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Freitag, 5. Oktober 2012

Buch - "Die Glasbücher der Traumfresser" von Gordon Dahlquist






Titel: Die Glasbücher der Traumfresser
Autor: Gordon Dahlquist
Genre: Fantasy
Verlag: blanvalet Verlag
Seiten: 925
Preis: 9,95€









Mit dem ersten Band »Die Glasbücher der Traumfresser« ist Gordon Dahlquist ein gutes Debüt gelungen, welches allerdings nicht bei jedem positiv aufgenommen werden wird.

Zur Rezension: Worum geht es in »Die Glasbücher der Traumfresser«? Es geht um Glas, blaues Glas, Chemie, Masken, Träume, Kontrolle, Macht, Bücher, Erinnerungen, Verschwörungen, Morde, zwei Gruppe, ein Luftschiff, Säbel, Geheimnisse, Bündnisse und ein Verfahren. Es wird erzählt wie drei Personen zufällig in eine Geschichte verwickelt werden und später auch zusammen arbeiten. Der Autor lässt sich Zeit um das große Geheimnis, was es mit dem Verfahren auf sich hat, zu beleuchten und anschließend auch aufzudecken. Der Weg dahin ist alles andere als einfach und erfordert höchste Aufmerksamkeit, auch vom Leser. Seltsame Vorgänge werden beobachtet, Menschen manipuliert und bis in die Psyche verändert. Die Traumfresser ziehen ihre Kreise und finden viel zu leicht neue Anhänger. Eine kleine Gruppe macht es sich zur Aufgabe ihr Vorhaben zu stoppen.

Die Idee hat mit sofort gefallen. Allein schon der Titel und das Cover haben mich angesprochen. Schnell wird klar, was es mit der Maske auf dem Cover auf sich hat, sie steht meiner Meinung nach auch für das große Geheimnis des Buches. Es spielt im viktorianischen England und ist wunderbar in den historischen Kontext eingearbeitet. Mir gefielen sehr die Glaskarten und Bücher, die eine wichtige Rolle spielen. Die Bilder und Beschreibungen, die der Autor in diesen Szenen brachte, ließen mich selbst eintauchen und darin versinken. Aber auch das Komplott und die Verstrickungen waren sehr gut umgesetzt und dargestellt. Teilweise habe ich da zwar den Überblick verloren, aber ich konnte mich recht schnell wieder einfädeln. Es war mal etwas anderes im Bereich Phantastik und ich fand die Kombination sehr gelungen.

Der Schreibstil ist recht schwierig und alles andere als schnell zu lesen. Ich habe für das Buch eine ganze Weile gebraucht. Die vom Autor gewählte Sprache erschwert das Lesen. Ich mochte den älteren Stil und fand ihn passend zur Geschichte. Die Sätze sind teilweise sehr lang und detailreich. Der Autor schreibt alles sehr genau, was vermutlich einige abschrecken wird. Jeder, der Interesse an dem Buch hat, sollte vorher ein paar Seiten lesen. Ich fand den Stil gut und eine nette Abwechslung zu sonst eher einfacher Schreibweise. Dennoch hatte ich streckenweise meine Probleme, eben auch mit den Details. Handlungen, Abläufe, Umgebungen et cetera werden sehr genau beschrieben. Andererseits malt er auch sehr schöne Bilder und durch den Stil kann man sich sehr gut in die Personen, die Stimmung und die Umgebung einfühlen.

Die drei Hauptpersonen haben mir sehr gefallen. Sie waren sehr detailliert, lebendig und mitreißend. Sie haben alle ihre Eigenheiten und bestimmten Züge, die sehr gut ausgearbeitet wurden. Es fällt leicht sie zu unterscheiden und sie sich vorzustellen. Hier hat der Autor ausgezeichnete Arbeit geleistet.
Miss Tempel hat wohl die größte Veränderung im Buch durchgemacht. War sie zu Beginn noch die kleine Frau, der niemand etwas zutraute und die von ihrem Verlobten verlassen wurde, so war sie am Ende eine ernst zu nehmende Gegnerin, die sich nicht scheute auch eine Waffe in die Hand zu nehmen.
Kardinal Chang, mit vor allem äußerlichen Besonderheiten, ist eiskalt und ein Auftragsmörder. Bei ihm wusste ich nie genau, aus welchem Antrieb her er handelte und was er sich erhoffte, vielleicht ist mir das aber nur entfallen. Er hat seine Stärken, ist ein ausgezeichneter Kämpfer und behält sein Ziel immer im Blick.
Doktor Svendson, ein Deutscher Offizier, der eigentlich nur seinen Prinzen retten wollte, gerät mit in die Verschwörung. Durch Zufall trifft er Miss Tempel und gemeinsam verbünden sie sich. Auch er wächst im Verlauf des Buches über sich hinaus und stellt sich den Herausforderungen.
Alle drei kämpfen um ihr Leben und stehen mehrmals kurz vor dem Tod. Ihr Bündnis bleibt bis zum Ende bestehen und gemeinsam nehmen sie es mit der Clique auf.

Die Clique besteht aus vielen einflussreichen Personen. Es ist bis zum Ende nicht ganz klar, wer bei ihnen wirklich miteinander kooperiert. Sie werden als Zweckgemeinschaft dargestellt, bei der jeder seinem eigenen Ziel hinterher jagt. Mir fehlte hier ein Personenregister. Einige von den Mitgliedern hatten mehrere Namen, auch der Wechsel zwischen Vor- und Zuname, sowie der Anrede waren teilweise sehr verwirrend und es dauerte, bis ich alle auseinander halten konnte. Dennoch hat der Autor seine Sorgfalt auch hier durchgezogen und alle sehr individuell gestaltet, was sie griffiger machte.

Das Buch ist in sehr lange Kapitel unterteilt, die sich immer mit einer der Hauptperson befassen und diese jeweils »verfolgen«. So laufen drei Handlungsstränge meist parallel und werden hier und da zusammen geführt. Dadurch bekommt der Leser einen guten Rundumblick auf die Story, verliert sich allerdings auch darin. Teils wird abgebrochen und wieder viel weiter hinten eingesetzt um z.B. den Kardinal näher zu beleuchten. Das machte es für mich schwierig die Spannung zu halten. Endlich passierte etwas, da wechselte der Autor die betrachtete Person. Dennoch konnte er so das komplexe Konstrukt besser umkreisen und den Leser lenken und erneut Spannung aufbauen. Vor allem gegen Ende, wenn die Stränge langsam zusammen laufen, kam Spannung auf und ich konnte das Buch kaum mehr aus der Hand legen.

Was mich gestört hat, war, dass die drei »Rebellen« einfach nicht gestorben sind. Ihre Feinde, die definitiv in der Übermacht waren, haben sie andauernd am Leben gelassen, obwohl es cleverer gewesen wäre, aus Sicht der Gegner, sie bei der ersten Gelegenheit zu töten. Bis auf den einen Zufall mit dem Kardinal habe ich es nicht verstanden. Drei Leute gegen eine Verschwörung erscheint mir zu unmöglich. Auf der anderen Seite ist das genau der Punkt, der das Buch ausmacht, dass die drei jegliche Widrigkeiten überstehen und eine Gefahr für die Clique sind.
Zum Anderen habe ich im Schloss oder dem Haus den Überblick verloren. Ich wusste irgendwann nicht mehr, wo sie sich nun befanden und wie die Gebäude aufgebaut waren. Für diesen Fall wären Karten ganz hilfreich gewesen, Selbst wenn ich das Buch in einem kürzeren Zeitraum gelesen hätte, wäre es, bedingt durch die Perspektivwechsel, recht schwierig gewesen zu folgen.
Und das Ende, wie immer. Da schreibt der Autor lang und breit über alles und jeden und dann ist es auf einmal vorbei. Der Leser wird mit einer Ahnung zurück gelassen, im kalten Wasser treibend. An sich ist das Buch abgeschlossen, doch kribbelt es dennoch.

Es ist anstrengend zu lesen und nur etwas für Fans des Settings und von so einem Schreibstil. Wer lieber auf leichte Kost steht, sollte die Finger davon lassen. Mir hat es, bis auf das langwierige Lesen und den teils fehlenden Überblick, sehr gut gefallen. Die Detailverliebtheit und die echten Charaktere, sowie die Idee haben mich von dem Buch überzeugt.
Ob ich mir auch den nächsten Band hole, weiß ich noch nicht.

Für die Idee gibt es 4 Skulls, die Personen auch 4, aber für den Stil und die Schreibweise nur 2. Insgesamt sind wir so bei 3,3 Skulls =)




eure engelsmomente

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