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Dienstag, 12. Februar 2013

Buch - "Dämonenbraut" von Christina M. Fischer







Titel: Dämonenbraut
Autor: Christina M. Fischer
Genre: Contemporary/Urban Fantasy
Verlag: art skript phantastik
Seiten: 328
Preis: 11,80 € (broschiert)







Klappentext:
Vor 60 Jahren brach eine Virus-Epidemie aus. Was vorher nur vereinzelt auftrat, häuft sich nun: Menschen verwandeln sich in Hexen, Vampire, Werwölfe oder Dämonenbräute, kurz: in A-Normalos. Die Agentin Sophie Bernd ist eine von ihnen, eine Dämonenbraut, die mit einem Tropfen ihres Blutes Dämonen aus einer anderen Dimension rufen kann, die ihr in kritischen Situationen zum Gehorsam verpflichtet sind. Mit dieser Gabe verdient sie ihr Geld und bekämpft diejenigen, die sich in der neuen Welt nicht an die Regeln halten.

Gemeinsam mit ihrem Partner, dem werdenden Vampir Julius, macht sich Sophie auf die Jagd nach einem Psychopathen, der es auf Hexen und Magier abgesehen hat, um seine eigene Macht zu stärken. Kaum verwunderlich, dass sie dabei auch auf den charmanten Samuel trifft, den mächtigsten Hexenmeister der Stadt, und sich fragen muss: Hat er etwas mit den Morden zu tun?

Christina Fischers Debüt-Roman mischt Urban Fantasy mit Mystik, abgerundet mit spannenden Thriller-Elementen und verfeinert mit einer Prise Erotik und viel Humor.


Meine Meinung (ohne erhebliche Spoiler):
Als ich den Klappentext des Buches gelesen habe, war ich erst skeptisch, letztlich konnte mich das Buch jedoch durchaus überzeugen!


Über Coverbilder lässt sich bekanntlich streiten. Ich fand's soweit in Ordnung... Vor allem die Druckqualität war aber auch sehr gut! Es sah qualitativ einfach so schön aus, dass ich's mir, in etwas größer, auch gerne als Poster ins Zimmer gehängt hätte.

Die grundlegende Welt aus „Die Dämonenbraut“ ist irgendwie mehr oder weniger aus anderen Urban Fantasy-Romanen bekannt und nix Neues: Seit Jahren sorgt ein Virus dafür, dass statt normaler Menschen auch A-Normalos – Vampire, Hexen, Werwölfe, Dämonenbräute – geboren werden. Soweit, so altbekannt. Schön fand ich jedoch, dass sich dies Mal nicht auf eine Hexen-, Vampir- oder Werwolfheldin verlassen wird, sondern eine Dämonenbraut – Beschwörerin – die Rolle der Hauptprotagonistin übernimmt. Das ist nicht zu außergewöhnlich in dieser Welt, dass man sagen müsste: „War ja klar, die Heldin ist wieder was total Besonderes!“, zugleich aber noch nicht so abgenutzt wie die übrigen beschriebenen Varianten einer Heldin. Dadurch werden viele Klischees vermieden und es gibt neue, interessante Fantasyelemente. Ein eindeutiger Pluspunkt!

Auf der anderen Seite konnte mich die Heldin und Ich-Erzählerin selbst, Sophie Bernd, nicht so vollkommen überzeugen. Sie ist ohne Frage gut geraten, aber leider auch nicht zu Hundert Prozent rund. So wird zum Beispiel zu Anfang oft gesagt, sie sei total mächtig und total schlagfertig, habe ihren eigenen Kopf und sei nicht klein zu kriegen – nur merkt man davon überhaupt nichts! Im weiteren Verlauf wird immerhin das „mächtig“ noch in einer der besten, sehr spannenden Szenen des Buches aufgedeckt, aber leider eben recht spät, sodass lange Zeit die Behauptung, sie sei „mächtig“, unbestätigt im Raum hängt.
Dass sie einen eigenen Kopf hat und weiß, was sie will, trifft auch selten zu. Wenn sie sich für etwas entschlossen hat, zieht sie das auch durch und gibt nicht auf – insofern passt das. Aber gerade im ersten Drittel des Buches ist ihr Liebesleben noch etwas undurchsichtig und man möchte sie am liebsten einmal kräftig schütteln, damit sie mal zur Vernunft kommt und nicht so unentschlossen bleibt. Das ist zum einen gut, denn wenn man sie schütteln will, hat man sie ja schon als echte Person anerkannt... Zum anderen ist „entscheidungsfreudig“ und „immer eine klare, eigene Meinung“ einfach die falsche Umschreibung für diese Protagonistin.
Das Prädikat „schlagfertig“ würde ich sogar nur sehr, seeehr bedingt für sie gelten lassen, denn das ist sie nur in vielleicht 2 oder 3 Szenen.

