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Freitag, 23. November 2012

Buch - "Reckless - Lebendige Schatten" von Cornelia Funke





Titel: Reckless – Lebendige Schatten
Autor: Cornelia Funke
Genre: Fantasy/Abenteuer
Verlag: Cecilie Dressler Verlag
Seiten: 413
Preis: 19,95 (Gebunden) / 18,99 (eBook-Kindle)





Klappentext:
Er knöpfte das Hemd auf. „Ich habe nach einer Medizin gesucht.“ Der rote Saum, der die Motte umgab, sah aus, als hätte jemand sie mit frischem Blut umrahmt. Fuchs holte tief Luft. „Was bedeutet das?“ Ihre Stimme klang noch heiserer als sonst. Sie las ihm die Antwort vom Gesicht ab.

Sechs Mal wird die Motte auf seiner Brust zubeißen, bevor sie zurück zu ihrer Herrin fliegt und Jacob dem Tod überlässt. Die fieberhafte Suche nach dem Schatz, der ihn retten könnte, beginnt. Ein Wettlauf gegen die Zeit – und gegen den Goyl Nerron. Dem Goyl geht es darum, der beste Schatzjäger in der Spiegelwelt zu sein. Für Jacob Reckless aber geht es um Leben und Tod.

Meine Meinung (mit einigen Spoilern behaftet, vor allem Reckless Teil 1 „Steinernes Fleisch“ wird gnadenlos gespoilert):
Nachdem ich bereits den ersten Teil von Reckless rezensiert habe (Link: Reckless - Steinernes Fleisch) und fand, dass man sich auf Stil und Plot einlassen muss, wurde ich beim zweiten Teil positiv überrascht.
„Lebendige Schatten“ (seltsamer Titel übrigens, da er nur sehr wenig mit dem Inhalt zu tun hatte, ganz im Gegensatz zum Titel von Band 1) setzt die Geschichte aus „Steinernes Fleisch“ nahtlos fort: Jacob konnte Will retten und hat ihn und Clara zurück in unsere Welt geschickt. Den Preis dafür, dass er den Namen der Dunklen Fee ausgesprochen hat, trägt Jacob nun auf der Brust: eine rote Motte, die ihn sechs Mal beißen und anschließend dem Tod überlassen wird. Jacob und Fuchs suchen ein Heilmittel, und stehen dabei in Konkurrenz zu Nerron, einem Schatzjäger der Goyle.

Diesen Wettlauf der Kontrahenten stellt den Plot dar. Was auf den ersten Blick stringent und etwas fade aussieht, wurde von Funke jedoch sehr schön aufgebaut und ist eben doch kein so geradliniger Plot, wie es auf den ersten Blick aussehen mag. Dies liegt unter anderem auch daran, dass eine Erzählperspektive nun die von Nerron ist, dem Gegenspieler Jacobs. Dabei wirkt der Goyle selbst auch sehr sympathisch und man gönnt es ihm fast ebenso sehr wie Jacob den Schatz zuerst zu finden. Während ihrer Zusammentreffen jagen sie sich gegenseitig Schätze ab und versuchen den anderen zu vernichten, man ist sich daher nie sicher: haben Jacob und Fuchs es jetzt geschafft? Oder haben sie nur Nerron in die Hände gespielt? Oder andersherum, hat Nerron damit jetzt einen Vorteil oder läuft er Jacob im nächsten Moment in die Arme und muss das Zeitliche segnen?
Und Jacob und Fuchs (und auch Nerron) schaffen dies Mal wenigstens etwas! Im ersten Teil war es größtenteils so, dass die Helden zwar allerhand probieren, aber letztlich nichts funktioniert, bis auf die Flucht, die sie daraufhin antreten müssen. Und manchmal gelingt nicht mal die. Im zweiten Teil hingegen sind die Helden auch durchaus erfolgreich und die Niederlagen treffen den Leser dadurch härter, was das Buch deutlich lesenswerter macht!

Die Spiegelwelt wird im Buch weiter ausformuliert: es liegt dem Buch nun eine Karte eines alternativen Europas bei (der Spiegelwelt eben), was sehr hilfreich ist, da die Reise doch durch viele verschiedene Gegenden führt. Noch immer kämpfen Magie und Märchen gegen Maschinen und Industrialisierung und auch der Kampf der Goyle gegen die Menschen ist noch nicht gänzlich vorüber. Das Düstere und teils auch Brutale der Geschichte bleibt also erhalten, was, wie ich mittlerweile finde, aber auch einen sehr großen Teil des Reizes ausmacht. Man freut sich immer mehr weitere düstere (oder auch nicht so düstere) Geheimnisse der Spiegelwelt zu erfahren.

Die Charaktere sind gelungen wie stets bei Funke und konnten mich nun – durch einen verbesserten Plot – noch mehr mitreißen. Sehr interessant war in meinen Augen Nerron als Gegenspieler.

Zum Schluss komme ich noch einmal auf den Stil zu sprechen, da er mich bei Reckless doch arg beschäftigt. Im ersten Teil musste man sich überzeugen lassen: der Stil war knapp, pointiert, emotionaler, phantastischer, surrealer. Teilweise gab es zahlreiche Ellipsen, und so ziemlich jeder Satz hatte eine ungewöhnliche Form oder ein sprachliches Stilmittel. Der zweite Reckless Teil hat – schon wieder – einen anderen Stil. Aber dieser Stil orientiert sich wieder eher am Stil von z.B. der Tintenherz-Trilogie! Beim ersten waren die Sätze teilweise künstlerischer und phantastischer, aber in meinen Augen auch etwas überladen. Man gewöhnt sich daran und ich bin im Nachhinein wirklich froh 4 von 5 Punkte vergeben zu haben, dennoch ist der Stil im zweiten Teil in meinen Augen angenehmer. Das Künstlerische/Phantastische wird hier wieder zur Betonung einzelner Szenen und Sätze benutzt, und nicht durchweg immer gebraucht. Genauso sollte es sein und das ist ja auch eine der großen Stärken von Funke.

Mir wurde zugetragen, dass einigen Lesern das ständige Todes-Thema übel aufgestoßen ist. Sicher, Jacobs Tod wird oft thematisiert. Letztlich ist genau das ja der Grundstein des Plots und gleichzeitig das Finale. Sein Tod hängt über allem, treibt ihn zur Eile an und verdüstert die Stimmung. In meinen Augen sollte das auch genauso sein! So kommt Atmosphäre auf und es wird klar, dass es nicht um irgendwas geht und tatsächlich Gefahr droht. Aber auch die Sichtweise, dass weniger hier vielleicht mehr gewesen wäre und einige Todes-Prophezeihungen gestrichen werden könnten, ist vertretbar.

Fazit:
Mit dem zweiten Teil hat mir Funke die gesamte Spiegelwelt-Reihe deutlich näher gebracht, sodass ich jetzt nicht nur „Lebendige Schatten“ sondern auch „Steinernes Fleisch“ in einem besseren Licht sehe. Der Stil ist toll, die Geschichte spannend, die Charaktere großartig. Ich freu mich schon auf den dritten Teil.
Punktetechnisch schrammt der zweite Teil knapp an den 5 Punkten vorbei und bekommt von mir gute 4 Punkte. Ein Punkt wird durch einige kleine Fehler, unnötige Szenen und vielleicht zu langwährige Betonungen abgezogen, diese stören jedoch kaum.



Hier der Link zur Videorezension:


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