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Sonntag, 27. Januar 2013

Buch - "Die Feuerkämpferin - Im Bann der Wächter" von Licia Troisi






Titel: Die Feuerkämpferin 1 – Im Bann der Wächter
Autor: Licia Troisi
Genre: High Fantasy
Verlag: Heyne
Seiten: 507
Preis: 8,99 € (Taschenbuch)







Klappentext:
Der Untergang droht. Eine mysteriöse Krankheit droht alle Bewohner der Aufgetauchten Welt auszurotten. Einzig Adhara, die Nymphenblut in ihren Adern trägt, verheißt Rettung. Gemeinsam mit ihrem Gefährten, dem Drachenritter Amhal, macht sie sich auf den gefahrvollen Weg ins Feindesland. Wird es ihr gelingen, das Böse ab[zu]wenden? Wird sie ihre Welt retten können?

„Licia Troisi ist die Königin der Fantasy.“ - Panorama

Meine Meinung (ohne erhebliche Spoiler bezüglich aller Licia Troisi-Werke):
„Ich mochte Licia Troisi mal.“ Wenn ich die Rezension so beginne, ist ja im Grunde schon klar, worauf es hinausläuft.
Ich habe mit „Der Drachenkämpferin“ die Reihen von Licia Troisi angefangen und war begeistert. Obwohl es sehr, seeehr klassische Fantasy ist, gab es nette Aspekte, und mal eine Frau als mutigen Ritter und Hauptcharakter; das war einfach interessant. Der dritte Band schwächelte schon, aber ansonsten eine sehr tolle Trilogie. Danach kam „Die Schattenkämpferin“-Reihe – und ich war einfach nur enttäuscht. Dieselben Probleme wie bei der „Drachenkämpferin“, das Ende von der „Drachenkämpferin“-Trilogie noch mal komplett umgedreht, langweilige, unsympathische Charaktere, und daraus resultierend ein blöder Plot, weil die Charaktere sich unintelligent und schwach benehmen. Eine der langweiligsten, schlechtesten Reihen, die ich je gelesen hatte.
Der erste Band von „Die Feuerkämpferin“ liegt irgendwo dazwischen: er ist nicht so schlecht, wie die „Schattenkämpferin“-Reihe, aber bei weitem nicht so gut, wie die „Drachenkämpferin“-Trilogie.

Ein Mädchen erwacht ohne jede Erinnerung auf einer Wiese, schleppt sich zur nächsten Stadt und wird dort von Amhal, einem Drachenritter, vor zwei Verbrechern gerettet. Er gibt ihr notgedrungen den Namen Adhara und nimmt sie mit sich, um ihr dabei zu helfen, ihr Gedächtnis zurückzuerlangen. Währenddessen breitet sich eine mysteriöse Epidemie über die Aufgetauchte Welt aus und die langen Zeiten des Friedens scheinen vorüber zu sein ...

Das klingt erst mal nach einem ganz spannenden Buch. Woher kommt das Mädchen? Was hat es mit ihr auf sich? Wieso hat sie keine Erinnerung? Dachte ich... Aber all diese Fragen werden für den Leser mehr oder weniger schon im Prolog beantwortet, was diesem Buch einen Großteil seines Reizes nimmt. Ständig hängt man hinter Adhara her, die versucht, etwas über sich herauszufinden, obwohl man selbst schon das meiste weiß. Das ist recht frustrierend.

Abgesehen davon enthält der Klappentext nicht nur Grammatik- und Stilfehler, sondern stellt auch ziemlichen Schwachsinn dar: Adhara verheißt überhaupt keine Rettung! Jedenfalls nicht im ersten Band, denn da breitet sich die Krankheit nur aus und Adhara hat nix damit zutun, außer dass sie immun ist. Das Besondere ist eigentlich auch nicht, dass Adhara Nymphenblut hat, sondern Amhal! Und der „gefahrvolle Weg ins Feindesland“ findet überhaupt nicht statt. Es gibt ihn nicht. Die Fragen - „Wird es ihr gelingen, das Böse abzuwenden? Wird sie ihre Welt retten können?“ - spielen nicht die geringste Rolle im ersten Band.
Was sollen diese dreisten Falschaussagen? Vom Klappentext eines Buches erwarte ich dessen Zusammenfassung – und nicht die Zusammenfassung von dem, was eventuell noch in den Folgebänden passieren könnte. Als Leser bin ich doch dann auch nicht zufrieden mit dem Buch, wenn ich es mir mit solchen Erwartungen kaufe und dann nichts davon geschieht und die Erwartungen mehr als enttäuscht werden! Da verstehe ich manche Verlage einfach nicht … Ob Absicht, um die Verkaufszahlen anzukurbeln, oder blöd aus dem Original übernommen – so oder so ein großer Patzer und enttäuschend von Heyne!