Diese fehlerhafte Beschreibung der Protagonistin ist nicht weiter schlimm (man könnte sie sogar rechtfertigen, indem man sagt, sie habe einfach eine falsche Selbsteinschätzung – immerhin skizziert sie sich als Ich-Erzählerin selbst), sie bringt einen aber doch ein bisschen raus und verwirrt... Ich weiß nicht, wieso weibliche (Haupt)Charaktere im Moment nur als stark gelten, wenn sie immer einen frechen Spruch auf den Lippen und eine klare Meinung zu jedem erdenklichen Thema haben!
Sophie ist eine starke weibliche Heldin und hat mich auch darin überzeugt, ohne immer eine klare Meinung und ohne immer einen schlagfertigen Spruch parat zu haben. Ihr am Anfang dennoch diese Prädikate zuzuordnen, obwohl sie sich im Verlauf der Geschichte als falsch erweisen, fand ich etwas... unnütz und verwirrend, denn es wird durch die Geschichte selbst ja durchaus klar, wie sie ist.
Abgesehen davon ist sie eine starke, interessante Heldin, deren Geschichte man sich gerne anhört.

Neben Sophie gibt es aber noch zahlreiche andere Charaktere, die wiederum sehr gut beschrieben sind und sich auch genauso benehmen. Dass Samuel erst relativ spät aufläuft, finde ich im Nachhinein sogar schade, denn er ist auch einer der tollen Charaktere. Aber auch weitere Hexen, Meister, Nachbarn, Kinder, Regierungsbeamte, zwei Dämonen und ein Kater gehören zum festen Bestand des Charakterrepertoires. Dabei sind alle sehr gut gezeichnet, sodass man sie sich gut vorstellen kann und nur selten verwirrt aufblickt, weil man jemanden verwechselt oder vergessen hat. Vor allem die beiden Dämonen sind dabei ohne Zweifel die Lieblinge des Lesers und wirklich einige der spaßigsten Charaktere, die ich kenne.
Beim Finale haben einige Charaktere sich etwas unerwartet und seltsam verhalten, aber das ist kein großer Kritikpunkt.

Das Finale und der Plot, der dahin führt, waren an sich sehr schön aufgebaut. Es ist ein typischer Krimifall, den es zu lösen gilt, wobei die Magie dabei ein normales Werkzeug ist. Hinzu kommt der erwartete Liebesplot, der zum Glück nur im ersten Teil etwas anstrengend ist, etwas Humor, teils sehr schöne Actionszenen und ungefähr zwölf Seiten lang die versprochene Erotik,.

Obwohl der Plot an sich also schön verstrickt ist und viele neue Probleme auftauchen, während alte verschwinden, hatte ich dennoch ein bisschen das Gefühl einer "thematischen Einteilung", nicht unbedingt nur aufgrund des Plots, aber auch aufgrund der Erzählweise: Erst wird die Welt vorgestellt mit vielen Beschreibungen, wenig Plot und keinen konkreten Charakteren, anschließend kommt der Liebespart, wo Sophie sich zwischen Julius und Samuel entscheiden muss. Danach für 12 Seiten Erotik. Anschließend einige Action- und „Magie-“szenen. Danach plötzlich einige Seiten sehr witzige Szenen, anschließend Action und Finale.
Ganz so strickt lässt sich diese Einteilung freilich nicht vornehmen, und sie schadet auch nicht unbedingt dem Plot. Dennoch hätte ich mir hier eine deutlich dichtere Verstrickung gewünscht. Wieso die Erotik auf 12 Seiten verbannen? Über volle 12 Seiten am Stück war das für mich sogar ein wenig langweilig. Wäre immer mal wieder für 3, 4 Seiten was gekommen, hätte mich das eher interessiert als alles geballt „abzugrasen“ und nie wieder ins Schlafzimmer der Heldin zurückzukehren. 
Wieso den Humor erst so spät im Buch aufrütteln und nicht auf den gesamten Plot verteilen?
Da hatte ich ein bisschen das Gefühl, dass da Potenzial verloren gegangen ist und man mehr hätte draus machen können.

