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Samstag, 24. November 2012

Buch - "Cold Belt – Feuerblut" von Deborah C. Winter






Titel: Cold Belt – Feuerblut (Band 1)
Autor: Deborah C. Winter
Genre: Fantasy / Romantik
Verlag: Silberflügel Verlag / CreateSpace Amazon
Seiten: 244
Preis: 7,44 (Taschenbuch) / 2,99 (eBook-Kindle)







(Bildquelle: amazon)

Klappentext:
Lily ist 17 und zieht mit ihren Eltern und ihrem jüngeren Bruder aus New York weg, da ihr Vater in Harts wieder Arbeit gefunden hat. 2027 hat die Erde ihren Dritten Weltkrieg gut überstanden und baut sich wieder eine Wirtschaft auf. Der Krieg fand damals mit den Vampiren statt, die sich öffentlich zu ihrer Rasse bekannten. Da man sie aber jagte wie Tiere, wehrten sie sich und so kam es zu einer weltweiten Krise. Die Menschen schufen die Cold Belts, Sicherheitsreservate, getrennt von den Menschen, so dass beide Rassen in Frieden leben können. Jedoch halten sich nicht alle daran, viele brechen aus, mischen sich unter die Menschen. Und auch Menschen schleichen sich in die Cold Belts, da sie gebissen werden wollen, um ebenso Vampir zu werden.
Lilly und Caleb freunden sich an, bis er ihr sein Geheimnis anvertraut... Rassenkonflikte, Diskriminierung und Widerstand der Vampire, die eine Revolution planen, da sie sich nicht länger einsperren lassen wollen!

Meine Meinung (mit einigen Spoilern behaftet):
Mit nicht einmal 7,50 € für fast 250 Seiten bin ich persönlich rein vom Preis-Lesezeit-Verhältnis vollkommen zufrieden. Die Schrift ist etwas groß und die Abstände zum Rand ungewöhnlich breit, sodass man das Buch vom Umfang her gut in 1, 2 Tagen durchlesen kann. Cold Belt ist ein Taschenbuch ohne Illustrationen, dafür leider mit sehr gewöhnungsbedürftiger Formatierung, die ich mir trotz des guten Preises anders erhofft hätte.
Letztlich haben sich diese 7,50 € allerdings nicht wirklich gelohnt.

Was der Klappentext verspricht – Liebesgeschichte, Nachkriegszeit, Menschen-Vampir-Problematik, dystopische Ansätze, Rassenkonflikte, Revolution, Widerstand – kann der Inhalt leider nicht wirklich halten.
Die Liebesgeschichte ist für mich als Erwachsener nicht ansprechend, hätte mich als Jugendlicher jedoch womöglich noch sehr viel mehr abgeschreckt, so, wie sie hier präsentiert wird – das wird im Verlauf der Rezension hoffentlich noch klar.
Von dem Krieg gegen die Vampire merkt man eigentlich nichts, außer dass vielleicht einmal darauf verwiesen wird, dass jemand durch den Krieg eine ihm liebe Person verloren hat und daher keine Menschen/Vampire mag. Schäden, verseuchtes Gebiet oder auch nur Leute, die im Krieg gekämpft haben und dadurch verbittert sind, sucht man vergebens.
Die Mensch-Vampir-Problematik ist kaum als Problem vorhanden. Sicherlich gibt es irgendwelche Gesetze, aber wenn sie gebrochen werden (was oft vorkommt), hat das nicht ein einziges Mal im Buch Konsequenzen – nachdem Motto: viel Wind um nichts. Neue Aspekte werden nicht mal ansatzweise präsentiert. Was wenn Vampire nur durch Menschenblut aus Menschenkörpern überleben können? Wie soll man einen Mörder lieben? Haben sie überhaupt das Recht ihr Leben auf Kosten von Menschen zu verlängern? Mir stellt sich da die Frage: Wieso so eine schöne Thematik einfach umgehen? Schade.
Die Dsytopie war für mich sehr harmlos, da besagte Straf-Gesetze, die dystopische Züge haben, wie erwähnt, nie Anwendung fanden.
Rassenkonflikte waren das Hauptthema, das mehr Tiefgang erfahren hat, aber überzeugen konnte es mich nicht, da selbst das noch zu oberflächlich präsentiert wurde; da hätte man mehr draus machen können.
Die angekündigte Revolution und den Widerstand gibt es nicht: die einen Vampire sind mit den Gesetzen konform und friedlich, die anderen brechen aus. Hier gibt es keine sich aufheizende Stimmung, die zu einem Putsch führt oder ähnliches.

Inhaltlich bleibt das Buch allgemein stets sehr flach, auf nichts wird genauer eingegangen. Alles wirkt sehr oberflächlich, angerissen, aber nicht tiefer durchdacht.
Konflikte entstehen nicht langsam über die Zeit oder kristallisieren sich aus den Begebenheit heraus, sie sind einfach da! Im einen Moment wird Lily von einer Mitschülerin nicht gemocht, weil sie ganz cool zu ihr sagt, dass sie aus New York kommt und keine Angst vor ihr hat – als nächstes, mehrere Wochen später, aber ohne dass besagte Mitschülerin zwischendurch noch irgendwie weiter durch Lily gereizt wird, will sie Lily und ihre Freunde von ihrem Partner und seiner Gang mit Schlagstöcken verprügeln lassen. Ein bisschen überreagiert? Für den Leser jedenfalls nicht nachvollziehbar. 
Und das Verwirrende trifft auf so ziemlich jeden Konflikt zu... 

Vor allem die Konflikte aus den Gefühlslagen der Personen bzw. die Gefühle allgemein sind anstrengend, da sie wie die Konflikte ohne Unterlass springen: im einen Moment ist Lily fröhlich, dann besorgt, dann ängstlich, dann wütend und schließlich wieder fröhlich – und das auf nur einer Seite!

Hinzu kommen wechselnde Perspektiven: auch die springen, ähnlich wie die Gefühle der Personen, wild umher. Im einen Moment ist man bei Lily, dann plötzlich für zwei Sätze bei ihrer Mutter, für drei Sätze bei ihrem Bruder und den Rest der Szene bei ihrem Vater, oder ähnlich. Das hat nicht nur zur Folge, dass man sich auf keine Person fixiert und sich auch mit niemandem identifizieren kann, es verwirrt auch ungemein. Wenn man eine längere Zeit bei Lily war und sie aus der Szene läuft, erwartet man nicht, die Szene nun weiterhin, und zwar aus der Sicht ihrer Mutter, beschrieben zu bekommen, jedenfalls nicht ohne erkennbaren Wechsel und nicht nur für fünf Sätze. Diese unfixe Perspektive macht vor allem anderen auch die Liebesgeschichte kaputt. Kaum denkt man mal: „Oha, das war aber nicht nett von Caleb! Der böse Typ!“, schon wird sein Handeln aus seiner eigenen Sicht erklärt, sodass keinerlei Spannung aufkommt, denn die wahren Beweggründe der beiden Liebenden sind nie ein Geheimnis.

Allerdings wäre es wohl auch ohne wechselnde Perspektiven und Gefühle schwierig geworden, die Liebesgeschichte zu genießen, da weder Lily noch Caleb sympathisch sind. Sie sind leider genauso wenig unsympathisch, sondern schlichtweg uninteressant. Wo man bei der Biss-Reihe (ja, dieser Vergleich kommt auch noch) wenigstens noch ganz schön angenervt und stinksauer war, wenn Bella zusammenklappt und einfach gar nix mehr macht, ist man bei Cold Belt einfach nicht interessiert. Wenn Lily etwas tut, ist es mir als Leser vollkommen egal, ob sie Erfolg hat oder untergeht (wobei sie allerdings immer bei wichtigen Sachen Erfolg hat). Da beide Hauptprotagonisten sehr sprunghaft, mal mutig, mal ängstlich, mal zickig, mal ruhig, sind, fällt es schwer ihnen konkrete Charaktereigenschaften zu zuschreiben. Eigentlich hat kein Charakter wirklich Tiefgang, die Nebenpersonen noch weniger als die Hauptcharaktere. Vielleicht hat sich die Autorin tatsächlich ausgefeilte Personencharakterisierungen angelegt und weiß, welche Eigenschaften die Protagonisten alle haben, ich als Leser habe davon allerdings nichts mitbekommen.

Der Plot an sich ist dementsprechend unspannend und auch nicht besonders geschickt aufgebaut: Informationen über die Vampire werden nicht in der Geschichte verwoben, sondern in Form von Geschichtsstunden auf einigen Seiten runtergebrochen. 
Die Konflikte sind mir, wie gesagt, viel zu weit hergeholt oder unverständlich aufgebaut. 
Einige Handlungsstränge verlaufen sich einfach im Nichts, so z.B. auch Ben, der „große“ Gegenspieler von Caleb, der dadurch sehr harmlos und unwichtig wirkt.
Die einzelnen Szenen sind nicht aufregend, da durch unglückliche Gefühls- und vor allem Perspektivwechsel keine Spannung aufkommt. Zum Beispiel: Wieso wechselt man zu den bösen Vampiren, die gerade ein unschuldiges Opfer verschlingen, um zu erzählen, wie Caleb und Lily unglücklich in sie hineinstolpern, statt mit Spannung die Angst und die Gefahr aus Calebs oder Lilys Perspektive zu berichten? 
Der Höhepunkt sieht ähnlich aus: auch hier wird die erzählende Perspektive schnell in Sicherheit gebracht und so die Spannung erstickt. Das Ende war daher leider sehr enttäuschend. Sicherlich ist es der erste Band von vielen, aber auch der sollte ein gutes Ende haben, da bringt auch das Vertrösten auf kommende Bände nichts.

Ähnlich wie mit dem Inhalt sieht es auch mit dem Stil aus: es gibt durchaus gute Ansätzen, aber die gehen kläglich unter. Der Stil ist sehr schwer zu lesen und klingt nicht besonders rund. Teilweise sind zu viele, teilweise zu wenig örtliche und zeitliche Bestimmungen in den Sätzen usw. Ein kritischer Lektor hätte hier sicherlich noch einiges herausholen können. (In der Videorezension gebe ich eine kurze Leseprobe, die die Qualität hoffentlich klar macht.) 

Nun noch einige unwichtigere Sachen: der angekündigte Biss-Vergleich. Jeder, der derzeit eine Liebesgeschichte zwischen Vampir und Mensch schreibt muss sich diesem Vergleich stellen, keine Frage. 
Schön ist bei Cold Belt, dass die Welt an sich durchaus Unterschiede zur Welt von Bella und Edward aufweist: es spielt in der Zukunft, es gibt die Cold Belts, Vampire haben sich zu erkennen gegeben etc. 
Es gibt allerdings auch vieles, was stark an die Biss-Reihe erinnert: Bella zieht am Anfang nach Forks, Lily zieht am Anfang nach Harts. Bella und Lily sehen sich sehr ähnlich und sind auch gleich alt, haben beide die Abkürzung ihres Namens als Rufnamen (Isabella – Bella, Elisabetta – Lily). Es gibt böse Vampire/Vampirclans, die der Hauptprotagonistin nach dem Leben trachten. Die Augenfarbe der Vampire ändert sich und hat eine Bedeutung (Biss: rot – Neugeboren/Menschenblut-Trinker, gold – Tierblut-Trinker, schwarz – hungrig. Cold Belt: verschiedene Farben für verschiedene Gemütszustände.) 
Und was mich vermutlich am meisten gestört hat: das Vampirbild ist auch sonst (fast) vollkommen identisch. Die Vampire glitzern nicht, ein Pluspunkt. Dafür: sind sie stärker und schneller als Menschen, haben bessere Sinne, haben eine besondere Fähigkeit (einer der Cold Belt-Vampire kann sogar in die Zukunft sehen, was ja auch bei der Biss-Reihe eine entscheidende Fähigkeit war), können sich auch im Dunkeln gut orientieren, bluten nicht, sind kalt, können sich im Sonnenlicht zeigen, sind nicht bleich, wirken von Natur aus auf Menschen anziehend, können sich von Tierblut ernähren, altern nicht, schlafen nicht, haben keine Angst vor Kreuzen, Knoblauch, (fließendem) Gewässer oder Ähnlichem, sind auf Blut aus, sind nur zu töten, indem man den Kopf abtrennt, essen und trinken nicht, können sich nicht in einen Wolf oder eine Fledermaus verwandeln etc. 
Sicherlich wäre ein klassicher Vampir mit Knoblauch- und Sonnen-Phobie anfälliger dafür, lächerlich zu wirken, aber der Begriff „Vampir“ ist nun mal nicht gleichbedeutend mit „Supermensch mit Lust auf Blut“. Und dass „Vampire“ nötig waren um diese Geschichte zu erzählen, bezweifle ich stark... Wieso konnte man das ganze nicht z.B. mit Wassermenschen, mit Luftgeistern oder Aliens aufziehen? Und wenn schon Vampire, wieso dann nicht echte Vampire mit Vampireigenschaften, sondern bloß Supermenschen?

Ein weiterer Punkt, der mich straucheln ließ, war die Platzierung in Amerika. Eine deutsche Autorin schreibt eine Geschichte, die in Amerika spielt. Da frage ich mich erst mal, wieso? Alles, was beschrieben wird, wirkt nicht gerade „typical 'merica“, sondern nicht viel anders als in Deutschland auch. Ein Beispiel: das Mindestalter für einen Führerschein in West Virginia beträgt 15-16 Jahre. Bei den Jugendlichen im Buch war es jedoch niemals ein Thema. „Klar“, kann man jetzt sagen, „das spielt in der Zukunft! Da ist alles anders!“ Aber wenn sich das Amerika der Zukunft nicht von dem Deutschland der Gegenwart unterscheidet, wieso dann nach Amerika ausweichen? 
Hinzu kommen die, teilweise sehr seltsamen, englischen Begriffe, die man sicherlich besser auf deutsch hätte anbringen können, zumal einige davon nicht mal korrekt verwendet werden („Release“ z.B. bedeutet ja eher „Veröffentlichung“, „Freisetzung“ als „Erlösung“).

Ein letzter Punkt ist die Werbung im Buch. Auf den letzten Seiten werden nicht nur Blogger, die das Buch gelesen haben, vorgestellt – was in meinen Augen schon grenzwertig ist und was von Eine-Hand-wäscht-die-andere hat, aber gerade noch so in Ordnung geht, mit der Begründung: „Wer dieses Buch mochte, mag vielleicht auch diese Blogs“ -, sondern es werden auch noch einige Shops beworben, was ich persönlich schon dreist fand. Dass ein Verlag in seinem Buch für weitere Bücher wirbt, die dem Leser gefallen könnten – zugestanden. Aber gänzlich andere Werbung da hinein zu drucken, fand ich sehr unschön. Immerhin habe ich die Seiten, auf denen die Werbung steht, bezahlt. Und ich will nicht für Seiten, auf denen Werbung steht, die ich außerdem nicht mag, zahlen! Hätte ich das Buch nicht im Internet bestellt, sondern im Laden gekauft und das gesehen, hätte ich es postwendend zurückgelegt, schon aus Prinzip und ohne Hinblick auf die Qualität des Werkes.

Fazit:
Letztlich gebe ich Cold Belt 2 von 5 Punkten. 
Ja, es sind gute Ansätze vorhanden. Ja, vielleicht kommen noch mehr Bände, die besser sind. Ja, ein guter Lektor hätte da sicherlich ein ganz gutes Buch draus machen können. 
Aber auch: ja, es ist eben noch nicht gut. Ja, es erinnert stark an Biss. Ja, ein guter Lektor hätte da nochmal drüber schauen müssen. Denn so liegt das letztliche Endresultat in Buchform deutlich unter den Möglichkeiten der Geschichte. Dennoch werde ich Deborah C. Winter mal im Auge behalten und hoffen, dass sie künftig erfahrenere und auch gnadenlosere Lektoren/Betaleser findet. Im Amazon-Leseforum kam bei vielen Testlesern eine Lesbarkeit mit 9 von 10 Punkten rum... Realistisch wäre in meinen Augen nichts über 7 Punkten gewesen. Nicht aus Boshaftigkeit, sondern als Ansporn die Lesbarkeit und den Roman insgesamt zu verbessern; so ist es - wie gesagt, in meinen Augen - leider bei der angeblich guten, tatsächlich aber eher schlechteren Lesbarkeit geblieben.


Hier der Link zur Videorezension:



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