Plottechnisch setzt das Buch – genau wie die „Schattenkämpferin“-Reihe – die Trilogie von zuvor mehr oder weniger fort. Die Protagonisten aus den vorhergehenden Bänden spielen hier also wieder eine Rolle, und wer nicht (mehr ganz genau) weiß, wie die „Schattenkämpferin“ geendet hat, wird Probleme haben Namen und Personen zu verbinden und sich wieder in die Welt einzufinden. Abermals wird auf diese Weise einer abgeschlossenen Trilogie im Nachhinein ein anderes Ende verpasst, was ich als Leser dieser abgeschlossenen Trilogie wie einen kleinen Betrug empfinde. Wozu freue ich mich über Happy Ends, bzw. bin traurig im Fall, dass es keines gibt, wenn im Nachhinein mit der nächsten Reihe ohnehin noch mal alles umgeworfen wird?

Auch die Charaktere und Probleme konnten mich nicht so überzeugen wie in „Die Drachenkämpferin“. Die Personen sind nicht so unsympathisch, wie ich diejenigen aus „Die Schattenkämpferin“ in Erinnerung hatte, und selbst diese haben, wenn sie in „Die Feuerkämpferin“ auftauchen, eine Wandlung durchgemacht und sind jetzt runder und besser ausgearbeitet. Aber gut sind sie nicht.
Außerdem hat man das Gefühl, sie alle schon mal so oder ähnlich gesehen zu haben. Licia Troisi scheint es für einen wesentlichen Charakterzug eines Kriegers zu halten, dass er stets ein Problem mit der Wut hat, denn das scheint immer(!), in jeder ihrer Trilogien, das Grundproblem zu sein. Das langweilt mich mittlerweile sehr bei ihr, obwohl die Geschichte an sich jetzt auch nicht die allerschlechteste war, aber nach den vorhergehenden Trilogien auch einfach nicht mehr spannend.
Als kleiner Zusatzkritikpunkt: die wichtigen Namen fangen zum Großteil mit A an und klingen auch noch ähnlich. Ist das nötig? Ich bin teilweise schon sehr durcheinander gekommen, obwohl man das leicht hätte verhindern können, indem man die Namen geändert hätte. Da hilft auch das Personenregister wenig weiter, wenn ich die Namen im Fließtext aufgrund ihrer Gleichheit ständig falsch lese.

Der Stil ist gewohnt gut gehalten, die Charaktere werden auch ausführlicher dargelegt. Das Tempo geht so, aber man erwartet mehr Handlung, mehr Aktion. Ebenso bei der Fantasywelt: Man kennt sie bereits und erwartet irgendwas Neues, aber da kommt nichts Neues. Schade.
Handwerklich ist das Buch also nicht sehr gut, aber auch nicht schlecht geschrieben. Inhaltlich hingegen versagt es ziemlich.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich mir die Folgebände kaufen werde – was bei mir echt was heißt, weil ich noch keine Trilogie, nicht mal „Die Schattenkämpferin“ nach dem ersten Band abgebrochen habe. Bei dieser Geschichte interessiert es mich aber wirklich nicht, ob Adhara und Amhal versagen oder siegen, denn die Charaktere an sich sind mir ziemlich egal, genau wie die Aufgetauchte Welt, die offenbar nichts Interessantes, nichts Neues zu bieten hatte.

Fazit:
Trotz allem gibt es 2,5 von 5 Punkten und keine Kaufempfehlung, da ich auch nicht wüsste, welchem Publikum ich es empfehlen sollte: diejenigen, die die vorherigen Trilogien kennen, dürfte die Thematik mittlerweile langweilen und diejenigen, die sie nicht gelesen haben, werden nur sehr schwer in die Welt reinfinden und Personen, Orte und Namen nicht zuordnen können. Dafür ist das Buch handwerklich in Ordnung, die Charaktere nicht vollkommen nervig und die Handlung verständlich und auch nicht allzu lahm vorgetragen, aber eben auch nicht spannend.


Hier die Videorezension:


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