Seiten

Samstag, 26. Januar 2013

Geisterstundeninterview – 12 Fragen an Florian Kührer


Vampire sind uns allen zur Zeit fast schon so präsent wie unsere Luft zum Atmen. Nicht nur in der Literatur, auch in allen anderen Medien schlägt der Vampir erbarmungslos zu. Und das nicht zum ersten Mal!
Es gab schon öfter Vampirpaniken.
Mehr darüber verrät Florian Kührer in seinem Buch "Vampire - Monster, Mythos, Medienstar". Und mehr über sich verrät er uns in unserem Geisterstundeninterview.











1. Stell dich und dein Buch doch bitte einmal vor!

Hallo, meine Name ist Florian Kührer-Wielach, ich bin Historiker mit einem Schwerpunkt auf die Geschichte des östlichen Europas. Mein Buch versucht einen brauchbaren Überblick über den Vampir-Mythos zu geben, ohne zu sehr selbst „Opfer“ des vampirischen Diskurses zu werden.

2. Jedes Kind träumt von einem Beruf – Astronaut, Feuerwehrmann, Drachentöter. Woher kommt deine Faszination für Geschichte und der Schwerpunkt Osteuropa?

Nun, das ist schwierig zu sagen. Am Ende ist es wohl das grundlegende Interesse am menschlichen Dasein mit seinen Facetten. Die Geschichte und vor allem den „fremden“ Osten zu erforschen ist ein möglicher Zugang von vielen. Nichts sagt mehr über uns aus, als die Sicht auf das und Umgang mit dem Gegenüber – die „Anderen“.

3. Mich selbst faszinieren Vampire seit  ich 1994 vor dem Plakat zu „Interview mit einem Vampir“ stand. Warum interessiert dich dieser Mythos so sehr?

Weil er gleichzeitig so banal und so komplex ist. Im Vampir geht sich alles aus – wenn es sein jeweiliger Schöpfer, seine Schöpferin so will. Und weil ihn jeder zu kennen scheint, am Ende aber oft nicht mehr übrigbleibt als oberflächliche Informationsfetzen, die historische „Tatsachen“ und mediale Verwertung vermischen. Am spannendsten ist aber, wie eine solche Figur auf das Image einer ganzen Region wirkt. Wer denkt nicht an Vampire, wenn er „Transsilvanien“ hört. Die Region, Siebenbürgen, der „Osten“, hat so viel mehr zu bieten!

4. Zwischen dem „original“ Vampir und dem Bild, das wir heute haben, liegen Welten. Warum ist bzw. war der „historische“ Vampir nicht salonfähig?

Weil er seine schlechten Eigenschaften (Menschen töten, Seuchen verbreiten) nicht mit dem eleganten Outfit und den geschliffenen Manieren eines romantischen Helden kaschieren konnte.

5. Für die Recherche zu deinem Buch hast du dich mit verschiedenster Literatur und diversen Filmen auseinandergesetzt. Welches Vampirbild sagt dir am meisten zu?

Ich finde das Bild der selbstbewussten Vampirin (oder auch der Vampirjägerin) interessant. So etwas wie die femme fatale, die gelernt hat, zu etwas nütze zu sein. Und dann der urtypische „byronsche Vampir“ – der bewunderte und gleichzeitig gehasste Einzelkämpfer. Der muss dann nicht unbedingt Dracula heißen, sondern tritt auch einmal als „Phantom der Oper“, Batman (wie er vor allem in den letzen Filmen rüberkommt) oder Politiker auf.

6. Hand aufs Herz: Was hältst du von Twilight?

Am Ende mag ich den indigenen Werwolf lieber.

7. Mal was anderes: Wenn du dich nicht mit Vampiren oder Geschichte rum schlägst, was machst du dann?

Da schreibe ich an meiner Dissertation über Siebenbürgen. Hm, das ist ja schon wieder Geschichte… Ich sollte mehr Sport machen.

8. Welches Buch liest du gerade?

„Vatermord“, der erste Wiener Uni-Krimi. (Zumindest der erste, der nicht nur auf Tatsachen beruht.) Und Tomas Sedlaceks „Ökonomie von Gut und Böse“ – großartig!

9. Gibt es ein anderes mystisches Thema, über das du gerne mal schreiben würdest?

Schauen wir mal…

10. Meine persönliche Lieblingsfrage: Gibt es Menschen, die dich in deinem Wirken geprägt haben? Vorbilder?

Vorbilder wäre zuviel gesagt, in Teilbereichen finde ich aber viele Menschen nachahmenswert.

11. Meine größte Sorge und ich hoffe, du kannst mir die Angst nehmen: Hat der Vampir, so wie ich ihn kennen und lieben gelernt habe, nach dem Twilighthype noch eine Überlebenschance?

Er ist ja schon tot und das wird ihm weiter am Leben erhalten. Untote Kollegen – Zombie und Co. –  werden ihm jedoch niemals den Rang ablaufen, er hat einfach die besseren Umgangsformen und steht für die Einzigartigkeit, die wir alle so gerne leben würden. Die Fragen ist nur: gönnen wir ihm und uns vielleicht ein bisschen Pause? Dann kann er sich einst wieder ein mehr mit grundlegenden Fragen auseinandersetzen. Sein narratives Potential liegt ja in seiner Tragik – auf Twilight gemünzt heißt das, dass der Werwolf seine Rolle eingenommen hat. Und damit interessanter ist. Tragisch, dass das viele nicht bemerken und die langweilige Spaghettimonsterfamilie aus der Bauhaus-Villa bevorzugen.

12. Zum Schluss, berühmte letzte Worte? Etwas, das du immer schon mal sagen wolltest?

Lieber nicht, das wäre wohl nicht mehrheitsfähig ;-)

Rezensionen zu seinem Buch findet ihr hier und hier.

Mendea
 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen