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Freitag, 5. Oktober 2012

Film - "Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt" von Edgar Wright







Titel: Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt (Scott Pilgrim vs. the World)
Idee: Bryan Lee O'Malley (Comic-Vorlage)
Regisseur: Edgar Wright
Erscheinungsdatum: 21. Oktober 2010 (Kino)/24. Februar 2011(DVD)
Spieldauer: ca. 107 Min.
Genre: Komödie, Action









Scott Pilgrim ist ein 22 Jahre alter Gamer, arbeitslos und spielt in einer Indie Rock-Band den Bass. Seit neuestem geht er mit dem siebzehnjährigen Schulmädchen Knives Chau aus, was zu zahlreichen Sticheleien seiner Freunde führt. Er ist jedoch erst wenige Tage mit ihr zusammen, als er von einem Mädchen mit roten Haaren und Inlinern träumt. Als er dieses Mädchen, Ramona Flowers, am nächsten Tag in der Bibliothek sieht, ist er komplett neben der Spur. Mit Glück und Hartnäckigkeit schafft er es, sie zu einem Date zu überreden und lädt sie zu einem der Auftritte seiner Band ein. Dort erwartet ihn bereits seine Noch-Freundin Knives; der Konflikt zwischen Knives, Ramona und Scott nimmt seinen Lauf. Statt sich ihm zu stellen flüchtet sich Scott auf die Bühne und spielt besonders laut, um ja kein Gespräch zwischen Ramona und Knives zu zulassen...

Plötzlich bricht ein Mann mit ausgestreckter Faust durch die Decke des Gebäudes und fliegt auf Scott hinab! Scotts Freund brüllt „FIGHT!“, und im letzten Moment kann Scott seinen Bass abschnallen, mit einem Arm den Schlag abwehren und mit einem Retour-Hieb kontern. Es folgt eine 64 Hit-Combo von Scott und der Angreifer landet auf dem Boden zwischen den Zuschauern. Es findet im Kreis der Schaulustigen ein Schlagabtausch zwischen Scott und dem Mann statt, nachdem zwischen ihnen ein „VS“ erschienen ist. Während des Kampfes stellt sich der Unbekannte als Matthew Pattel vor: er war einmal einer von Ramonas festen Freunden, die nun Die Liga der teuflischen Ex-Lover gegründet haben, um Ramonas Liebesleben zu kontrollieren. Matthew Pattel kann besiegt werden, doch Scott muss sich weiteren sechs Ex-Freunden stellen, wenn er weiterhin mit Ramona ausgehen möchte...
„Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ ist kein gewöhnlicher Film, soviel sei gesagt! Das wird bereits gleich zu Anfang klar, als das verpixelte Universal-Zeichen sich ins Bild schiebt und in bester 8 Bit-Manier das zugehörige Jingle ertönt. In schwarz auf Weiß erscheinen die Worte: „Vor nicht allzu langer Zeit... im geheimnisvollen Land... Toronto, Kanada... datete Scott Pilgrim ein Schulmädchen.“ Und was wie eine halbwegs normale Liebeskomödie beginnt, wird schon bald zu einem abgedrehten, kurzweiligen Actionspektakel mit atemberaubenden Effekten.
Bereits zu Beginn fallen die schrägen Dialoge und der eigenwillige Humor ins Auge: Stephen Stills, Sänger und Gitarrist der Band, auf Knives Erscheinen bei einer Bandprobe: „Wird sie jetzt klugscheißen?!“ Scott: „Sie wird still in der Ecke sitzen, man.“ - „Ich meine... ich... ich will ja, dass sie klug scheißt.“ - „Sie wird klugscheißen, sie scheißt klug, sie kann hervorragend klugscheißen.“
Hinzu kommen zahlreiche Anspielungen, meist auf alte 16 Bit-Videospiele: sei es nun, der Name von Scotts Band, „Sex-Bob-omb“, oder die Tatsache, dass ein Zelda-Jingle beim Öffnen der Tür ertönt. Man wird regelrecht damit überschüttet und kann selbst beim dritten Anschauen immer noch Anspielungen finden, die man zuvor übersehen hatte. Auch der oft kritisierte, gleichförmige Plot fällt unter diese Kategorie: viele alte Spiele und auch einige Comics behandeln einfach nach einander mehrere Kämpfe, ohne großartige Wendungen. Scott Pilgrim spielt unmissverständlich darauf an.
Beides wird sehr gut verbunden - Anspielungen und Humor, z.B. als sich ein teuflischer Ex nach der Niederlage in einer Explosion aus Münzen auflöst und Scott total lakonisch sagt: "Cool. Münzen. ... Oh man, das reicht ja nicht mal für den Bus nach Hause!"
Die wohl größte Besonderheit des Films ist jedoch die grafische Darstellung von soundwords und Ähnlichem. Als „soundwords“ oder Onomatopoesie werden Laute wie „ZSCH“, „BAM“, „POW“ oder ähnliche Ausdrücke im Comic bezeichnet. Scott Pilgrim basiert auf der Comic-Serie von Bryan Lee O'Malley und enthielt daher im Original viele dieser soundwords. Edgar Wright hat als Regisseur den Versuch unternommen, diese soundwords via Computer nachträglich in die Realszenen des Films einzufügen: wenn Scott einen Schlag ins Gesicht abbekommt, erscheint im Hintergrund in großen Buchstaben „SMACK“, wenn die Klingel gedrückt wird, ertönt nicht nur das Geräusch, sondern daneben erscheint „DING DONG“.
Von vielen Rezensenten wurde dieses „Wort-Blitzlicht-Gewitter“ als irritierend und ablenkend beschrieben, das muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Meiner Meinung nach passt es sehr gut in den Film und gibt ihm eine fast künstlerische Note. Wenn man es als störend empfindet, kann man jedoch auch problemlos darüber hinwegsehen, indem man sich auf andere Dinge konzentriert. Zumal ein schnelles, wildes Film-Arrangement ja ein Markenzeichen von Edgar Wright ist und auch schon in "Shaun of the Dead" und "Hot Fuzz" ähnlich vorhanden war.
Zuletzt fällt der rotzige Sound des Films auf: Scott spielt in einer Indie-Band, und das hört man! Die dreckigen, rockigen Sounds geben dem Film noch einmal zusätzlichen Charme (wenn man diese Art von Musik mag!), und passen gut zu den jeweiligen Szenen.
Insgesamt ist der Film auf eine sehr geringe Zielgruppe beschränkt: um ihn zu mögen, muss man auf Comics, Indie Rock, Videospiele und abgedrehten Humor stehen. Dementsprechend war der Film nie besonders erfolgreich.
Wer jedoch schon immer mal eine Comic-Verfilmung sehen wollte, die diese Bezeichnung wirklich verdient; wer mit einem alten Nintendo groß geworden ist und einen etwas eigenwilligen Humor hat, und vielleicht sogar noch Rock-Musik hört, sollte sich diesen Film nicht entgehen lassen! Zumal er derzeit für gerade einmal 5 Euro auf Amazon zu haben ist! ;)
Abschließend bleibt zu sagen, dass die deutsche Übersetzung teilweise lustiger ist als die englische – und teilweise alles kaputt macht! Aus einem „What are you doing?“ - „Getting a life!“ ein: „Was tust du?“ - „Mir ein Extraleben holen.“ zu machen, ist echt ein großer Fauxpas, den man beim Gesamteindruck der Szene zwar verschmerzen kann, aber doch viel vom Witz des Originals kaputt macht. Ähnliches gilt sogar für wichtige Szenen im Finale, die total irritieren können, bis man sich den O-Ton anhört.
Da ich auf Comics, auf Videospiele, auf Rock-Musik und schrägen Humor stehe, vergebe ich 4 von 5 Punkten! Wäre die Übersetzung nicht dermaßen schlecht, hätten es auch 5 werden können!

Diese Rezension wurde den Geistern netterweise von 4l145 zugeschoben.

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