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Montag, 21. Januar 2013

Hörbuch - "Der Weg in die Schatten" von Brent Weeks

buecher.de







Titel: Der Weg in die Schatten
Autor: Brent Weeks
Genre: Fantasy
Sprecher: Bodo Primus
Verlag: Random House Audio, Deutschland
Länge: 21 Std. 27 Min. (ungekürzt)
Preis: 29,95 (erhältlich bei audible.de)









Der Klappentext:
Durzo Blint ist ein gefährlicher Mann, ein unübertroffener Meister in der Kunst des Tötens. Doch für den Gassenjungen Azoth ist der gefürchtete Meuchelmörder die einzige Chance, am Leben zu bleiben - denn der allgegenwärtige Hunger und die Schrecken der Straße würden für Azoth über kurz oder lang den sicheren Tod bedeuten. Doch Durzo Blint ist in der Auswahl seiner Lehrlinge äußerst wählerisch - und es ist gut möglich, dass der Weg in die Schatten einen weit höheren Preis fordert, als Azoth es sich je vorstellen konnte...

Die Rezension:
WOW, einfach nur WOW!!! Eins der besten Hörbücher, die ich je gehört habe. Aber eine Rezension zu verfassen wird eine wahre Herausforderung werden, denn es ist auch das längste und komplexeste Hörbuch, das ich je gehört habe.

Die Handlung erstreckt sich ca. über ein Jahrzehnt und spielt in der fiktiven Stadt Cenaria, welche sich in der Welt Mcyru befindet. Diese besteht mehr oder weniger aus zwei Teilen: da wäre zunächst das Labyrinth. Hierbei handelt es sich um die Slums der Stadt. Stark abgegrenzt davon gibt es die sogenannte Ostseite, in welcher die Adligen und der König im Schloss leben.
Cenaria an sich grenzt wiederum an Khalidor, ein riesiges Reich, welches sich immer weiter auszudehnen droht.
Wie zu erkennen ist, erstreckt sich die Handlung über einen sehr großen kartografischen Bereich. Jedoch empfand ich dies zu keiner Zeit unübersichtlich, ganz im Gegenteil, der Autor hat ein wahnsinniges Gespür dafür die richtigen Worte zu finden, um einem die Umgebung gut zu veranschaulichen.

Des Weiteren werden die Geschehnisse aus unglaublich vielen verschiedenen Perspektiven erzählt, wovon einige wiederholt auftreten und andere nur ein einziges Mal. Somit können Hauptcharaktere nur schwer festgelegt werden.
Da wäre zunächst Azoth, eine Gilderatte. Das bedeutet er lebt im Labyrinth und gehört zu einer Gruppe von Kindern und Jugendlichen, welche sich ihren Lebensunterhalt als Straßendiebe verdienen. Azoth ist zu Beginn elf Jahre alt und leidet sehr unter der ewigen Schikane des Geldeintreibers der Gilde, namens Ratte. Seine einzigen wahren Freunde innerhalb der Gilde sind Puppenmädchen, ein stummes fünfjähriges Mädchen, und Jarl, ein dunkelhäutiger Junge in seinem Alter. Azoths Traum ist es, der Gilde zu entkommen und Lehrling des legendären Blutjungens Durzo Blint zu werden. Ein Blutjunge ist ein besserer Meuchelmörder, da er im Gegensatz zu diesem auch über Magie verfügt. Nun folgt der meiner Meinung nach grausamste Teil der Geschichte. Ratte hält sich Lustsklaven innerhalb der Gilde und als Azoth beginnt gegen ihn aufzubegehren, macht er Jarl zu einem eben dieser. In seiner Verzweiflung schafft es Azoth seinen Wunsch, sein Lehrling zu werden endlich überzeugend an Durzo heranzutragen. Dieser nimmt ihn, unter der Bedingung Ratte zu töten, auf. Azoth zögert zu lange und Ratte massakriert Puppenmädchen. Schließlich schafft er es, Ratte auf sehr grausige Art zu töten und wird Durzos Lehrling. Er beginnt ein neues Leben, unter dem Namen Kylar Stern, auf der Ostseite Cenarias. Im Verlauf seiner zehnjährigen Ausbildung gerät er immer tiefer in die Intrigen, welche diese Stadt umwickeln und kämpft mit seinen inneren Konflikten bezüglich Moral und Loyalität. Dabei kann er jedoch nie aufhören, Puppenmädchen, welche nun ein entstelltes Gesicht hat, zu lieben und aus der Ferne zu beschützen.
Azoth/Kylar ist ein, bis in die hintersten Winkel, gut durchdachter Charakter. All seine Gefühlslagen und Handlungen werden schlüssig erzählt. Trotz der Tatsache, dass er schließlich ein Mörder wird, war er mir immer sehr sympathisch. Ich habe bei all seinen Schicksalsschlägen, und davon gibt es sehr viele, mit ihm gelitten. Es war beeindruckend einen solchen Charaktere bei seiner Entwicklung mitzuerleben, vom ängstlichen Gossenkind zu einem der gefürchtetsten Männer des Landes.

Neben Azoth/Kylar lässt sich Durzo Blint wohl noch als Hauptcharakter einstufen. Hierbei handelt es sich um eine sehr undurchsichtige und vielschichtige Person. Selbst in den Abschnitten, in welchen die Handlung aus seiner Perspektive erzählt wird, konnte ich seine Pläne nie wirklich durchschauen. Er hat mindestens genau so viele Schicksalsschläge wie Kylar erlebt, doch im Gegensatz zu diesem ist er im Laufe der Jahre an ihnen zerbrochen. Was zurück blieb, ist ein, immer noch Tod bringender, Mann voller Verbitterung. Doch seid gewarnt: Durzo Blint sorgt im Verlauf der Handlung für den einen oder anderen „OH-Mein-Gott“- Moment.

Weitere wichtige Charaktere wären Logan Gyer, ein junger Lord, welcher ein sehr ehrenvoller Mensch ist, aber leider ein Opfer der Intrigen bei Hofe wird. Dann gäbe es noch Momma K, die ehemals sehr beliebte Kurtisane, welche nun Herrscherin über die gesamte Prostitution Cenarias ist. Außerdem ist sie eines der Oberhäupter der Sa`Kage, der Mafia Cenarias.
Es würde viele Seiten lang dauern, um alle Personen und ihre Beziehungen zu einander zu erläutern. Aber genau das zeigt auch, wie genial Brent Weeks' Geschichte doch ist. Trotz dieser Vielzahl an Charakteren hat sich die Geschichte eines jeden von ihnen in meinen Kopf gebrannt, nichts ging unter oder verloren. Selbst der unwichtigste Charakter wurde mit einer solchen Tiefe versehen, dass er eine erinnerungswürdige Persönlichkeit wurde.

Die gesamte Geschichte ist wahnsinnig düster und niemals ist etwas schwarz oder weiß. Ich habe immer mit dem schlimmsten gerechnet und immer traf es noch schlimmer ein. Irgendwann entwickelte ich einen solchen Sarkasmus der Geschehnisse gegenüber, dass ich an den schrecklichsten Stellen nur noch lachen konnte. Das ist beeindruckend. Brent Weeks vermag es wie kein anderer eine trostlose, verbitterte Stimmung zu erzeugen und einem dabei immer noch vor dem Sog davon zu bewahren. Ich blieb immer ein distanzierter Beobachter und das war auch gut so. Sonst hätte ich irgendwann mit dem Hören abbrechen müssen, da es teilweise schon arg grausam ist. Ein weiterer Pluspunkt wäre - und das vermag nicht jeder - dass die sich ständig wechselnden Perspektiven niemals für ein Durcheinander oder Irritation gesorgt haben. Der Wechsel war stets gut durchdacht und auch angebracht. Zudem hatte es für den Hörer einen tollen, wenn auch nervenraubenden Effekt.

All dies dem Hörer angemessen vermitteln zu können wäre nicht möglich gewesen, wenn Brent Weeks nicht über ein großartiges stilistisches Talent verfügte. Seine Sätze sind stets sehr komplex, jedoch habe ich nie den roten Faden verloren. Jedes noch so kleine Detail wird angemessen beschrieben, sodass die Stimmung der Geschichte für den Hörer wirklich greifbar ist.

Der Aufbau der Welt Mcyrus ist logisch und anschaulich. Natürlich musste ich mich erst in die Umgebung der Geschehnisse hineindenken und im ersten Moment ist es wie der Sprung ins kalte Wasser. Keine Einführung, keine Erklärungen, es ist halt einfach so. Aber nach und nach wurde die Zusammensetzung dieser erdachten Welt ersichtlich und genau das, dieses sich erst allmähliche Entwirren der Fakten macht dieses Hörbuch für mich so lobenswert. Es ist nervenzehrend und macht dennoch süchtig.

Der Sprecher:
Der Sprecher, Bodo Primus, hat für mich dem ganzen das Sahnehäubchen verpasst. Klar, er besitzt keine junge, frische Stimme, aber das wäre bei dieser Geschichte wohl auch total unangebracht gewesen. Er schafft es, dass mir manche Charaktere schon beim ersten Hören ihrer Stimme zu tiefst unsympathisch waren. Wenn ich sage „ihrer Stimme“ dann meine ich das auch so, denn trotz der Vielzahl an Perspektiven, die dieses Buch aufweist, hat Bodo Primus es geschafft, dass jede von ihnen einen hohen Wiedererkennungswert hat und ich sie immer gut auseinander halten konnte.


Nach all diesen schwafelnden Lobgesängen auf dieses Hörbuch gebe ich ihm - wie überraschend - fünf Sterne und eigentlich noch einen 6. dazu, weil es wirklich, wirklich empfehlenswert ist.
eure Püppie

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