Das Buch ist aber trotzdem gut, keine Frage! Selbst mit dieser „Aufteilung“ liest es sich flüssig, schnell und nur bei der geballten Erotik hab ich mich kurz gelangweilt (weil alles „toll“ und „perfekt“ ist und keine interessanten Probleme auftauchen, die Erotik an sich war ganz okay), aber ansonsten bereitet das keine großen Schwierigkeiten. Der Humor ist, wenn er da ist, witzig. Der Krimiplot ist logisch. Die Liebesgeschichte verständlich und auch nie wirklich nervig oder ablenkend.
Hätte man es anders als mit diesen "wechselnden Themen" gemacht, wäre das Buch noch besser, aber auch so konnte mich der Plot doch ziemlich von sich überzeugen. Und gerade die Actionszenen, die wirklich durchweg vorkommen, reißen da einiges wieder raus. Wie gesagt, die Aufteilung war nicht so strikt, wie ich es hier zur Verdeutlichung aufgezeigt hab.
Selbst dass ein Handlungsstrang – der mit Julius – irgendwann verloren geht, verzeiht man gerne, denn es passiert genug, ohne dabei verwirrend zu werden, und man langweilt sich praktisch nie!

Stilistisch merkt man dem Werk nur selten an, dass es ein Erstlingswerk bzw. in einem kleinen Verlag erschienen ist. Die Sätze sind stimmig, meist fehlerfrei. Teilweise sogar wirklich toll und erzeugen durch sehr wenige Worte große Authentizität. Das fand ich wirklich beeindruckend. Ab und an schleicht sich schon die ein oder andere Formulierungsschwäche ein, aber das ist bei den großen Autoren nicht anders und macht das Buch auch nicht schlechter. Insgesamt ein Lob für den sauberen Stil.

Was mich tatsächlich ein bisschen gewurmt hat, waren die Rechtschreibfehler, denn die haben stellenweise wirklich Oberhand gewonnen. Einmal habe ich, glaube ich, fast 15 Seiten gelesen, ohne dass eine davon rechtschreibfehlerfrei war. Mich persönlich hat das jetzt nicht allzu sehr rausgebracht, aber es ist natürlich schade, da hier ein gründliches Korrektorat noch mal einen deutlichen Qualitätsgewinn dargestellt hätte. Für diejenigen, die sich durch derlei Fehler aus dem Geschehen reißen lassen, ist es natürlich noch einmal schlimmer.

Fazit:
Zwar viel kritisiert, letztlich aber durchaus von der Geschichte angetan gewesen. Der Plot ist schnell, actionreich, ab und an witzig, ab und an romantisch. Die Charaktere überzeugen durchweg und letztlich ist auch Sophie druchaus gelungen. Die geballte Erotik in Kombination mit „Jetzt ist die Welt in Ordnung“-Stimmung war mir persönlich zu viel, aber das sind nur 12 der 300 Seiten – und andere werden von der Erotik vielleicht auch sehr angetan sein. Daneben hat das Buch aber auch überaus gelungene Szenen – sehr vorzügliche Actionszenen zum Beispiel –, neue, kreative Ideen und tolle Charaktere – vor allem die beiden verrückten Dämonen lockern den Plot total auf.
Ich kann somit guten Gewissens und mit Luft nach oben für einen Folgeband 4 von 5 Sternen und eine Kaufempfehlung für Fans von Urban Fantasy oder unbekannten Autoren vergeben, denn Christina M. Fischer verdient diese Chance mit „Die Dämonenbraut“ sicherlich!


Hier die Videorezension:

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