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Freitag, 25. Januar 2013

Buch - "Eine Reihe betrüblicher Ereignisse - Der schreckliche Anfang" von Lemony Snicket







Titel: Eine Reihe betrüblicher Ereignisse 1 – Der schreckliche Anfang
Autor: Lemony Snicket
Genre: Kinderbuch/Humor
Verlag: cbj
Seiten: 166
Preis: 6,95 € (Taschenbuch)






Klappentext:
Lemony Snicket berichtet wahrheitsgetreu vom Schicksal der bemitleidenswerten Geschwister Violet (14), Klaus (12) und Sunny (Baby) Baudelaire. Die drei Waisenkinder sind zwar klug, charmant und einfallsreich, und sie sehen reizend aus, aber das nützt ihnen leider gar nichts. Eine Reihe betrüblicher Ereignisse nimmt ihren Lauf …

Das erste Buch berichtet davon, wie die Waisenkinder mit einem widerwärtigen Bösewicht, hässlicher, kratzender Kleidung, einem schrecklichen Feuer und klumpigem Haferbrei zum Frühstück fertig werden müssen.

Meine Meinung (ohne erhebliche Spoiler):
Wie vielleicht schon durch die Inhaltsangabe vom Klappentext klar geworden ist, handelt es sich bei „Eine Reihe betrüblicher Ereignisse“ nicht nur um ein Kinderbuch, sondern um ein Buch, dass durch einen sehr feinen Humor auch unter Erwachsenen, zumindest bei denen, die vorlesen, beliebt sein kann.

Violet, Claus und Sunny verlieren ihre Eltern und ihr Zuhause durch ein verheerendes Feuer und müssen daraufhin zu ihrem nächsten Verwandten, Graf Olaf. Der behandelt sie sehr schlecht und ist im Grunde nur auf ihr Vermögen aus. Violet, Claus und Sunny durchschauen die Absichten von Graf Olaf und versuchen daraufhin ihn aufzuhalten.

Die Geschichte ist wirklich kindgerecht: Es gibt einen Bösen und es gibt die Guten. Es kommt keine Gewalt vor, keine Kraftausdrücke oder Ähnliches. Zugleich ist der Plot aber nicht vollkommen vorhersehbar wie andere Kinderbücher. Der Stil ist relativ simpel, ohne jedoch langweilig zu werden. Er passt zu dem Erzähler, der auch als Person immer mal wieder in die Erzählweise eingreift.

Auch die Charaktere sind typisch für Kinderbücher und zeichnen sich durch einige wenige markante Eigenschaften aus: Claus ist ein Bücherwurm, Violet eine Erfinderin und Sunny, die gerade erst ihre Zähne bekommt, beißt für ihr Leben gern in Dinge. Dadurch, dass den Kindern großes Unglück geschieht, ist ihnen die Sympathie des Lesers auch direkt gewiss. Sie sind aber auch clever, gewitzt und haben alle ihre Stärken, die innerhalb des Plots wichtig werden, daher bleiben sie sympathisch, auch für Jüngere.

Das besondere an dem Buch ist allerdings wirklich der hintergründige Humor. Kleinen Kindern wird er kaum auffallen, aber in der Geschichte sind immer wieder einige Sätze, bei denen man als Erwachsener einfach schmunzeln muss. Zum Beispiel wenn Sunny ein „Gabwäh“ von sich gibt und der Erzähler vermutet, es könnte wohl heißen, dass Sunny eine derartige Vermutung, wie die grad geäußerte, von sich weist oder etwas in die Richtung. Oder wenn kompliziertere Worte mit einem Einschub wie: „ - das heißt übrigens dies und das, wie du sicherlich weißt -“ kommentiert werden. Oder auch die Zeichnung der Justitia-Statue im Banken-Viertel, die das Schwert gesenkt hat und das Dollarzeichen in die Höhe hält.



Oftmals wird dieses Humoristische auch dadurch erzeugt, dass der Erzähler die Grenze zwischen ihm und dem Leser durchbricht, ihn anspricht und zum Beispiel an einer spannenden Stelle pausiert, weil angeblich seine Schreibmaschine klemmt. (Speziell diese Szene kommt allerdings erst im zweiten Band vor, hier nur zur Verdeutlichung aufgeführt!) Ich persönlich mag den Humor des Buches total und lese es gerne, obwohl es eigentlich tatsächlich ein Kinderbuch sein könnte.

Wer den Film „Lemony Snicket – Rätselhafte Ereignisse“ kennt, der auf den ersten drei Büchern beruht, weiß vermutlich schon ungefähr, wo er die Geschichte und den Humor verorten sollte. Der Stil und der Plot sind allerdings wirklich kindgerecht und wer nach dem Film mehr Erwachsenen-Elemente vermutet, wird vermutlich enttäuscht. Ohne den Film zu kennen, schätzt man das Buch meines Erachtens nach sogar besser ein, obwohl der Humor schon an einigen Stellen identisch ist.

Fazit:
Womöglich eines der besten Bücher zum Vorlesen, denn neben den Kindern selbst dürften auch die Erwachsenen mit den versteckten Anspielungen und der lustigen Erzählweise ihren Spaß haben. Wer allerdings eher derben Humor mag oder flotte Sprüche, wird hier nicht fündig, denn es ist wirklich ein feiner Schmunzelhumor, da Kinder, die das Buch lesen, sonst vermutlich auch irritiert davon wären. So dürfte er aber unentdeckt bleiben, und dieser Spagat zwischen Humor für Erwachsene, der Kindern unbemerkt bleibt, aber zugleich auch ihnen eine interessante Geschichte bietet, ist ein ganz großes Plus des Buchs! Hut ab vor dem Autor! 4,5 von 5 Punkten!


Hier die Videorezension:


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