoge zum Totlachen.

Auch ihren Großvater fand ich sehr interessant. Er stellt sich gern als senilen, alten Mann dar. Doch eigentlich ist er wahnsinnig gewieft und zieht alle Fäden hinter den Kulissen.

Natürlich wird auch Hintergrundwissen zur damaligen Zeit geliefert. Es handelt sich ja schließlich doch um einen historischen Roman. Ich finde, dass diese Auskünfte oft sehr langatmig wirken können. Nicht so in dieser Geschichte. Frau Thomas hat ein gutes Gespür dafür, wann solche Zusatzinfos angebracht sind und wann einfach unnötig. Es ist auch eine gute Lösung gewesen, nähere Informationen zu auftretenden Wörtern oder Orten, als Fußnote anzufügen. So kann der Leser selbst entscheiden, ob dies nun für ihn relevant ist oder nicht.

Die Handlung spielt im Jahre 1594 und teilweise in Padua. Aber zum Großteil in Venedig. Wobei einfach eine tolle Atmosphäre erzeugt wird und ich am liebsten gleich ins Flugzeug steigen würde, um mir die Schauplätze selbst anschauen zu können.

Besonders loben möchte ich hier noch die Illustrationen. Zu jedem neuen Kapital gibt es ein wunderschönes Bild, das die Atmosphäre der Geschichte sehr gut widerspiegelt.

Zum Schreibstil lässt sich noch sagen, dass die Autorin ein bisschen zu Schachtelsätzen neigt. Jedoch hab ich das nicht als negativ empfunden, da ich diese Konstellationen kurzen, abgehackten Sätzen definitiv vorziehe.


Fazit:
Für mich war das Buch ein absoluter Glücksgriff. Ich hatte eine Durchschnittsgeschichte erwartet und wurde mit einer überragenden Komödie überrascht. Es steht noch ein Roman der Autorin im Regal, hoffentlich wird dieser genauso gut.

Von mir gibt es, absolut verdiente, 5 Skulls.

Eure Püppie

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen