Seiten

Montag, 7. Januar 2013

Buch: "Die Herrin der Zeit" von Sina Beerwald

www.weltbild.de





Titel: Die Herrin der Zeit
Autor: Sina Beerwald
Genre: Historischer Roman
Verlag: Heyne Verlag
Seiten: 503
Preis: 8,95€






Der Klappentext:
Wer löst das Geheimnis um die Zeit?

Hamburg 1757: Sehnsüchtig wartet Merit auf die Heimkehr ihres Mannes. Wie viel sicherer wäre die Seefahrt, wenn man endlich die Position eines Schiffes auf See bestimmen könnte? Das britische Königshaus hat ein hohes Preisgeld für eine solche Erfindung ausgelobt. Die junge Mutter hat eine Idee, so genial wie wagemutig. Sie verspricht ihrem Sohn, dem Sternenhimmel das Geheimnis um die Zeit zu entlocken.

Die Rezension:
Ich hatte von der Autorin eigentlich mehr erwartet, da sie zu meinen Lieblingen zählt, wenn es um Historische Romane geht. Ganz begeistern konnte mich das Buch leider nicht. Ich war besseres von ihr gewohnt.
Nach den ganzen Fantasybüchern fand ich es ganz schön, mal wieder einen Historischen Roman zu lesen. Nur sind sie doch ganz anders und es war etwas ungewohnt ein langsameres Buch zu lesen (ja, es gibt sicher auch viele langwierige Fantasyromane...).

Es dauerte ein wenig, bis sich der Leser in die Handlung einfand und es interessant wurde, zumindest war es bei mir so. Das Buch dreht sich ja um das Thema Zeit und die Bestimmung des Längengrades, damit die Schiffe sicher über die Meere segeln können. Das wird am Anfang stark ausgeweitet. Sodass ich auch nach wenigen Seiten dachte: »Jaha, ich habe es jetzt verstanden!«. Es wurde aber zunehmend besser und die Wiederholungen waren später auch weniger nervend. Es ist nun mal DAS Thema des Buches, also muss es auch darum gehen.

Das fand ich bei der Umsetzung auch sehr gut. Manche Romane haben zwar ein Hauptthema, aber es dauert eine Ewigkeit, bis es wirklich darum geht, oder es ist nur eine Randnotiz. Dieses Buch befasst sich wirklich intensiv damit und verliert nie den Faden. Trotzdem lässt es noch genug Spielraum, dass die Handlung nicht so eng ist. Auch merkt man, dass die Autorin sich stark mit dem Uhrenbau befasst hat, ebenso mit Der Schifffahrt und dem Sternenhimmel.

Sina Beerwald brilliert mit vielen Details und Erklärungen, schönen Beschreibungen und guten Vergleichen. Sie hat es geschafft, dass Thema verständlich und spannend umzusetzen.
Gut fand ich zudem, dass viele Beschreibungen an das Thema Zeit und Schiffe angepasst waren und so auch beim Leser das Gefühl aufkam, dass in den Köpfen der Personen wirklich diese Themen vorherrschend waren. An manchen Stellen war es eventuell zu viel, vor allem am Anfang, aber vor der Konsequenz das bis zum Ende durchgehalten zu haben, habe ich echt Respekt.

Schade fand ich, dass es kein Personenregister gab, was ich bei Historischen Romanen immer sehr interessant finde, einfach um zu sehen, welche Personen wirklich historisch und welche fiktiv sind. Im Nachwort allerdings geht die Autorin auf ihre Personen ein, was das fehlende Register wieder wett macht.
Es waren auch nie zu viele Personen, wo ein Register noch ein guter Überblick gewesen wäre. Für mich war es leicht sie zu unterscheiden (nur bei Hamilton und Harrison geriet ich leicht ins Straucheln), was nicht zuletzt an den einprägsamen Eigenschaften lag, die jede Person besaß.

Die Personen waren sehr schön ausgearbeitet und gefielen mir gut. Jeder hatte stark ausgeprägte Charaktereigenschaften. Mir gefiel auch die Entwicklung der Personen und die Einbettung in den historischen Kontext, der ja auch gern mal vergessen wird, sehr gut. Oft sind mir die Figuren zu freizügig oder ungewöhnlich für die gegebene Zeit, das ist bei den Beerwald-Büchern definitiv nicht der Fall. Bei ihr könnte alles wirklich so passiert sein und das finde ich schon sehr beeindruckend.

Es hatte an manchen Stellen seine Längen, aber auch spannende Momente. Da wären zum Einen die Briefe. Die fand ich oft spannend, auch wenn ich eine gewisse Abneigung gegen sie hatte, weil der Schreibende so »böse« erschien. Ein kleines Manko in ihnen waren die Vorgriffe auf das Geschehen. Das, was passierte und im Brief angesprochen wurde, hat mich, außer am Ende dann kaum noch mitnehmen können, als es soweit war. Oft saß ich da und dachte mir: »Ja, traurig, aber wusste ich schon.« Ein »Oh nein!« gab es erst gegen Ende. Dennoch eine schöne Idee, die Zeit sprechen zu lassen.
Zum Anderen hat die Autorin es doch geschafft, es spannend zu machen und den Leser mit seinem Verdacht hin und her zu schieben. Das fand ich schon in »Die Goldschmiedin« sehr gelungen, wo ich auch bis kurz vor Ende nicht wusste, wer nun der Gegner ist. In »Die Herrin der Zeit« war ich aber auch oft hin und her gerissen, allein schon, was das Vertrauen zu gewissen Personen anging. Nie konnte ich mir sicher sein, wer gut und wer böse ist. Das gibt in jedem Fall noch einen Pluspunkt.

Einige Sachen fand ich nicht so gut gelungen. An manchen Stellen war es mir auch zu langwierig. Aber alles in allem doch ein gutes Buch, auch wenn es in meinen Augen nicht an »Die Goldschmiedin« oder »Das blutrote Parfum« anknüpfen kann.
Dennoch viele schöne Beschreibungen, ein interessantes Thema und eine gelungene Umsetzung!
Für jeden Historien-, Schifffahrts- und Uhren-Fan allerdings ganz klar meine Empfehlung!

3,5 von 5 Skulls von mir.


eure engelsmomente

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen